Die Wette

Es kommt mir manchmal so vor, als betrachten wir unser Leben wie eine Wette darauf, wer am längsten durchhält. Die Freiheit, die wir durch spontan ausgeführte Wünsche erlangen könnten, schränken wir ein, weil wir doch an Morgen und an Übermorgen und an alle Morgen danach denken müssen. Welch verrückte Idiotie, wo es doch kein anderes Leben als das im Jetzt gibt. Das vergangene Leben ist nur eine Erinnerung und oftmals nur eine Fantasie. Die Zukunft, die ist noch gar nichts. Also ab jetzt!

Geduld…

Es ist schon eine komische Sache mit der ständigen Erreichbarkeit und in einem gewissen Punkt beneide ich da vergangene Generationen, denn die Medien, die sie zur Kommunikation nutzten, brauchten Geduld. Man schrieb einen Brief und der brauchte, bis er ankam. Dann musste eine Antwort verfasst werden und auf den Weg geschickt. So wartete man sicherlich locker mal ne Woche oder länger, bis man von seinem Gesprächspartner las.

Ich schreibe ja hin und wieder mal eine SMS und frage mich dann manchmal dabei, ob ich eigentlich Selbstgespräche führe, wenn die Antwort dann tagelang aus bleibt bzw. gar nicht erst kommt, zumal ich gar nicht davon ausgehe, dass auf eine gestern geschriebene SMS heute noch eine Antwort erfolgt. Man hat sich schon daran gewöhnt, dass eine Antwort sofort oder eben gar nicht kommt. Das soll übrigens keine Anklage sein, denn wenn ich den Speicher meines Handys durchsuche, werde auch ich über nicht beantwortete Nachrichten stolpern. Wie das wohl früher war? Natürlich schrieb man nicht für ein kurzes „Hallo“ mal einen Brief und man schrieb vermutlich auch höchstens mit einer Handvoll Leute, aber antwortete mal jedes Mal?

Entschleunigen können wir uns nicht, aber was man bei all den Erfindungen vergessen hat, ist eine Gedulds-App. Stattdessen wird der Gegenüber auch gern noch informiert, wenn man seine oder ihre Nachricht gelesen hat. Das soll einen wohl unter Druck setzen, schnellstmöglich zu antworten. Beim guten alten Brief konnte man ihn lesen und beantwortete ihn womöglich gleich oder man wartete eben einfach eine Zeit, bis man in angebrachter Form zurückschreiben konnte. Kein virtueller Fingerzeig, der bereits mit der Keule in der Hand hinter dir stand und dich grimmig ansah, nun endlich zu reagieren.

In welche Richtung soll dieser Eintrag nun eigentlich gehen? Rege ich mich auf, weil ich Selbstgesprächs-SMS schreibe oder weil ich nicht gezwungen werden will, zu antworten? Da sollte ich mich nun eigentlich entscheiden, denn beide Richtungen schließen einander aus…aber so bin ich eben, ein wenig ambivalent…nicht in psychischer Hinsicht, aber wenn es nun für beide Standpunkte gute Argumente gibt, dann wähle ich gern Beides oder den dritten Weg, der nach mehr Geduld verlangt 😉