Wege und Stege

Ich liebte den täglichen Weg über die Fußgängerbrücke. Es ist gar keine Brücke, es ist ein Steg, so steht es im Namen. Ich kannte Stege immer nur als diese Holzkonstruktion zwischen Boot und Ufer, aber man lernt ja nie aus. Dieser Steg war aber nicht aus Holz, sondern aus Beton gegossen und links und rechts gab es grünliche Geländer, auf die ich mich bequem lehnen konnte. Das wirkliche Highlight war aber, dass sie ein wenig schwang. Man bekam immer das Gefühl, als würde man auf einem Schiff stehen und es ist ja auch so ähnlich. Ein Boot fährt von einem Ufer zu einem anderen und dieser Steg führte von einem Ufer zum anderen.

Es springen von hier aus sogar Menschen in den Fluss. Ich habe es nie gesehen und wenn ich so ins Wasser hinabblickte, erschien es mir geradezu wahnsinnig, aber dennoch wurde es getan. Ein wenig Verrücktheit schadet wohl nicht. Man sagt ja sogar Genies nach, dass sie ein wenig verrückt seien. Ich kann es nicht beurteilen, ich kenne kein Genie. Oder doch?

Wann und wie
wird ein Mensch zum Genie?

Vielleicht ist es eben gerade das: Man geht über diesen Steg, doch statt stur geradeaus zu gehen, dreht man sich nach links, hievt sich auf die Brüstung und springt ins Wasser. Und dann kommt man irgendwoanders heraus. Ein Geniesprung. Hin und wieder sollte man diesen Sprung wagen, scheint es mir. Hin und wieder sollte man dem Kopf die Möglichkeit geben, dass 3 mal 3 gleich 6 gibt, Lady Langstrumpf würde mir zustimmen.

Eine Bahnfahrt

Ich liebe Bahnfahrten. Besonders in 6-Personen-Abteilen, weil man dort direkt mit unbekannten Menschen zusammen sitzt. So lernte ich mal einen Chilenen kennen, der quer durch Europa reiste. Ich setze mich immer direkt ans Fenster, so kann ich gleichzeitig auch nach Draußen schauen oder mich den Leuten im Abteil entziehen, wenn sie mir doch nicht so sympathisch sind, wie ich es erhofft hatte. Das Abteil ist heute leer und mein Blick schweift über die weiten Felder. Beim Überqueren einer Brücke flackert das Licht von den Stützen, die an uns vorbeiziehen. Mir ist die Ruhe sehr recht, da ich ungemein müde bin und hier ein wenig Schlaf nachholen möchte.

Es geht wohl jedem von uns so, dass man aufwacht, wenn der Zug am Bahnhof zum Stehen kommt, ganz egal, wie sanft der Zugführer uns einfahren lässt. Zuerst schaut ein recht stämmiger Typ herein, der laut durch die Nase schnauft. Er guckt grimmig, vermutlich geht er täglich ins Fitnessstudio und verdingt sich als Türsteher. Er schaut nach den Platznummern und geht zur nächsten Tür. Ob er wirklich eine Reservierung hat, da bin ich mir nicht sicher, denn man kann ja draußen bereits lesen, welche Platznummern für dieses Abteil bestimmt sind. An der Glasfront stand nur eine Reservierung und somit fühlte ich mich frei, mich dazu zu setzen, zumal ja niemand sonst hier war.

Es öffnete sich abermals die Tür und vermutlich wäre der schnaufende Bulle wohl doch in dieses Abteil gestiegen, wenn er die Frau gesehen hätte, der offensichtlich die Reservierung gehörte. Sie hatte ein Lächeln auf den Lippen, welches zwar nicht mir galt, aber welches sie wohl immer mit sich herumtrug. Was wäre dieses Lächeln aber auch für eine Verschwendung an jenen Bullen von zuvor gewesen, da war es mit mir allein viel besser aufgehoben. Sie war lässig gekleidet, eher bequem als schick, aber nicht ungepflegt. Auch brauchte sie kein erdrückendes Parfum, wie man es sonst manches Mal erlebt. Bei solchen Menschen verlasse ich dann das Abteil, bevor ich an dem Gestank zu ersticken drohe.

Jene Frau nahm in dem Sitz in der Mitte auf der anderen Seite platz. Dies war eigentlich der schlechteste Platz, denn man konnte sich nie so hindrehen, dass man keine Person anschauen kann, wenn alle Sitze besetzt sind. Auch hat man so zweifelsfrei einen direkten Nebensitzer, wenn jemand auf der gleichen Seite sitzt. Es ist aber meine Schuld, dass sie dort sitzt, denn vermutlich wollte auch sie den Blick nach Draußen genießen, doch es wäre zu nah, wenn sie sich mir gegenüber gesetzt hätte. Es ist eben eine Marotte von mir, mich immer in den Sitz links am Fenster zu setzen.

Ich mustere sie weiter, ihr schulterlanges Haar und diese lebensfrohen Augen. Sie schaut hinaus und träumt vor sich hin, was ich auch nur zu gern mache. Ein Tunnel unterbricht mein Erkunden, dabei war mein Blick gerade auf ihr Dekolleté gefallen. Ihr Oberteil war so eben tief genug, dass man jene Vertiefung des Busens sehen konnte und das gedimmte Licht ließ mich nur Konturen und Schatten erkennen. Doch sie gefiel mir, das spürte ich nun auch in meinem Schoß und ich versuchte mich so hinzusetzen, dass es etwas bequemer würde, nur wie soll man Ordnung in seiner Unterhose schaffen, ohne sich in den Schritt zu greifen. Gut, man hat als Mann da mittlerweile seine Tricks und Kniffe, mal davon abgesehen, dass man auch nicht mehr so eiskalt von seiner Erregung bloßgestellt wird, wie es als Schuljunge noch der Fall war, wo man ganz ohne Reiz schon auf seinem Stuhl saß und hoffte, nicht an die Tafel gerufen zu werden.

Wie ich mich so sortierte, bemerkte ich plötzlich ihren Blick, der dank des Tunnels natürlich nicht mehr auf der Natur dort draußen ruhte, sondern auf mich gerichtet war. Ich versuchte eine entschuldigende Miene aufzusetzen, aber ob sie das überhaupt erkennen könnte, bezweifle ich. Peinlich berührt, blickte ich zu Boden, als ihre Stimme erklang und sie mich fragte, ob sie mir helfen könnte. Ich sah sie zögerlich an, während sie eher herausfordernd blickte. Sie legte ihre Hand auf mein rechtes Bein und ließ sie dort für einen Moment verharren. Dann wanderte sie hinauf und strich immer wieder über die kaum zu verbergende Beule. Ich genoss ihr Spiel, schloss die Augen und stöhnte leicht auf. Ich hörte, wie mein Hosenstall sich öffnete, doch mehr noch, ich fühlte das sanfte Streicheln ihrer Hand dabei. Mir war nicht ganz klar, wie sie zu mir herüber gekommen war, aber wir küssten uns nur einen Moment später innig und meine linke Hand fand ihre Wange, während meine rechte an ihrer Hüfte entlang wanderte. Meine Scheu hatte sich verabschiedet und ich ließ meine Hand unter ihr Top gehen und ihren BH nach oben gleiten, um ihre Brust spüren zu können. Sie stöhnte auf, als ich ihre Nippel leicht zwischen meinen Fingern drückte…

Die Bremsen quietschten und ich blinzelte. Ich war eingeschlafen und ein weiterer Bahnhof hatte mich aus dem Schlaf gerissen. Ich blickte überrascht zu der Frau und erkannte nur ein Lächeln auf ihren Lippen, als sie den Bahnhof draußen betrachtete. Hatte ich mich verraten und womöglich geredet, während ich schlief? Ich blickte selbst hinaus und erkannte meinen Bahnhof, also griff ich meinen Rucksack und verließ die junge Frau meiner Träume. Kaum ausgestiegen, fummelte ich in meinen Taschen, ob ich auch nichts vergessen hätte, ein luftiger Zug in der Hose machte mich darauf aufmerksam, dass der Reißverschluss offen stand. Ich blickte in die Fenster des anfahrenden Zuges und sah ein letztes Mal den verträumten Blick der Frau aus meinem Abteil. Ihr Lächeln schien noch viel größer und verschmitzter als zuvor.