Der alte Ofen

Es ist der alltägliche Trott, der mich aus dem Bett holt. Ein Blick aus dem Küchenfenster zeigt mir, dass der Block noch schläft und so tapse ich zur Dusche. Ich packe meine Tasche und mache mich fertig, um zur Arbeit zu gehen. Der frühe Alltag hat mir nie ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, doch während ich durch den Innenhof gehe, ist es ein „Guten Morgen“, das mich lächeln lässt. Es ist so freundlich und ehrlich und es erinnert mich an die erste Begegnung mit der Person, die mich des Morgens begrüßte.

Ich war noch nicht einmal eingezogen, hatte meiner besten Freundin aber versprochen, dass ich an dem Tag vor Ort sein würde, denn der Ofen müsste gemacht werden und sie konnte sich an dem Tag nicht freinehmen. Also wartete ich in meinem Zimmer oder eher im Zimmer meiner Vormieterin, welches mit ihren Umzugskartons zugestellt war. Als es klingelte und ich die Tür öffnete, stand dieser Mann vor mir: Ein freundliches Gesicht mit Falten, die ein häufiges Lächeln offenbarten. Er sei wegen der Öfen hier. Also rein mit ihm und dann ging er den Kampf mit der Ofenverkleidung an. Ein harter Kampf, zum Glück ohne Blessuren für den guten Mann, zumindest bekam ich es nicht mit. Ich machte ihm einen Kaffee und als ich ins Zimmer kam, kniete der Gute vor dem kalten Metallviech und kratzte den Staub der letzten Jahre aus allen Rillen und Löchern. Den Ofen meiner Freundin bekam er in wenigen Sekunden an, obwohl sie sich am Tag zuvor eine Viertelstunde damit abgeplagt hatte, ihn anzubekommen. Es gab mir ein gutes Gefühl und er fragte, seit wann ich hier wohnen würde. Als ich antwortete, dass ich erst zum Monatsbeginn einziehen würde, bot er mir seine Hand an, lächelte und sagte: „Ja dann: Herzlich willkommen!“ Und in dem Moment fühlte ich mich angekommen.

 

P.S.

Diese Geschichte ist dem Hausmeister in meinem Block gewidmet, der leider in Rente geht und nun sammeln wir für einen schönen Abschied, dies ist mein literarischer Beitrag dazu.

Die Diva

Emma hält sich für was Besonderes, zumindest macht es den Anschein. Eben erst kam sie mit dem Besitzer des Cafés zurück und schon sitzt sucht sie sich ein ruhiges Plätzchen, um den Leuten dabei zuzuschauen, wie sie dort draußen umhereilen. Sie spürt all die Blicke, die auf ihr liegen, aber was soll sie machen, so süß wie sie anzuschauen ist, kann keiner von ihr ablassen. Und so verbringt Emma den Tag. Immer im Café, das doch nur ein gemütlicher Studententreff ist. Ein Ort, bei dem man einen Tee, eine heiße Schokolade oder einen Cappuccino bestellt und während man ihn schlürft liest man eine Zeitung oder quatscht endlos lang mit Freunden. Hier wird man nicht böse angeschaut, wenn man nicht sofort ein weiteres Getränk bestellt oder alsbald den Tisch räumt. Reich kann man hier als Besitzer nicht werden, zumindest nicht reich an Geld. Und dennoch sitzt die Diva eben hier und fühlt sich besonders. Es ist nicht das schicke und sündhaft teure Café am Marktplatz, welches vor lauter Gesprächen die gemütliche Ruhe verschluckt hat. Doch würde man nicht dort eine Diva viel eher erwarten?

Sie ist recht schamlos und setzt sich auch gern mal ungefragt auf den Schoß eines Gastes. Sie sieht ihm dann nicht in die Augen oder bedankt sich, sondern richtet den Blick wieder nach Draußen, als würde sie dort etwas Interessanteres erwarten. Sie lässt sich dann durchaus ein wenig streicheln, aber man muss es auch nicht übertreiben, sonst ist sie sofort wieder weg. Also sei vorsichtig, Besucher, dein Herz darfst du nicht an sie verlieren. Ihr Haar ist durchweg weiß, das war schon immer so und hat nichts mit ihrem Alter zu tun, das sie aber eh niemals verraten wird. Vielleicht sagt es dir der Mann hinter der Theke. Aber sei vorsichtig, er flirtet gern mit dir, wenn du eine junge Frau bist. Leider sehr unbeholfen. Emma interessiert sich nicht dafür, warum sollte sie auch, am Abend werden die Beiden den Laden schließen und nach Hause gehen. Er wird ihr keine Kette anlegen, wie man es womöglich erwarten würde und vielleicht ist sie gerade deswegen an seiner Seite. Das ist schon ein schönes Hundeleben, das Emma da führt, aber es braucht auch den Menschen dafür, der es ihr ermöglicht.