Wenn der Hahn kräht (3)

Kinder sind die besseren Menschen, einfach weil wir sie noch nicht mit unseren Regeln verdorben haben. Die können sich ständig die Wahrheit ins Gesicht sagen und raufen sich dann im schlimmsten Fall. Da kommt dir niemand mit dem Anwalt oder spinnt eine Intrige zurecht. Das Leben passiert im Moment. Das fehlt mir. Dieses Leben, welches frei von Sorgen ist. Überhaupt sollte man sich mal anschauen, wie sich Kinder kennenlernen und wie wir Erwachsenen das tun. Stell dir vor, du bist auf einer Party mit Leuten, die du nicht kennst. Von zehn Leuten fragen dich vermutlich neun oder gar alle, was du arbeitest. Diese Aussage darüber bildet die Grundlage für die folgenden Minuten, den ganzen Abend oder zukünftige Treffen. Vollkommener Irrsinn oder nicht? Kinder fragen sich nicht, womit sie ihren Tag verbringen. Sie spielen einfach zusammen und versinken in andere Welten. So erlebe ich es zumindest häufig. Ich bemerke aber auch, dass sie über ein Fernsehprogramm reden. Was vermutlich gar nicht so schlimm wäre, wenn sie ihr eigens Fernsehprogramm machen würden…

Von Glühwürmchen und Fröschen

Als ich eben auf dem Heimweg überlegte, was ich der jüngsten Tochter meiner Mitbewohnerin zu ihrem vierten Geburtstag schenken könnte, kam mir die Idee einer Geschichte, die ich hier gern auch noch veröffentlichen werde. Es ging dabei um einen ganz besonderen Frosch, welcher ausgegrenzt wird, weil er eine besondere Eigenart hat. Jene Eigenart ist dann am Ende natürlich die Rettung für alle Frösche und so finden sie zusammen und lernen mit den Unterschieden und Besonderheiten umzugehen. Ich hatte die Geschichte fast fertig durchdacht, da quakte es neben mir, als wollten man mir zustimmen. Ich ließ meine Gedanken zu der Geschichte ruhen und ebenso mein Rad rollen, als mich von links zwei grüne Punkte anleuchteten. Glühwürmchen warteten dort auf mich, vollkommen ruhig und einfach nur leuchtend. Klar, dass die nun auch eine Rolle in der Geschichte bekommen werden. Es hat mir selbst mal wieder gezeigt, wie wichtig es ist, die Sinne schweifen zu lassen und die Natur wahrzunehmen. Diese kleinen Wunder und Schönheiten, die in jeder Sekunde Teil unseres Lebens sein könnten, wenn wir sie nicht verpassen würden, weil wir Terminen nachjagen oder auf unsere Handydisplays schauen. Ich habe mein Handy dann aber doch gezückt und die leuchtenden Wesen festgehalten. Wer weiß schon, wann ich wieder das Glück habe, ihnen begegnen zu dürfen.
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Zwei Tage, zwei Zahlen

Gestern gratulierte mir WordPress zu zwei Jahren Mitgliedschaft. Nunja, die hätte ich auch auf einer Backe absitzen können, wobei das ganz sicher nicht so prickelnd gewesen wäre, aber das ist kein wirklicher Meilenstein. Die andere Zahl kam heute. Mit Ashanar lesen mittlerweile 300 Leute meinen Blog. Das hier ist nicht Sparta, aber unter diesen 300 Leute stecken mittlerweile viele Menschen, die mir persönlich bekannt zu sein scheinen, dabei habe ich sie nie in meinem Leben gesehen. Sie haben stattdessen oftmals in meine Seele geblickt und ließen mich ebenso in ihre blicken. Welch ein Geschenk das ist. In letzter Zeit ist recht ruhig geworden, weil meine Zeit knapper geworden ist und ich mich selbst in einem Schwebezustand befinde. Irgendwie nicht richtig angekommen, aber mit einem sehr schönen Ausblick auf das, was vor mir liegt. Vielleicht sollte ich meine abendlichen Aktivitäten ein wenig reduzieren, denn aktuell ist außer dem Dienstagabend jeder andere verplant und ausgebucht. Vielleicht brauche ich aber auch diese geistige Leerlaufphase. Seid mir also nicht bös gesinnt, wenn ihr nur selten Kommentare von mir in euren Blogs findet, ich habe das Interesse nicht verloren.
Liebe Grüße,
Ben

Drei Doppelpunkt zwei eins

Die Zeichen 3:21 strahlen rötlich. Bin ich kurz weggenickt oder lag ich durchweg wach? Keine neue Nachricht blendet mir das Handydisplay entgegen; was zu erwarten war. Auf den Tag zwei Wochen ist es her, dass ich dir schrieb. Du siehst, ich vermisse dich nicht. Aber langsam solltest du mich doch vermissen.

4:32. noch etwas mehr als eineinhalb Stunden bis ich aufstehen muss.

5:43. Ich hab geschlafen. In zwei Minuten klingelt das Handy.

5:45. Brrrrrr. Brrrrrr. Umdrehen. Zuerst das Handy, dann mich.

5:50. Brrrrrr. Brrrrrr. Warum kann ich eigentlich so gut schlafen, wenn ich nicht darf? Noch einmal umdrehen

5:55. Brrrrrr. Brrrrrr. Leck mich!

6:00. FUCK. Das Frühstück kann ich knicken, aber für ‚ne Dusche reicht‘s noch.

6:54. Durchgeschwitzt, aber pünktlich.

9:10. Jetzt müsste sie auch wach sein.

10:11. Die Pause naht.

11:12. Brrrrrr. Brrrrrr. Brrrrrr. Eine neue Nachricht. Nicht von ihr. Heute Abend ein paar Bier trinken. Warum nicht?

16:17. Das war‘s, ich geh.

17:18. Endlich Zuhause und gleich mal frisches Brot futtern.

18:19. Durchs Fenster strahlt die Sonne mir entgegen.

19:20. Durch die Tür kommt mein Mitbewohner. Er hat ein Sixpack dabei und „Fluch der Karibik“. Irgendwas stimmt nicht.

20:21. Kurz nach Primetime. Es klingelt an der Tür und zwei Mädels kommen herein. Eine gehört zu meinem Mitbewohner, die andere zu ihr.

21:22. Mein Mitbewohner kuschelt mit seinem Mädel. Ich ahne ein „CAPTAIN Jack Sparrow“ voraus.

22:23. Die Hauptmenü-Melodie dudelt vor sich hin, während Amina und ich uns unterhalten. Mein Mitbewohner und sein Mädel sind verschwunden. In der Küche oder in seinem Zimmer.

23:24. Die Titelmenü-Melodie nervt, aber ich möchte nicht mit dem Knutschen aufhören.

0:12. Gute Nacht. Endlich einmal wieder.

Ein Kutter aus Kalkutta. Teil 5 – Stumme Kriegszeugen

Zum Beginn der Geschichte

Wir fuhren durch kroatische Dörfer, die offensichtlich nicht für Touristen gemacht waren. Sie waren schlicht, aber vor allem erblickte ich viele Häuser mit Einschusslöchern und abgeplatztem Putz. Ich weiß nicht, ob es Pete auch so ging, aber mich machte der Anblick nachdenklich. Ziellose, wirre Gedanken, die nur einen Zweck besaßen: mich zum Schweigen zu bringen. Zu oft nehme ich die Welt um mich herum nicht wahr. Ich höre Musik oder rede mit Freunden. Vielleicht lasse ich mich auch von Verkehr und Werbung ablenken. Hier sollte das nicht passieren. Ich wollte das Leben in dieser Trostlosigkeit voll und ganz aufnehmen. Wie das wohl für die Menschen ist, für die dieser Anblick zum Alltag geworden ist. Ist ihr Gemüt ständig ein wenig bedrückt, ohne dass sie es wissen?

Erst die Grenzkontrolle zu Serbien riss mich aus meinen Gedanken. Ein Land ließen wir hinter uns, um in ein anderes zu kommen, doch die Welt sah auf beiden Seiten gleich aus. Nur wenige Meter können entscheiden, mit welcher Nationalität du aufwächst. Nicht, weil du diese Grenze gezogen hast, sondern weil sie irgendjemand zog und wie oft mussten davor unzählige Menschen dafür sterben? Auf der einen Seite isst man von goldenen Tellern und auf der anderen verdursten die Menschen. Auf welcher Seite du das Licht der Welt erblickst, ist pures Glück und nichts, was du dir aussuchen kannst.

Teil 6

Ein Kutter aus Kalkutta. Teil 4 – Dialog im Auto

Zum Beginn der Geschichte

Das Auto ist noch kalt von der Nacht und so fahren wir stillschweigend Richtung Serbien, einige Kilometer südöstlich von Zagreb machen wir Halt zum Tanken. Benzin und Sonne, dann geht die Fahrt weiter: „Was war dein krassestes sexuelles Erlebnis? Waren es die zwei Frauen gestern Nacht?“ „Ich weiß nicht…“„Hattest du schon mal was mit einem Mann?“ „Hm…“„Hm???“„Ich weiß nicht, ob er sich als Mann bezeichnen würde.“ „Also war es ein Mann mit Brüsten?“ „Hm…was genau macht einen Mann aus? Er hatte glatte, zarte Haut. Sein Gesicht war das einer schönen Frau. Ist es allein der Schwanz, der einen Menschen zum Mann macht?“ „Ja…nein…irgendwie schon oder? Also war es ein Transsexueller?“ „Ja, so nennt man es eben. Ich hatte danach auch was mit Kerlen. Wirklich schöne Gesichter.“ „Warum?“ „Einfach so, weil es angenehmer ist, nicht allein zu schlafen.“ „Also bist du bi?“ „Ich weiß nicht, ob ich diese Einteilung brauche. Bin ich ein Mann oder eine Frau oder ein Transsexueller? Bin ich hetero-, homo-, bi- oder asexuell? Manchmal bin ich irgendwas davon. Was war ich letzte Nacht mit den zwei Frauen, ein hetero-bisex-genießender Zweimann? Und hätte ich nur zugeschaut, wär ich dann asexuell?“ Wieder setzte ein Schweigen ein, um das Gesagte zu überdenken.

Teil 5

Einen leeren Kopf bekommen

Die Lichter der Stadt spiegeln sich auf dem schwarzen Lack des Cabrios. Ein Ziel gibt es nicht, nur das beruhigende Brummen des Motors und das Gefühl der Beschleunigung nach jeder roten Ampel, die es braucht, damit das nächtliche Fahren nicht monoton wird. Seine Gedanken beruhigen sich. Sie prasseln nicht mehr auf ihn ein. Das ist der kleine Ausbruch, in dem so viel Freiheit steckt und sie wird mit ein paar Tropfen Öl recht günstig gekauft. An der nächsten Ampel wartet ein Auto mit zwei jungen Fahrern. Sie wollen auffallen und suchen ein Rennen. Doch da suchen sie beim falschen Mann. Die nächste Streife wird sich freuen und er sich ebenso, wenn er deswegen ungestört bleibt.

Wenn der Kopf vollkommen ruhig geworden ist, dann geht es gern auch mal auf die Straßen außerhalb der Stadt, wo der Zeiger des Tachos die 90 Grad geradezu überfliegt, die zwischen 30 und 130 km/h liegen, nur um dann doch wieder den Wagen rollen zu lassen, bis er ein gutes Stückchen unter der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit liegt und dem Fahrer noch die Möglichkeit gibt, einem Tier auszuweichen. Keine Menschenseele weit und breit, nur die ruhige Nacht, die ihn beim Fahren beobachtet, bis er wieder auf seiner Einfahrt steht und den Motor einige Sekunden lang brummen lässt, bis er den Schlüssel nach links dreht und damit die Spritzufuhr kappt. Doch innerlich vibriert es weiter und sorgt dafür, dass in dieser Nacht niemand mehr die innere Ruhe brechen kann,