Diese Jugendlichen…

In der letzten Zeit hörte ich häufiger die Aussage, dass die Jugend von heute nichts kann, weil sie schon fürs Pupsen gelobt wurde. Ich hätte da mal eine Frage an jene, die das auch so sehen. Welche Altersgruppe genau soll das sein? Ist das jetzt jene Generation, die für den Verbleib Großbritanniens in der EU stimmte oder stimmen wollte (und aufgrund des zu niedrigen Alters nicht durfte)? Ist es jene Generation, die nach euch kam? Wer genau hat denn dann diese Generation geprägt und verhätschelt, doch nicht etwa eure (also auch meine) Generation oder?

Die Jugendlichen sind wie schon immer ein Spiegel. Sie sind ein Spiegel für eine Gesellschaft, in der man sich selbst nah steht und das eigene Wohl den höchsten Wert hat. Eine Gesellschaft, die gegen „die da oben“ wettert, während man selbst nur fähig ist, alle vier Jahre ein Kreuz zu setzen und damit seine Pflicht an der Demokratie erfüllt zu haben glaubt. Es tut mir leid es so sagen zu müssen, aber mir kommt es so vor, als würden die meisten Leute heutzutage glauben, dass ihr Pups nicht stinkt und das erinnert mich doch sehr an den Vorwurf, die Kinder würden für ihre heiße Abluft gelobt werden. Eigenlob allerdings stinkt, das haben wir doch alle gelernt. Pups. Aus. Ende.

Auf der Suche nach Ms Right

oder wie ich meine rechte Hand entdeckte

Die Liebe fürs Leben finden, das ist doch das Ziel, das einem eingeimpft wird. Tja und da steh ich nun in den Klamotten, die meine Mutter mir kaufte. Mein Gesicht ist nicht schön, doch die grüne Hornbrille packt noch einen drauf. So werde ich niemals ein Herz erobern, aber dafür habe ich zumindest einen besten Freund. Der hat so gar kein Problem damit, eine Frau klar zu machen, ebenso wenig, wie mein Vater und mein Bruder. Und meine Mutter, die braucht auch nie nach Blicken der Männer zu suchen, so wie diese ihr zufliegen. Also liegt es an mir. Die Haare sind hinten zu lang und vorn zu kurz, aber das ist gerade im Trend, ebenso wie die Hornbrille. Lerne ich ein Mädchen kennen, dann pocht das Herz und in Gedanken sehe ich uns gemeinsam den Schulweg spazieren. Es bleibt bei den Gedanken. Was wohl mein bester Freund so denkt, wenn er ein Mädchen kennenlernt?

Die Fantasien nehmen andere Bilder an, als mir die Macht meiner Hand bewusst wird. Ein Orgasmus jagt den nächsten, doch zu gutem Sex gehören eben doch zwei Personen und nicht fünf Finger, aber was weiß ich schon, wo es nicht einmal zu einem Kuss kam. Die Hornbrille weicht einem dünnen Gestell und die Haare werden auf einige Millimeter abrasiert. Das mag maskuliner wirken, mich aber nicht mehr zum Mann machen, der ich doch so sehr sein will. Und doch, irgendwie klappt es dann doch. Es ist das süßeste Mädchen der Klasse und ein Kuss ist mir vergönnt, danach wieder Handbetrieb, aber es wäre auch zu krass gewesen, wenn ich all die Level hätte überspringen können. Nö, stattdessen geht es wieder zurück auf Start, bis dann endlich mal doch ein Mädchen ebenso schüchtern wie ich, den Blick hinter all das wirft und erkennt, was da noch so vorhanden ist. Ein Mensch, der so viele Gedanken an die Welt verliert und dabei selbst so verloren wirkt.

Der Sex…ist nicht gut. Die Beziehung…ist noch schlechter. Und so bin ausgerechnet ich es, der ein Herz bricht. Das erste. Die Welt verändert sich, aber ich mich nicht. Es kommen doch immer mal wieder Frauen, aber sie gehen auch wieder. Der Spruch, dass man einfach nur man selbst sein müsste, er klingelt immer wieder und er wird gehasst. Er steht auf einem Zettel im gleichen Glas, in dem man auch „andere Mütter haben auch schöne Töchter“ oder „das wird schon“ findet. Jenes Glas habe ich fest verschlossen und in die dunkelste Ecke gestellt, damit es nicht nervt mit seinen Aussagen. Und irgendwann sind sie egal. Die Frauen? Ja, irgendwie schon, aber eigentlich eher die falschen Wunschträume. Das Leben bietet so vieles an, aber ich konnte es nicht sehen, weil mein Blick nur nach dem einen lächelnden Gesicht suchte, da irgendwo in der Menge.

Mein Leben war plötzlich frei, es wollte sich nicht mehr eines Weges begnügen, den andere beschrieben hatten. Auf diesem Weg begegnen mir plötzlich so viele lächelnde Gesichter, doch wen interessiert es schon, denn andere Mütter haben auch schöne Töchter. Einem gebrochenen Herzen rufe ich hinterher, dass das schon werden wird, während ich gleichzeitig in die Sonne blicke. Aha, so ist das also. Und plötzlich steht da der kleine Junge mit Hornbrille vor mir, die sind schon wieder voll im Trend… „hör nicht auf DIE“, will ich ihm sagen, aber er würde es nicht verstehen. Er findet schon seinen Weg und ist dabei die Person, die er eben ist. Irgendwann. Wenn er bis dahin die Frisur von MacGyver tragen muss, dann ist das eben sein Leidensweg. Aber seine Gedanken, die werden immer die seinen sein.