Die ersten Erdbeeren

Es gibt gar nicht so viele Dinge, auf die ich stolz bin, das liegt wohl zum einen daran, dass ich diesen Stolz nie wirklich definiert habe, aber eben auch daran, dass nach meinem Empfinden eine gewisse Arbeit und Zuneigung zu einem Projekt vorhanden sein muss, um Stolz dafür zu entwickeln. Der Stolz auf das eigene Land war mir schon immer verhasst, denn mich beschleicht dabei das Gefühl, dass man das eigene Land dabei über andere stellt und lieber möchte ich auf jede Grenze verzichten, als noch einmal mitzuerleben, wie man kollektiv gegen andere Menschen kämpft, weil man sich für besser hält. Aber genug von diesem kurzen Ausflug über Nationalstolz und wieder zurück zum Stolz auf eigene Projekte:

Ich bin im April umgezogen und neben der Ruhe ist der Balkon etwas, was ich an der Wohnung so sehr schätze. Mir war schon vor dem Umzug klar, dass dieser Balkon grün werden sollte und mittlerweile errötet er sogar, denn die erste Erdbeere ist gereift. Als sie noch grün war, spürte ich meine Freude darauf, sie bald kosten zu dürfen und seit heute ist sie an einem Punkt, an dem ich sie pflücken würde und schon eine zweite schickt sich an, ihr zu folgen. Ich weiß nicht, ob ich wirklich stolz bin, aber ich freue mich ungemein über dieses Zeichen meines Dasein und Handelns.

Ich wünsche euch Lesern einen wunderschönen Sonntag und möchte mich bei euch bedanken, denn ohne euch gäbe es so manch schöne Geschichte hier nicht. Und diese Geschichten sind auch kleine, gereifte Erdbeeren, auf die ich definitiv sehr stolz bin.

Mr. Green

Mr. Green

Es ist doch recht kühl und da genieße ich es, mich auch mal zurückzuziehen, ein paar Kerzen anzünden, ein Buch lesen und eine Tasse warmen Tee zu trinken…da fühle ich mich grün. 😀 Tja und dann ist das hier auch gleichzeitig ein Gruß an Mrs. Green, die sich ja zumindest in der nächsten Zeit hier nicht mehr blicken lassen möchte. Ich bedauere das sehr und färbe mich daher grün ein, vielleicht sieht sie es ja und muss darüber schmunzeln.

Flower child

Immer wenn ich auf der Straße vor eurem Haus stand, erfasste mich diese Wärme. Die Häuser links und rechts waren von Familien oder wohlhabenden Pärchen bewohnt. Ihr Garten war gepflegt und alle glichen sich in ihrer Art. Euer Haus jedoch, es stach heraus. Auf der Garageneinfahrt schien nie ein Auto gestanden zu haben oder gefahren zu sein, es war eher wie zwei ausgestreckter Arme für Fahrräder oder eine Gruppe von Gästen. Daneben war der geradezu eng wirkende Aufgang zur Haustür, an der Säule dazwischen rankten sich grüne Zweige und Blätter empor. Der Garten schien ungepflegt, doch wenn man erst einmal darin stand, merkte man, dass ihr das Grün zur Straße hin unbeschnitten wachsen ließt, damit ihr in aller Ruhe dahinter ein wenig Gemüse anbauen konntet oder in gemütlicher Runde um den Tisch saßt, während die Luft süßlich roch.

Die Rückseite des Hauses schien wie überdacht von all den Ästen und Zweigen, ihr hattet euer kleines Reich mitten in der Stadt und vermutlich ärgerten sich eure Nachbarn über euch, weil sie das Leben nicht mehr sahen, was bei euch vorherrschte und was sie von ihrem Grundstück zu verbannen suchten.

Dein Zimmer war im oberen Stockwerk. Der rote, weiche Teppich lud dazu ein, sich darauf zu legen, die Augen zu schließen und die Welt an sich vorbei ziehen zu lassen. Nicht anders war es bei der alten, verblassten, grünen Couch, in die man so tief versank, dass einem das Aufstehen wie ein nicht zu bewältigender Kraftakt erschien. Dein Bett war schlicht und angenehm hart. So wenige Möbel und doch so viel Leben, durch die tonfarbenen Tücher an den Wänden. Wie oft saßen wir auf deinem Balkon, führten philosophische Gespräche, die nie ein Ziel verfolgten und meist von einem Thema zum nächsten sprangen, bevor wir nicht mehr wussten, worüber wir eigentlich diskutierten. Wir kuschelten uns auf dem übergroßen, geflochtenen Sessel zusammen und wurden jedes Mal aufs Neue von deiner Mitbewohnerin überrascht, wenn diese über ihr Zimmer auf diesen überlangen Balkon trat. Wir pusteten so gern Seifenblasen in die Luft und sahen, wie sie davonschwebten.

Nun ist es mit dir, wie mit jenen Seifenblasen: auch du bist fortgeschwebt. Jedes Mal, wenn ich an eurem Haus entlangkomme, springt mir das Herz vor Freude und so gern würde ich wieder zu dir nach oben stürmen und philosophieren oder Seifenblasen beim Schweben beobachten…