Erhöht Samenstau das Aggressionspotential?

Ja, solche Fragen stellt man sich so manches Mal…neulich kam mir die Frage beim Weggehen erst wieder. Ich war feiern und erblickte erst recht spät eine Mitspielerin aus dem Impro-Theater. Ich ging also zu ihr, umarmte sie, wie es sich gehört, und wir redeten kurz übers Theater. Es kam dann irgendwann ihr Typ um die Ecke, der mich böse anfunkelte, sich ihren Kopf packte um sie zu küssen, kein Blick oder Wort zu ihr, eben ganz liebevoll, wie man es kennt…

Da lobe ich mir doch jenen anderen Kerl, er dient mir übrigens als Gegenbeweis zu meiner obrig gestellten Frage, den ich neulich kennenlernen durfte. Ich war zum Eislaufen mit Freunden verabredet, aber da ich zu spät kam, das liebevolle Paar romantisch übers Eis gleiten sah und eh keine Schuhe hatte und mich ernsthaft fragte, ob die da welche verleihen, machte ich mich einfach wieder vom Acker und besuchte eine Freundin, die gleich um die Ecke wohnt (ganz ernsthaft, ich werde in Zukunft meine Sätze anders basteln). Ich rief sie nicht an, sondern klingelte einfach und ihre liebenswerte Mitbewohnerin öffnete mir die Tür und ließ sich sofort herzhaft von mir umarmen. Ich klopfte an der weißgestrichenen Holztür und hörte ein Kichern und ein „Einen Moment“. Also ab mit der Mitbewohnerin in die Küche und mit ihren Freundinnen gequatscht. Und während wir dort saßen und sprachen, dämmerte mir, dass eben jene Freundin nicht allein in ihrem Zimmer war. Ich weiß bis heute nicht, warum ich in dem Moment nicht ging und entschuldigte mich später noch beim „coitus interruptus“-Geschädigten. Wie dem auch sei, ich fand mich dann plötzlich vor einer Shisha im Zimmer jener Freundin wieder. Er saß friedlich und freundlich im Bett (ich hätte an seiner Stelle gekotzt, das gebe ich zu, aber der Moment ist auch einfach zu intim, um ihn zu teilen) und wir wechselten ein paar Worte. In diesem Fall war es absolut nicht in Ordnung, dass ich dort war und jede Form eines bösen Blickes seinerseits wäre gerechtfertigt, ja fast schon angemessen gewesen, aber er blieb cool, lächelte und holte später nach, was ich vermasselt hatte. So einfach kann das Leben sein, wenn man gelassen bleibt.

Aua…

Es gibt so Tage… Der heutige war so einer… Das Handy weckte mich, doch der Griff danach ging ins Leere, weil das Handy in der anderen Ecke des Raumes lag…sehr ungewohnt. Also aufgestanden, den Wecker deaktiviert und sich einfach wieder ins warme Bett geschmissen. Clever war das nicht, aber ich fühlte mich danach. Als ich dann endlich aufstand, blieben mir noch knapp 25 Minuten, um zur Arbeit zu kommen, aber ein Ben geht nicht ohne zu duschen aus dem Haus…so viel Zeit muss sein. Keine Ahnung, wo die Zeit dann einen Sprung gemacht hat, aber als ich aus dem Bad kam, waren die 25 Minuten verstrichen…ich vermute ja, dass ich einfach noch einmal eingeschlafen bin, als ich mir die Zähne putzte. Also fix angezogen und ab aufs Rad, um mit dem rotköpfigen Nachbarn zeitgleich loszufahren und auch anzukommen. Nein, ich würde ihn nicht fragen, ob er mich im Auto mitnimmt, weil er nicht so aussieht und weil ich ja auch wieder nach Hause radeln will.

Der Tag zog sich dann gummiartig in die Länge und mir raubte die Beantwortung der Mails und Telefonate den letzten Nerv. Okay, es war eher der Auszubildende und die alte Mitarbeiterin, deren Lieblingsbeschäftigung es ist, sich hinter dem Rücken Anderer über eben jene auszulassen oder uns mit ihren „spannenden“ Geschichten zu langweilen. Mich wundert immer, dass sie für 4 Stunden angestellt ist, denn der Job würde sich in einer Stunde erledigen und am Telefon ruft sie eh immer nach uns, damit wir das Gespräch übernehmen…amüsant, dass es mich heute so richtig nervte, während ich da sonst gelassen bleibe. Ich spürte nun mittlerweile die Kopfschmerzen, die ich bereits unter der Dusche vernahm und die ich in Verbindung mit den Nasenbluten am Morgen setzte…wirklich nicht mein Tag.

Zurück zum Büro, was ich dann irgendwann einfach verließ, als die Stimmen zu laut wurden und ich mich fragte, wie ich die Kunden am Telefon verstehen soll. Die Tür hinter mir geschlossen, atmete ich entnervt aus, was mein Chef sah und mich aufmunternd ansprach, obs heute so schlimm sei. Ich nickte und damit war dieser Akt abgehakt. Wenn jene alte Schnattertante dann endlich verschwunden ist, wird der Tag besser…zumindest sonst…heute blieb er zäh und wurde von meinem sonst so liebgewonnenen Arbeitskollegen noch zusätzlich sabotiert, als er die Annahme eines Telefonats verweigerte, welches ich damit annehmen „durfte“…der alte Mann am anderen Ende tanzte auf dem dünnen Ende meiner Nerven, aber ich blieb freundlich und bewahrte die Ruhe.

Endlich brachen die letzten Minuten meiner Schicht an und bis jetzt glaube ich, dass in dem Moment irgendwo in China ein Sack Reis umfiel, denn eine Wende trat ein. Nein, eigentlich war es eine Frau, die eintrat. Und was für eine. Ich blickte zu ihr und saß wie festgebunden auf meinem Stuhl, während mein Kollege ihr erklärte, wo die Geräteausgabe ist. Sie blickte dabei immer wieder zu mir rüber, aber womöglich verängstigt, wenn ich so überlege, wie ich sie ansah…eben wie ein sabbernder Teenager. Sie ging wieder und mein Arbeitskollege sah mich verwundert an. Okay, also wieder nur eine Schönheit in meinen Augen? Ist mir egal, es war eine Schönheit! Und was für eine! Ich weiß nicht, wie lang ich noch so dasaß und vor mir hinstarrte, bis mir klar wurde, dass ich ja wusste, wo ich sie finden würde. Sie war gerade fertig und am Gehen, aber fühlte sich am falschen Ausgang. Immerhin dabei durfte ich ihr noch dabei helfen, den richtigen Weg zur Bibliothek zu finden und musste feststellen, dass sie eine Ausstrahlung besaß, die mich einfach nur schwer beeindruckte. Zurück im Büro grinste ich zum ersten Mal an diesem Tag.

Die Schicht war zumindest vorüber und ich verabschiedete mich. Zum Einkaufen. Und da saß ein putziger Hund auf der Straße, der nicht angebunden war. Okay, putzig ist das falsche Wort, da denkt man an so ein kleines Hündchen, das war er nicht. Aber ein alter Hund, der brav auf sein Frauchen wartete und ich wartete mit ihm. Zuhause gabs ne Pizza…nicht lecker, aber wenigstens warm. Und dann kam eine Nachricht. Einer guten Freundin geht es mies…also schnell den Rucksack gepackt und losgeradelt. Sie wusste nicht, dass ich sie auf Arbeit überraschen würde, aber ich wollte es so. Eine Tüte Lachgummis, dann noch mehrere Beutel türkischen Apfeltee, eine Flasche des 2011er Bacchus, der für einen besonderen Moment aufbewahrt wurde und Dostojewskis  „Der Idiot“ ausgepackt und ein breites Grinsen damit ausgelöst. Nun sitze ich wieder Zuhause und habe einfach das Gefühl, dass der Tag doch gar nicht so schlecht gewesen ist, zumal der Abend noch aussteht…