Schattentanz

Wir schauten unseren Schatten beim Tanzen zu, sie zogen sich mehrere Meter in die Länge und sie waren eins. Es gab nur diesen einen Baustrahler, der den Raum erhellte. Er stand hinter dem Typen am Mischpult. Es war alles sehr provisorisch, aber das war ja gerade der Charme, den es ausmachte. Die verlassene Fabrik diente als Disco. Hin und wieder huschte ein lächelndes Gesicht an mir vorbei, manchmal erkannte ich es, oftmals blieb es mir verborgen. Eine Hand hielt mir ein Bier entgegen, ich nahm es dankend an, auch wenn es mir nicht mundete. Hatte es noch nie, das wusste ich schon seit ich fünf war und mir mein Vater eins in die Hand drückte, als ich müde aus dem Zelt kroch und mich beschwerte, dass ich durstig sei. Der eine Schluck in der Kindheit hatte genügt, um eine Resistenz dagegen aufzubauen. Doch hier im Licht des Scheinwerfers spülte ich es herunter. Meinen Durst konnte ich mittlerweile damit stillen, wenn es sein musste. Zweimal schon war der Strom kurzzeitig ausgefallen und wir waren in tiefste Dunkelheit gehüllt. Dann erblickte ich das Licht von Taschenlampen, die am Generator herumleuchteten. Irgendwer machte irgendwas und das Leben der Lichter und der Musik begann wieder von vorn. Nun fiel zum dritten Mal der Strom aus und die Menge stöhnte traurig. Doch es war kein zufälliger Ausfall, das verstanden wir, als jemand „die Polizei“ rief. Eine Hand griff die meinige und zerrte mich weg. Ich folgte, obgleich ich es gar nicht für nötig hielt. Was würde schon ernsthaft passieren? Wir liefen durch den Wald und stolperten nach einigen Minuten. Wir keuchten laut, doch wir hörten in die Stille, da war kaum etwas zu hören, alles nur entfernt. Lippen berührten meine Lippen. Es war ein schöner Kuss. Wer war nur dieser Schatten?