Vernunft

Es mag keine Zauberei sein, dass wir so eng beieinander stehen, aber es fühlt sich zauberhaft an, diesen Moment mit dir zu erleben, der so endlos zu sein scheint und doch viel zu schnell wieder vorbei. Es schreit nach einem Kuss zwischen dir und mir, aber dieser Schrei verhallt lautlos. Ich will dich doch nur ebenso gern küssen, wie du mich oder liege ich da falsch? Wir tun es doch allein deswegen nicht, weil die Vernunft zwischen uns steht. Aber was ist unvernünftiger, als unseren innigsten Gefühlen nicht nachzukommen?
Die Musik nehmen wir nicht wahr und all die anderen Menschen ebenso wenig. Du und ich, wir stehen einfach nur da und grinsen und lächeln uns an. Es ist ein kurzer Abschied, denn wir sehen uns schon bald wieder, dies ist und bleibt meine Hoffnung. Wir werden dann wohl wieder solch eine Verabschiedung erleben oder werden wir uns doch einmal küssen? Zum Abschied? Oder zur Begrüßung? Jemals? Werden wir uns jemals genießen? Werden wir jemals die Vernunft besiegen können?

Bettgespräche

Es ist angenehm warm in meinem Bett und ich wäre schon längst in den tiefsten Schlaf versunken, würde mich nicht immer wieder eine Nachricht aus dem Übergang vom Wachen ins Träumen herausreißen. Und dann plötzlich bist du da. Hast dich durch die Kälte gekämpft und mit einer verschwommenen und drehenden Welt gekämpft. Dein Lächeln allein war meinen Kampf mit der Müdigkeit wert. Ich reiche dir T-Shirt und Boxershort, die du mit ins Bad nimmst, während ich mich wieder in die warme Decke einrolle. Vorsichtig öffnest und schließt du die Tür, kletterst zu mir ins Bett. Deine Beine sind eiskalt, ich umschlinge sie mit meinen. Sie werden lange gegen den Temperaturunterschied ankämpfen müssen, aber sie werden gewinnen. Schon komisch, dass du mich als Beschützer bezeichnest, denn mir scheint es so, als ob du meine Beschützerin in dieser dunklen, kalten Nacht bist. Wir reden über Menschen, über unsere Gedanken. Meinen Arm greifst du und legst ihn um dich, mit meinem Mund küsse ich dich zart auf den Hinterkopf und bilde deine zweite Haut. Ein Schutzschild, das von innen gewärmt wird. Eine schöne Einheit.

Nebelschwaden

Es zog kalt, als die Zimmertür einen Spalt breit offen stand, also nahm ich meine Beine vom Hocker und zog sie näher an mich heran. Ein weiterer Zug an dem durchsichtigen Schlauch, der in der goldenen Rauchsäule steckte. Das Wasser in dem Glasgefäß blubberte fröhlich vor sich hin. Während die Kohle glimmte, sammelte sich Rauch oberhalb der Wasseroberfläche. Es war ein langer, tiefer Zug und während ich ausatmete, sah ich den Rauchschwaden nach. Das gesamte Zimmer war mittlerweile in dichten Rauch gefüllt, als wäre es ein Frühlingsmorgen und der Nebel ließ kaum mehr als einen Meter an Sicht zu. Mir wurde schummrig und ich fühlte mich frei und unbeschwert. Der alte Holzboden knarrte leicht, als sie das Zimmer betrat. Ich betrachtete ihre nackten Füße, die leise tapsten, dann glitt mein Blick über den restlichen Körper: über ihre wunderbaren Hüften, die festen Brüste, die granatapfelroten Haare und schließlich ihr Gesicht, das sie kurzzeitig ein wenig scheu abwendete, um sich schließlich neben mich zu setzen. Sie schlug die Beine übereinander und sah mich erwartungsvoll mit ihren mandelförmigen Augen an. Ich kam ihr mit meinem Kopf entgegen, doch sie griff nach dem Schlauch. Natürlich, es war ihre Shisha und wie üblich forderte sie. Sie forderte den nächsten Zug. Ein Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen, ich stand auf, holte zwei Gläser und die Wasserflasche, damit wir unsere durchschwitzten Körper wieder stärken könnten. Die Decke auf dem Bett sah aus, als würde dort jemand liegen, das Bettlaken wies einigen Falten auf, dagegen wirkte die Couch auf der wir saßen geradezu bieder. Ich blickte wieder zu meiner rothaarigen Schönheit hinüber, sie sah mir tief in die Augen und bot mir den Schlauch an, ich griff danach, doch sie zog ihre Hand weg. Stattdessen setzte sie ihre Lippen auf die meinigen und blies mir den Rauch in den Mund. Das kam unerwartet und ich hustete, während sie kicherte. Ich blickte sie aus feuchten Augen an, hatte mich aber wieder gefangen. Sie kam wieder auf mich zu, diesmal ohne Rauch in ihrem Mund. Der Schlauch fiel zu Boden. Wir zerstörten die Biederkeit der Couch und fanden uns kurz darauf im Bett wieder.

p.s.

wie ist das eigentlich mit erotischeren Geschichten hier bei WP? Bin gerade am Zweifeln, ob ich das was veröffentlichen soll und kann?