Warum eigentlich?

Warum eigentlich darf man sich nicht beschissen fühlen? Die Frage muss man erst einmal sacken lassen und darüber nachdenken. Überlegt mal, wie schnell ihr damit aneckt, wenn ich euch einfach vom Leben oder von was auch immer gefickt fühlt und das der Außenwelt zeigt, indem ihr euch zurückzieht und nicht jedem Menschen einen schönen Tag wünscht. Da wird man komisch angeschaut und soll sich erklären oder noch besser, mal wieder lächeln, weil dann… ja dann geht es einem ja wieder besser.
Warum wohl antworte ich schon automatisiert auf die Frage wie es mir geht? Weil die Leute nichts anderes hören wollen, nur warum fragen sie dann? Ich fühle mich gerade nicht sonderlich gut, sonst würde ich solch einen Eintrag kaum schreiben. Ich brauche nicht darüber zu reden, warum das so ist und bin stattdessen ganz glücklich, dass zumindest mein Kollege, mit dem ich mir das Büro teile, mich einfach machen lässt und mir keinen dummen Kommentar an die Backe drückt. Er weiß, dass ich mich nicht optimal fühle und er weiß auch, dass er daran nicht schuld ist und es somit auch nicht wirklich ändern kann, besonders nicht mit irgendwelchen Plattitüden.
Ich empfinde so eine Fick-dich-Welt-Phase legitim und auch sinnvoll, weil es eben nur eine Phase ist und sie, wenn sie ausgelebt werden darf, auch irgendwann vorbei ist. Ich bin dafür, dass man auch mal eine beschissene Laune haben darf, solange man damit Leute nicht absichtlich verletzt oder anderen Menschen vor den Kopf stößt. Niemand verlangt von mir eine Träne im Gesicht zu sehen, also warum dann ein Lachen?

Im Innern

Wohin gehen wir eigentlich, wenn wir einen kurzen Moment die Augen schließen, bevor wir mit etwas beginnen, das uns etwas besonders Wichtiges ist? So wie er, der da eben noch mitten zwischen uns saß. Mit uns lachte und redete. Keine Person, die man sofort wahrnehmen würde, weil er nicht der Typ ist, der in einen vollen Raum kommt und alle Menschen darin sofort gefangen nimmt. Die krause Frisur hat schon ein paar Lücken und der Bart ist auch kaum mehr als eine löchrige Hecke. Dann stand er auf, aufgefordert vom Freund, der die Feier schmeißt, und setzte sich ans Klavier. Seine Finger fühlten die Tasten und dann schloss er die Augen, nur um kurz darauf die ersten Noten aus dem großen Holzkasten erklingen zu lassen. Vollkommene Ruhe kehrt ein, als seine Stimme ertönte. Eine Stimme, die genau zu wissen scheint, wie jeder Mensch Freud und Leid empfindet und die noch unzählige andere Emotionen in uns hervorruft.

Ich schüttle mich ein wenig. Das habe ich manchmal, es passiert immer, wenn meine Gefühle so eingespannt werden. Es ist ein Schütteln, dass ich nicht kontrollieren kann. Ich spüre, wenn es ansetzt und ich kann es verzögern, so wie man ein Niesen herauszögert, aber ich komme schlussendlich nicht dagegen an und es ist ein wohliges Gefühl. Manchmal bemerkt es ein anderer Mensch und erkundigt sich, ob es mir gut geht. Oh ja, und wie gut es mir geht. So gut, dass auch ich die Augen schließen möchte und dorthin will, wo der Klavierspieler war, bevor er mit seinem Spiel begann.

Spielzeug

Wie selten begegnet man einem Menschen wie Sengo. Er versteckt sich ein wenig, aber das macht ihn kein Stück weniger interessant und er liebt die Frauen, vielleicht ein wenig zu sehr. Da ist er mit sich selbst im Zwist, denn meist ist es sein Herz, das nach mehr schreit und dann doch getreten am Boden liegt. Aber das Beachtliche daran ist, dass er das mit einer geradezu stoischen Ruhe hinnimmt. Innerlich mag es ihn treffen, aber er setzt dann einfach sein Lächeln wieder auf und zieht weiter. Immer weiter. Vermutlich längst mit der Gewissheit, niemals anzukommen. Wo eigentlich ankommen? Somit lebt er wohl nun in einer selbsterfüllenden Prophezeiung, aber er hat wohl genügend Taschenspielertricks übrig, um auch über die weiteren Runden zu kommen.

Sein Geheimnis ist wohl die Erinnerung. Immer wenn er am Boden liegt, dann erinnert er sich und versackt dabei nicht, sondern zieht den damals gefühlten Genuss heraus. So wie bei Maraka. Sie war gute zehn Jahre jünger als er, aber eben doch schon volljährig, als sie sich kennenlernten. Amüsanterweise war er es, der von ihr lernte und nicht umgekehrt. Er war schon immer sehr lernwillig und wenn er dabei einer anderen Person Freuden bereiten konnte, dann ließ er sich von einem Wort wie Analingus nicht stoppen, sondern hörte in seinem inneren Ohr stattdessen die Worte von Samuel Jackson, der zu seiner Begleitung ein „It’s my duty to please that booty“ raunte. Diese Erinnerung schob er vor, als die Liebe mal wieder einen Anderen gefunden hatte.

Es war weniger die Erotik in der Erinnerung als viel mehr die Einsicht, dass ihm das Leben so viele verschiedene Eindrücke geschenkt hatte und er immer offen dafür war. Kein angewiderter Blick, sondern die pure Neugier und den Wunsch, die eigene Lust mit der Lust einer Gespielin zu paaren. Womöglich muss es Menschen wie Sengo geben, die sich ihrem Schicksal ergeben. Sie sind wohl mehr ein Spielzeug, aber wenn man sich dieser Rolle bewusst ist und sie akzeptiert, dann gibt einem das Leben viele Momente des Schmunzelns. Es ist eigentlich die einfachste Form des Lebens, denn man muss sich keiner Pflicht hingeben und man darf dennoch genießen. Nur die Einsamkeit, die muss man lernen zu ertragen, aber müssen wir das nicht alle?

Die Macht der Musik

Gibt es eine Sprache, die jeder Mensch versteht? Angeblich gab es sie bereits. Doch nachdem man einen überhöhten Turm baute und somit wohl keine Grenze, egal ob moralisch oder technisch, dem Menschen Einhalt gebieten könnte, zerstreute Gott die Menschen und verwirrte ihre Sprache. Den Turm zu Babel zerstörte er dabei natürlich auch. Warum er dann jetzt nichts tut, während wir wieder Gott spielen, ist mir zwar noch nicht so ganz klar, aber immerhin verstehe ich meistens die Sprache der Wissenschaftler nicht. Nun aber genug mit der Blasphemie und wieder zurück zum eigentlich Thema, der Musik.

Überlegt mal, ob euch eine Sache einfällt, die jeder Mensch mag, ohne sie tun zu müssen. Mir fällt da nur die Musik ein und sie könnte als universale Sprache dienen, denn sie kann die Emotionen der Menschen besser ausdrücken, als es die bloßen Worte jemals schaffen werden. Nun mag man einwenden, dass es mittlerweile so viel Musikstilrichtungen wie Sprachen gibt und man nicht an jeder Form von Musik Gefallen findet. Dem stimme ich zu und frage mich, ob es handgemachte Musik sein muss, die die Emotionen weckt und erklärt. Man muss zumindest die Musik nicht lieben, deren Emotionen man versteht. So war es ja auch mit dem Gejaule, dass ich neulich im Supermarkt ertragen musste. Ich verstand weder den Text, noch gefiel mir die Musik, aber ich bin mir sicher, dass die Sängerin eine zerstörte Liebe beklagte.

Und so stellt sich mir die Frage, ob die höchste aller Künste (da zitiere ich mal Pythagoras etwas freier) neben ihrer Eigenschaft der Unterhaltung, nicht viel häufiger ausgeübt werden sollte. Ich für meinen Fall hab außer im Auto schon Jahre nicht mehr gesungen und da ich kein Auto mehr fahre, fällt also auch jener Gesang flach. Ich habe früher sehr gern gesungen und frage mich deswegen, warum unsere Gesellschaft so sehr die Musik kauft und verkauft, sie aber nicht viel häufiger selbst macht?