Eifersucht und Kumpanei

Ich wurde tatsächlich schon mehrfach gefragt, ob es okay sei, dass man mit einer Verflossenen von mir zusammen komme. Und jedes Mal fühlte ich mich geehrt, dass man mich fragte. Ich muss aber gestehen, dass ich mich auch schämte dafür, denn es kam mir vor, als würde ich der Entscheider sein, also eine Rolle, die mir überhaupt nicht zusteht. Eine Rolle, die niemandem zusteht. Ja, ich habe habe viele Menschen kennengelernt und an manche verlor ich mein Herz oder sie brachen es mir. Aber damit ist die Geschichte dann auch schon vorbei. Bei jenen, bei denen ich gern Nein gesagt hätte, wurde ich nie gefragt und auch wenn es weh tat: Es war richtig so.

Es ist gut gemeint und leider nicht gut; Nicht einmal im Ansatz, denn meine Meinung spielt keine Rolle. Meine mögliche Eifersucht ist mein Problem. Ich lernte eben einen eifersüchtigen Freund kennen. Es ist interessant, denn auch das habe ich schon oft erlebt: Ich unterhalte mich mit einem Menschen und weil dieser Mensch weiblich ist und ich männlich, und weil dieser Mensch einen Freund hat und ich keinen Menschen neben mir zu stehen habe, muss ich verdrängt werden. Was ist das für eine Angst? Wie gering ist das Vertrauen in die Gefühle jener Person, um die es doch eigentlich gehen sollte?

Egal ob ich gefragt oder verjagt werde, jedes Mal wurde nicht die Person bedacht, die wirklich wichtig ist. Ich werde keinem Freund meine Freundschaft kündigen, weil er sich in eine Frau verliebt hat, die nicht mehr mit mir zusammen ist. Ich werde keine Frau anmachen, nur weil ich mit ihr rede. Mir scheint es oft, als würden wir Männer nur nach einem Trieb betrachtet und beurteilt. So als würde all unser Handeln nur davon bestimmt, wonach unser Penis sich richtet. So als würden wir diesem Körperteil unterstellt und ausgeliefert sein. Es sind die Freunde, die vorsichtig nachfragen. Es sind die Partner, die verjagen.  Es sind die Väter, die den Freunden ihrer Tochter unterstellen, dass sie nur das eine wollen.

Es zeigt, dass wir Männer uns nicht zutrauen, mehr als nur unser Glied zu sein. Das stimmt mich traurig. Denn wenn es so sein sollte, dann wüsste ich wirklich nicht, warum es uns geben sollte.

Mal wieder einen Trend verpasst…

Eigentlich wollte ich nichts zu den 15.000 Leuten schreiben, die sich in Dresden gefunden haben und sich für was besseres halten. Ich kenne meine Leser und halte sie für aufgeklärt genug, dass ich ihnen unterstelle meine Sichtweise zu teilen. Aber irgendwie ist mir jetzt doch danach.

Kommen wir zu dem Trend, nämlich der Islamisierung. Diesen Trend muss ich nämlich total verpasst haben. Ich suche in unserer weltoffenen Stadt nach Anzeichen von Islamisierung und finde allein eine Amerikanisierung, die vollkommen akzeptiert und toleriert wird. Nun denn, es mag der Preis der Freiheit sein. Ich suchte weiter und dann fand ich sie doch noch. Mir halfen andere Blogger, aber zuerst natürlich zum eigenen Geschichtswissen:

Wir Kinder Roms mussten mit arabischen Zahlen auskommen und die verfluchte Null hinnehmen. Wo war nur damals im Mittelalter die gute Pegida, die uns davor beschützt hätte? Wir hatten stattdessen wenige Schriftgelehrte und wenn ein armer Bauer mal einen Zettel mit diesen merkwürdigen Schriftzeichen fand, dann gab es für ihn bessere Nutzungsmöglichkeiten für das gute Papyrus, als das Wissen der Antike aufzubewahren. Leider kamen arabische Gelehrte über Spanien zu uns nach Europa und gaben uns einen großen Teil dessen zurück, worauf wir uns heute berufen, wenn wir von einer europäischen Geschichte sprechen. Hätte man uns nicht davor schützen können? Gäbe es dann eigentlich „patriotische Europäer“? Vielleicht haben die Leute aber auch Angst vor den ganzen Dönerläden. Die einzigen Orte, wo man des Nachts noch schnell ein Bier kaufen kann. Ach ne, das tun die ja ganz sicher nicht, weil die ja keinen Alkohol erlauben…oh wie, die tun das doch??? Nunja, aber gegen diese von vielen Ernährungswissenschaftlern einzig gesunde Fastfoodart sollte man sich auch stellen. Wir haben doch unseren ureuropäischen BigMac aus der Plastiktüte. Was bedeutet eigentlich Islamisierung, etwa dass wir hier eine neue Staatsreligion einführen? Sehe ich nicht. Etwa, dass wir von unseren christlichen Werten abrücken? Das darf jeder für sich tun und bei allem Respekt: Wo sind die christlichen Werte denn hin, wenn man Menschen, die in unser Land kommen, zeigt, dass sie nicht willkommen sind. Bat Jesus nicht darum auch die andere Wange hinzuhalten? Ich wurde nicht einmal auf die eine geschlagen und bin dennoch bereit, meine zweite hinzuhalten. So wie es wahrhaft große Menschen taten. Man mag mich Gutmensch nennen oder es Kuschelkurs schimpfen, das stört mich nicht im geringsten. Lieber Kuschel- als Konfrontationskurs. Außer gegenüber Intoleranz und die sehe ich momentan nur aus einem Lager und halte es mit Sir Karl Popper:

Im Namen der Toleranz sollten wir… das Recht beanspruchen, die Intoleranz nicht zu tolerieren.

Der Grund, warum mich das so aufregt ist das Verständnis eines Thomas de Maizière. Ich sehe keinen Demonstranten, der wirklich Ängste zum Ausdruck bringt. Also wirklich ernsthafte Ängste. Ich habe nur eine einzige Frage an die Demonstrierenden: Was genau glaubt ihr, ist Islamisierung und wo genau findet diese statt? Ich sehe es nicht. Ich erinnere mich nur daran, dass es vor nicht einmal hundert Jahren schon Akademiker und Leute aus der Mittelschicht gab, die sich in einer Masse fanden und für eine Partei und ein System waren, das viel eher zum Untergang des Abendlandes beigetragen hat, als es irgendeine Religion könnte. Ich habe für die damalige Bewegung kein Verständnis und ich habe es für die aktuelle erst recht nicht. Vielleicht sollten wir demnächst eine gelbe Sichel an alle Muslime in Deutschland ausgeben, die sie sich an die Jacke stecken…ich habe für mich vor ein paar Jahren bemerkt, dass ich zwei Arabern gegenüber meine an dem Tag vollkommen positive und offene Einstellung gegenüber verändert habe. Wo kam diese abweisende Haltung eigentlich her und wie soll sich hier jemand wohl fühlen und integrieren, wenn man sich vor ihm verschließt? Seither achte ich sehr genau darauf, wann mir welche Vorurteile begegnen und ich stelle mich ihnen entgegen, denn ich möchte niemals wieder einer Person unfreundlich begegnen, nur weil sie ein besonderes Aussehen hat oder einer speziellen Religion angehört. Ich will kein Nazi sein.

Eintreten

„Der hat es ja auch nicht anders verdient“, dachte sich der Halbstarke, als er auf sein Opfer eintrat. Angewidert erfahren wir dies in den Nachrichten, um uns kurz darauf über im Internet über diesen Idioten lustig zu machen, der nicht blickte, dass eine Satire-Zeitung eben keine tatsächlichen Nachrichten herausbringt. Aber wir sind ja besser und der hat es ja auch nicht anders verdient…

p.s. dieser Text möchte die Gewalt nicht kleinreden, die von einer Person ausgeht, welche jemanden schlägt, tritt oder in irgendeiner anderen Form angreift oder verletzt. Diese ist inakzeptabel. Gleichwohl sehe ich die Gefahr, dass die gesamte Gesellschaft – und ebenso ich, als ein Teil von ihr – gar nicht mehr darauf achtet, wie man mit anderen Menschen umgeht. Man geht im Internet so lange auf eine Person los, bis man sich langweilt oder das nächste Opfer gefunden ist. Dieser Text soll nicht gleichsetzen, sondern bewusst machen, dass unser alltägliches Handeln verletzend sein kann.

…und blind laufen wir hinterher…

Ja, wir Deutschen haben es ja gelernt. Zwei Weltkriege und besonders der blinde Gehorsam, das haben wir ja jetzt endlich überwunden. Ja, wir werden nicht mehr blind den hohlen Phrasen einer Person folgen und sie begeistert glauben…niemals wieder. Ein Sozialdemokrat darf natürlich auch mal gegen die Richtung schießen, das ist nicht weiter wild, das war nur ein Ausrutscher. Nein…wobei, wir sagen ja auch gar nichts gegen unser System, das überlassen wir gern Menschen mit Migrationshintergrund, das ist ja im Prinzip so, als würde ein Jude einen Judenwitz machen, der darf das, dann ist das natürlich weder antisemitisch noch rassistisch. Also ja, kaufen wir uns „Mein Kampf“ ähm… „Deutschland schafft sich ab“ ähm… „Deutschland von Sinnen“…denn ja, das stimmt ja schon irgendwie auch so ein wenig, hie und da. Lassen wir uns doch einfach einreden, dass hier in Deutschland alles falsch läuft und wir Deutschen dem Untergang geweiht sind. Wir werden alt und homosexuell und deswegen sterben wir in den nächsten Jahrzehnten aus…

Ja es gibt Probleme in diesem Land. Wie könnte es auch anders sein, das hier ist nicht Schlumpfhausen (und nein, eine Diskussion über den offensichtlichen Antisemitismus bei den Schlümpfen will ich nicht starten). Wir leben in einem Land, dem es gut geht. Wir profitieren von einem System, welches die Armen ärmerer Länder dazu nutzt, uns zu versorgen und wir profitieren von den Reichen ärmerer Länder, die unsere teuren Güter haben wollen. Und nun fürchten wir uns davor, dass manche der Armen zu uns kommen? Wir fürchten uns davor, dass sie auch weiterhin die Arbeit für uns erledigen, die wir nicht tun wollen? Aber nein, wir fürchten uns nur vor denen, die unser Sozialsystem ausnehmen wollen. Haben wir uns endlich mal wieder ein Feindbild geschaffen. Deutschland wird untergehen.

Mir ist egal, ob es Wahrheiten in den Worten irgendwelcher Blender gibt, denn ich brauche ihre Wut und ihren Hass nicht. Haben wir ein Problem mit der Demokratie? Nein, haben wir nicht, die ist in ständiger Gefahr, verloren zu gehen, aber das liegt in ihrem Wesen. Jede Staatsform hat einen Punkt, an dem sie angreifbar ist und es liegt allein an uns, ob wir das zulassen oder etwas dagegen unternehmen. Es gibt genug zu tun. Wenn ihr den Parteien und Politikern nicht vertrauen wollt, weil ihr sie für Lobbyisten haltet, dann schaut eben in regionaler Sicht, was ihr verändern könnt. Aber viel wichtiger ist es, wieder zu hinterfragen, was man liest und zu hören bekommt. Was will ein Mensch, der offen gegen das System schimpft, das ihn zu Wohlstand brachte? Muss ich einer solchen Person (meinen) Glauben schenken?

Dies ist meine Meinung und auch diese sollte und muss hinterfragt werden. Widersprüche sind erlaubt und auch erwünscht, ja sogar hitzige Diskussionen. Aber nur zu einem Ziel: neue Gedanken zu entwickeln und sich zu hinterfragen. Und nur unter einer Prämisse: sich zuhören zu wollen. Wer sich angegriffen fühlt und einfach nur zurückschlagen will, der darf sich erst eingeladen fühlen, wenn er zehnmal tief einatmet, bevor der erste Buchstabe getippt wird, das sollte genügen, um die Gedanken ordnen zu können und einen Blick auf sich selbst zu werfen.

 

und noch ein kleines Post Scriptum:

natürlich könnte man nun sagen, dass solche Bücher ja ebenso ein Denkanstoß sein können und vermutlich könnten sie das auch, aber hauptsächlich tun sie eines, nämlich Lager zu schaffen und zu spalten und genau deswegen habe ich so ein Problem mit ihnen.