Glühend

Die glimmende Kohle faszinierte mich. In der Nacht war die kühle Luft vom Meer hergezogen und wir hatten uns um das Lagerfeuer versammelt. Sie hatten sich nacheinander in die Zelte verzogen. Es dämmerte bereits und ich war als einziger wach geblieben, so als hätte ich das Feuer bewacht. Die Zelte standen ein wenig entfernt und es kam mir vor, als wäre ich mit dem Strand und dem Meer allein. Eingewickelt in eine warme Decke erwartete ich die Sonne. Hin und wieder stocherte ich in der Glut umher und sah dabei zu, wie das Rot kurzzeitig ein wenig größer wurde, um dann doch wieder schwarz-weiß ummantelt zu werden. Frieden kommt einem nie besonders groß vor, wenn man das Glück hat, gerade darin zu verweilen.

Unsere Gruppe war den letzten Tag lang gewandert und hier hatten wir unser Lager für die Nacht aufgeschlagen. Direkt darauf waren wir ins Meer gerannt und ließen uns von den Wellen die Strapazen des Tages wegspülen. Danach aßen wir und sangen am Lagerfeuer. Anfangs traute ich mich nicht den Mund aufzumachen. Dann summte ich mit, und schlussendlich ließ ich locker und trat in den Gesang mit ein. Die Welt fühlte sich unendlich leicht an. Wir hatten hier unser kleines Paradies und ich wünschte mir, dass ich dieses Gefühl auf ewig in mir bewahren und jederzeit darauf zurückgreifen könnte.

Feuer und Flamme, Schall und Rauch (1)

Wie sehr ich diesen Platz vermisst hatte, wurde mir erst bewusst, als ich wieder hierher kam. Diese Höhle, die noch immer gut versteckt im Wald neben unserem Haus liegt. Ich hatte sie als kleiner Junge gefunden und sie war mein Versteck und Refugium. Mein bester Freund kannte sie und meine erste Freundin hatte so einige Stunden mit mir hier verbracht. Wir hielten Händchen und küssten uns. Mehr passierte damals noch nicht und irgendwie war damals alles einfacher, so scheint es mir jetzt und damals, da war es so unendlich schwer. Es fiel so schwer ihre Hand zu greifen oder ihr in die Augen zu blicken. Der erste Kuss selbst war wohl ähnlich schwer, wie ich mir damals den Bau des Kolosseums oder der Pyramiden vorstellte.

Die Steinwände dieser Höhle waren rau und ich fuhr nur zu gern darüber und kratze mich dabei leicht. Es war, als würde ich mit den kleinen Rissen in meiner Haut auch die Decke, die auf meinen Erinnerungen lag, aufreißen. Ein wenig trockenes Geäst lag herum und ich überlegte, ob ich es wieder einmal wagen sollte, ein Feuer zu entfachen, ich entschied mich jedoch dagegen, die Vernunft eines Erwachsenen ist stärker als der Spieltrieb des kleinen Jungen. Meine Eltern hatten mich damals hier gefunden, als ich neben dem Feuer eingeschlafen war. Sie erzählten mir später, dass sie kaum durch die Tücher atmen konnten, die sie sich vor den Mund hielten und dass mein Vater sein Tuch fallen ließ, als er mich am Boden fand und nicht zu atmen wagte, bis er mich herausgetragen und einige Meter vor der Höhle abgelegt hatte. Und auch da atmete er nur ein, um mir frische Luft in die Lunge zu pressen. Zum Glück war damals kein Feuer im Wald ausgebrochen. Zum Glück hatte ich nur eine Rauchvergiftung.

Den Geschmack von Rauch habe ich bei diesen Gedanken wieder auf der Zunge, wenngleich es mehr als zwei Jahrzehnte her ist. Aber das macht uns Lebewesen eben aus, wer sich einmal verbrennt, der wird in Zukunft vorsichtiger sein. Warum nur waren meine Eltern nicht vorsichtiger im Umgang mit ihrem Kamin. Warum bin ich heute hier und kann sie nicht mehr vor dem Ersticken retten?

Wenn es draußen kalt ist…

Die filigranen, goldenen Zeiger bewegten sich langsam, geradezu schwerfällig. Die alte hölzerne Uhr stand auf dem Kaminsims und scherte sich dabei nicht darum, dass ihr Uhrwerk laut werkelte. Der Teppich auf dem Boden davor beherbergte zwei nackte Körper, die sich aneinander schmiegten. Die kleinere Person mit den langen Haaren, war ein wenig eingerollt. Hinter ihr lag der andere Körper, dessen Hand sie streichelte und den Hals küsste. Sie lauschten dem Knacken des brennenden Holzes und spürten die gegenseitige Wärme. Es wirkte fast so, als dass sie jemanden wecken könnten, denn sie flüsterten einander leise ins Ohr. Tuschelten Wünsche, Gedanken und Geschichten, bis ihnen die Augen zufielen und sie aneinander gekuschelt einschliefen.