Ein Kutter aus Kalkutta. Teil 1 – Tiefer Schlaf

Es sollte nur eine kurze Fahrt den Hooghly entlang werden, der durch Kalkutta fließt und alles mit sich nimmt, was hineinfällt oder hineingeworfen wird. Wie hätte ich ahnen können, dass ich mich besser nicht in die Mittagssonne aufs Deck hätte legen und einschlafen sollen? Als ich wieder erwachte, stotterte der Motor sein letztes bisschen Leben aus. Ich blickte über den Bug und sah das offene Meer vor mir. Der Blick zurück zeigte mir das gleiche Bild. Der Indische Ozean und ich allein in einem Kutter auf ihm. Meine Tasche hing noch an mir, aber was brachten mir Geld und meine Papiere mitten im Meer? Ich durchsuchte die Kanister, ob noch Treibstoff in ihnen war, doch sie waren leer. Weder Benzin noch Wasser war vorhanden. Den Weg nach Norden hätte ich schon gefunden, auch wenn die Sonne gerade unterging und somit die Zeit knapp wurde, sich zu orientieren. Schon überraschend, dass ich mich ganz ruhig hinsetzte und an nichts dachte. Wäre es nicht natürlich, jetzt in Panik auszubrechen? Oder einfach zu schreien und zu weinen? Mir war nicht danach. Ich saß auf dem Boot und ließ mich treiben. Ich lachte sogar, weil mir der Gedanke kam, dass der Kutter ja jetzt mir gehörte. Ich hatte nur leider nichts davon.

Teil 2

Am Fluss

„Wie selten an solchen wunderschönen Tagen solche Plätze doch sind“, schoss es mir durch den Kopf, als ich neben dir lag und wir auf den ruhigen Fluss blickten. Eher zufällig entdeckten wir diese Stelle. Du hieltst mit dem Rad an und das laute Quietschen deiner alten Bremsen ließ mich zurückblicken und zu dir zurückkommen. Du schobst dein Fahrrad durch die Bäume und das Dickicht und nach einigen Metern hatten wir diesen abgelegenen Platz gefunden, der unser Platz werden könnte; der es in diesem Augenblick war. Schnell hatten wir uns der Kleider entledigt und waren in Badeklamotten ins kühle Wasser gesprungen. Nun lagen wir auf unseren Badetüchern und wärmten uns in der Sonne. Du weißt, wie sehr es mir gefällt, wenn ich dich necke und du dich für den Moment unerreichbar gibst, so wie eben, als ich die Schleife deines Oberteils öffnen wollte und du mich mit bösem Blick daran hindertest. Ich war überrascht und hielt entschuldigend die Hände vor mich, dann lachtest du los, denn du fandst es  putzig. Ein kurzer Kampf zwischen uns und ich lag auf dir und küsste dich. Wieder zog ich an der Schleife hinter deinem Kopf. Dieses Mal schütteltest du leicht beim Küssen den Kopf und ich spürte dein Grinsen auf meinen Lippen…

Zitternde Finger

Da standen wir nun. Das knöchelhohe Gras war ebenso feucht, wie die Luft, die vom Regen gewaschen wurde. Wir blickten auf den trostlos aussehenden Fluss und ich wollte dich nicht aus meiner Umarmung lassen, aus der du dich aber immer wieder befreitest, um mich besser küssen zu können. Dein Hemd war mindestens zwei Knöpfe zu weit geöffnet, doch in meinem Kopf waren es noch zwei Knöpfe zu wenig. Die Zeit war in diesem Moment gegen uns, denn ich würde gehen müssen, würde dich zurücklassen und mich verabschieden. In diesem Moment spürte wir nur uns. Der Nieselregen interessierte nicht, doch er kühlte uns ab, zumindest versuchte er es. Wir berührten uns an den Armen, am Po und dann konnte ich nicht widerstehen und legte meine Hand unter dein Hemd. Du zucktest zusammen, war meine Hand doch zu kalt geworden. Meine Finger zitterten, als sie dich auf diese Weise noch etwas quälten, doch unsere Blicke und der nächste Kuss verrieten mir, dass du es mir nicht verübeln konntest.