Gedanken zum Feiertag

So ein paar Gedanken kommen mir doch zu diesem Feiertag und das macht ihn besonders, denn alle anderen Feiertage erfreuen mich lediglich, da ich frei habe, doch über deren Herkunft oder Sinn denke ich selten nach.

Als ich heute morgen aufwachte, fragte ich mich, ob ich in der Birthler-Behörde nicht mal anfragen sollte, ob es nicht sogar von mir eine Akte gibt. Die wäre wohl kaum mehr als zwei Seiten schwer (wobei man das vermutlich auch von seinem Facebook-Account denkt), da ich ja nur meine ersten sechs Lebensjahre in der DDR zubringen musste, dennoch könnte es interessante Erinnerungen hervorbringen. So hat unser Hausmeister mit Sicherheit irgendwo erwähnt, dass ich ein West-Kaugummi in seiner Wohnung ausgespuckt habe (er hatte mich ohne Vorwarnung hochgehoben und kreisen lassen, da sorgte die Zentrifugalkraft und mein offener Mund für den Rest).

Mich erinnert dieser Tag auch daran, wie wenig man für seine Herkunft kann und wie glücklich man sich schätzen sollte, dass andere Menschen ihr Ansehen, ihre Freiheit oder auch ihr Leben für das riskierten, was uns heute so selbstverständlich erscheint. Wäre mein Krankenhaus einige Kilometer westlicher gelegen, dann hätte ich die Sachen aus der Werbung tatsächlich auch in einem Spielzeugladen finden können. Vielleicht hätten wir sie uns auch leisten können. So war da nur eine Sehnsucht nach der Masse an Spielzeug (man kann hier durchaus berechtigt einwerfen, dass Spielzeugwerbung ganz allgemein verboten werden sollte, denn Kinder sind Kinder und sollte keine Konsumenten sein, aber mir geht es um den Unterschied, den ich selbst erlebt habe).

Die Herkunft oder der Wohnsitz ist so eine Sache, die mich auch für die kommende Bundestagswahl beschäftigt: Wie kann man den Kurs von Frau Merkel bekräftigen, wenn man nur die CSU wählen kann? Herr Seehofer wird ein gutes Abschneiden der CSU als Bestätigung seines Kurses ansehen und ein schlechtes Abschneiden hingegen Frau Merkel anlasten. Und da kommen wir auch zum entscheidenden Punkt: Die eigene Stimme gebe ich ja nicht als Geschenk oder als Bestrafung für die Politik der letzten Jahre, sondern für das Programm der kommenden (was ja eigentlich jeder so handhaben sollte). Somit darf noch eine gute Weile verstreichen, bis ich mir diesbezüglich wieder konsequent Gedanken machen werde.

Ich freue mich, dass ich heute hier sein darf. Ich weiß meine Freiheiten und auch meine Pflichten zu schätzen und auch wenn es gerade so scheint, als ob unsere Demokratie in Gefahr ist, so bin ich guter Dinge, dass wir auch das schaffen und überstehen werden.

Genießt den Tag!

Talkin´ ´bout my generation

Da sind wir also nun. Diese eine Generation, der man keinen besonderen Namen gegeben hat, zumindest nicht den, der so offensichtlich wäre. Es gab eine Nachkriegsgeneration, aber eine Nach-DDR-Generation, die sucht man vergebens. Ist ja auch nicht weiter merkwürdig, denn man will ja gar nicht dazugehören. Dabei ist das eine ganz interessante Generation. Es sind Menschen, die sich trennten. Die Einen, die Zuhause blieben und sich mit sozialistischen Ideologien und Rechten rumschlagen müssen und die Anderen, die wegzogen, um das Leben zu leben, was sich unsere Eltern noch wünschten und wofür jene kämpften.

Schon komisch, dass wir die Menschen gar nicht wirklich ehren, die sich aufrafften und mit der Gefahr, eingesperrt zu werden, auf die Straße gingen. Nein, man will ja gar kein Ossi sein, denn das sind ja die mit dem merkwürdigen Dialekt. Das ist übrigens nicht sächsisch oder thüringisch sondern DER ostdeutsche Dialekt, weshalb die Leute dann immer ganz merkwürdig schauen, wenn man so hochdeutsch spricht, dass eine Herkunftsbestimmung unmöglich ist, aber aus dem Osten könnte man ganz sicher nicht sein, da spricht man ja nicht so.

Also wo ist eigentlich der Feiertag oder das Denkmal, das an die mutigen Frauen und Männer erinnert, die damals den Obrigen erklärten, dass sie das Volk seien? Es ist eben nicht der Tag der Einheit. Das ist zurecht ein gesamtdeutscher Feiertag und natürlich erinnern wir uns dann kurz daran, wie toll das war, als wir rübermachten. Es gibt dann die Sendungen, die mit der richtigen Musik und den passenden Bildern das Herz höher springen lassen, denn da waren sie plötzlich, die Vereinigung und die Freiheit.

Und nun gibt es uns, die Nach-DDR-Generation. Wir hörten von unseren Eltern, dass die Luft hier sauberer ist, aber verstaubt scheint hier ebenso einiges zu sein. Wir erwarteten Freiheit, weil unsere Eltern doch dafür kämpften und ja, jetzt haben wir sie und dabei ganz vergessen, dass sie kein automatisches Recht ist, sondern immer wieder erkämpft werden muss.

Wir hören uns mit stoischer Gelassenheit die schlechten Ossi-Witze an und lachen kurz mit. So wie man das eben macht, weil es eh keinen Sinn ergibt, sich darüber aufzuregen. Wir sehen mit einem unguten Gefühl die Typen mit Glatze und Bomberjacke und mit einem noch viel unwohleren Gefühl die Typen aus der gleichen Ecke, die in großer Zahl gar nicht mehr so einfach erkennen sind, weil sie begriffen haben, dass sie getarnt eher in die Köpfe der Menschen kommen.

Es ist schon unsere Aufgabe, die der Nach-DDR-Generation, an unsere Eltern zu erinnern. An ihren Kampf und ihre Ängste, aber auch an das, was sie erreichten und warum sie es taten. Angeblich meckern wir Ossis ja gern. Nun, wenn meckern bedeutet, dass man sich gegen das auflehnt, was falsch läuft und nicht mehr toleriert werden kann, dann erfülle ich gern das Klischee und meckere. Hier darf ich es immerhin. Damals, in dieser sogenannten demokratischen Republik wäre das unmöglich gewesen. Ich darf hier Missstände benennen und habe Mittel und Weg, dagegen vorzugehen, denn das erlaubt eine Demokratie ihren Bürgern. Die Pflicht des Wählens ist hier ein Privileg, dessen man sich gar nicht mehr bewusst ist. Veränderungen sind möglich, wenn man mit ihnen da anfängt, wo man selbst lebt.