Rezension – Lommbock

Warnung: Dieser Text kann Teile von Filmhandlung beinhalten

Ich muss gestehen, dass ich dem Film nicht objektiv gegenüberstehe, was daran liegt, dass ich den ersten Teil großartig finde, ich als Statist auf dem Set sein durfte und in der Stadt des Geschehens lebe.

Die Fortsetzung eines Kultfilms ist immer heikel und seien wir ganz ehrlich, sie ist unmöglich. Ich hatte dennoch meinen Spaß. Der Film wirkte auf mich ein wenig hölzerner als der erste Teil, manche Dialoge künstlicher, was ich verstehen kann, wenn man ständig auf das zurückgreift, was den ersten Film ausmachte. Dennoch war es unterhaltsam und mehr sehr vielen Sidekicks versehen, die man nur wahrnimmt, wenn der erste Teil noch präsent ist.

Noch immer geht es eher um das wohlige Gefühl, dass man als Zuschauer hat, wenn man die zwei Freunde auf der Leinwand sieht. Zwei Menschen, die so unterschiedlich und doch so gleich sind. Zwei Menschen, die einander brauchen. Es gibt ein Chaos oder eigentlich besteht der Film aus vielen chaotischen Momenten, hier sehe ich den Unterschied zum ersten Teil, bei dem es eigentlich nur das eine Problem der Plantage und der Pizzeria gab, die immer in Gefahr war aufzufliegen. Die Jungs sind 16 Jahre älter und somit sind die Probleme auch ganz andere. Sehr gelungen finde ich das Ende, welches (wer bis hierhin gelesen hat und den Film noch nicht gesehen hat, hat nun noch die Chance aufzuhören) Stefan (Lucas Gregorowicz) und Kai (Moritz Bleibtreu) wieder an den Beginn des ersten Films führt. Die Zwei Freunde, die wieder allein auf sich gestellt sind. Nur zu gern würde ich mich in einigen Jahren anschauen, wie die Beiden Lammbäck führen (denn nach italienisch und asiatisch könnte dann ja deutsche Backkunst gefragt sein). Meine Hoffnung dabei wäre ein Abschluss ohne die Bauchschmerzen, die mir die zwei Menschen gaben, die sich als Versager fühlten, sondern einfach ihr Ding machen (und wer weiß, vielleicht ist Gras bis dahin sogar legal…wobei, hier in Bayern…).

Der Film ist ein wenig flippiger als der erste Teil und die Lacher stellen sich schneller ein. Wer ein paar nette Aufnahmen einer fränkischen Stadt sehen möchte, der wird auch bedient, wenngleich die Schönheit wohl nicht eingefangen werden kann, die sollte man schon selbst in echt erleben. Dass beide Figuren sich wertlos fühlten, traf mich und ist schlussendlich der Grund, warum ich mir eine Fortsetzung wünschen würde mit zwei Freunden, die nicht nach Ruhm und Reichtum streben, sondern sich glücklich schätzen, einander zu haben und dabei das Leben genießen.

Ich kann den Film empfehlen, denn er ist kurzweilig und wer den ersten Teil nicht kennt, wird manche Lacher nicht verstehen, sich jedoch dennoch nie verloren fühlen.

P.S. sollte Christian Zübert über diesen Eintrag stolpern, dann erhebe ich keine Ansprüche auf den vorgeschlagenen Titel. Ich vermute, dass der Name eh schon in seinem Kopf rumschwirrt und ich würde mich freuen, wenn dieser Titel einen weiteren Teil schmücken würde. Oh und vielen Dank für die charmante Art am Set, daran werde ich immer wieder mit einem breiten Lächeln zurückdenken können.

Vernebelte Sinne

Die letzte Nacht endete vor drei Stunden in diesem meinem Bett und schon schlug ich die Augen wieder auf und fühlte das Verlangen, etwas zu tun. Oder die Augen wieder zu schließen. Die Vernunft gewann den Kampf, denn das sinnvollste nach einer durchmachten Nacht ist es, frühzeitig den Alkohol aus dem Körper zu spülen. Das erste Glas Wasser hatte ich intus, bevor ich das Bett verlassen hatte, ein zweites folgte nur wenige Minuten später. Einmal durch den Park laufen war der Plan, und eine neue Bestzeit kam dabei heraus, als ich wieder vor der Haustür stand. Ne sehr gute Minute schneller war ich und bestätigte mir damit mal wieder, dass so ein gewisses Maß an Restalkohol gar nicht so schlecht ist, wenn man Leistung erbringen will, einfach weil man noch zu benebelt ist, um den Druck zu spüren, der manche anspornen mag, mich jedoch ausbremst und zum Stolpern bringt.

Eine alte Dame meint im Vorbeigehen, dass man sich dehnen sollte, so lange es möglich sei. Sie sei früher um die Stadt gelaufen, bevor sie ihre Beine im Stich gelassen hätten. Ich atme noch schwer und bewundere sie für die Ausdauer, die gesamte Stadt zu umrunden, während ich schon nach dem Lauf durch den Park geschafft bin. Als sie weiterzieht und sich auf den Krückstock stützt, wird mir unwohl. Das muss ein beschissenes Gefühl sein, wenn man immer schnell unterwegs gewesen ist und sich plötzlich einschränken muss. Ihre fröhliche Art jedoch gibt mir Mut. Wir alle leben und werden dabei Leid erfahren. Das Lachen nicht zu verlieren ist die Kunst dabei, also bringe ich meine Dehnübungen zu Ende und stelle mich danach unter die warme Dusche.

Die meisten Menschen können nichts essen, wenn sie Sport getrieben haben. Ich kenne das zwar, aber sehr viel häufiger freue ich mich während des Laufens schon auf das Mahl danach und so ist es auch an diesem Morgen. Frische Brötchen tun ihr übriges. Die Erinnerung an die letzte Nacht lässt mich grinsen. Ich war als Beobachter unterwegs, nicht wie sonst als Beteiligter. Und die Rolle ist gar nicht so schlecht. Die Menschen wollen gesehen werden, manchmal auch nicht, aber mir entgehen die Szenen nicht. Nicht der vollkommen betrunkene Kerl, der nicht mehr so ganz Herr seiner Bewegungen ist und seinem auserwählten Schatz hinterherläuft, während diese nur die vornehme Flucht sucht. Dieses Spiel ist ungefährlich und gäbe es doch Grund zur Sorge, wäre der stämmige Kerl in dem schwarzen T-Shirt nur wenige Meter entfernt gewesen. Er ist immer da. Er feiert nie, aber er greift sofort ein, wenn gepöbelt wird oder der Unsinn gefährlich werden könnte. Er blickt immer düster drein, das muss bei Türstehern so sein. Doch ich danke ihm stillschweigend, denn er war es, der mal einem Typen einen Barhocker entriss, noch bevor er damit auf Leute losgehen konnte, über dem Kopf hatte dieser das Teil bereits und nur knapp zog er damit an mir vorbei. Ich bin nicht Whitney Houston und er nicht Kevin Costner, aber in der Situation war ich es nicht, der blutete, sondern er, mein Bodyguard. Es war nur eine Schramme und ich weiß gar nicht, wie er sich die geholt hatte, weil meine Augen geschlossen waren und jetzt in der Erinnerung fehlt mir die Möglichkeit, nach den Spuren dieses Kampfes zu suchen.

Es gab in der letzten Nacht keinen solchen Kampf, wenngleich mich irgendein Typ von hinten anschupste, so dass ich auf die zehn Zentimeter tiefere Tanzfläche stolperte. Ich blickte zurück und sah ihn grimmig schauen. In dem Moment stieg in mir ein Glücksgefühl auf und ich musste lachen. Der arme Kerl war offensichtlich frustriert, vielleicht sogar neidisch auf das Wohlgefühl, das mich mit meinen Freunden verband, während er allein neben der Tanzfläche stand und keine Beachtung fand. Ich tanzte ein wenig und suchte die Nähe des Mannes im schwarzen T-Shirt. Nur zur Sicherheit. Einige Meter weiter tanzte ein älterer Herr. Was hat es nur damit auf sich, dass das immer so merkwürdig aussieht? Mir gefällt seine Lust am Tanz oder an der Balz, wer weiß das schon so genau. Mir ist das lieber, als würde er allein in seinem Sessel sitzen und leise vor sich hin furzen. Ich verlor den Blick für ihn, denn mir wurde bewusst, dass ich inmitten von Frauen tanzte. War das meine Anziehung oder die Gegenwart des Bodyguards? Mir ist es egal, das Tanzen fetzte nun mehr denn je, bis…ja bis es zu einem „Kick“ kam. Der Kick, das ist der Moment, in dem der Rausch schlagartig abbricht und ich eine Welle von Realität verspüre. Dieses Mal wurde es vom DJ ausgelöst, der so mies mixt, dass es einem regelrecht den Tanzboden unter den Füßen wegzog. Aber es gibt dafür verschiedenste Gründe:

Neulich im Kino waren alle gefesselt. Mich riss eine Erinnerung aus dem Film. Ein Gemälde, welches ich erkannte und welches mich zwar weiter nach vorn starren ließ, mich aber in eine ganz andere Realität zog. Da kamen verdrängte Erinnerungen hoch, die sich nicht ausblenden lassen wollten. Und ich war gefangen in diesem Kino und musste mit den Gedanken kämpfen. So schlimm war es an dem Abend auf der Tanzfläche nicht, aber plötzlich fühlte ich mich deplatziert und so machte ich eine Pause mit dem Tanzen. Erst später als ich einen alten Freund entdeckte, fand ich mich im blitzenden Licht und auf dem klebrigen Boden wieder. Der gute Kerl gab mir ein Kompliment, dass er nicht glauben kann, dass ich jedes Mal so verdammt gut aussah. Der spätere Schmatzer auf die Wange war eine gute Bestätigung. Schon merkwürdig, dass Männer sich damit so schwer tun, denn es tut gut. Die Angst vor der Homosexualität dürfen die anderen verklemmten Idioten gern ausleben. Ich behalte mir meine Idiotie für andere Bereiche offen. Irgendeine Macke braucht ja schließlich jeder von uns oder nicht?

Joggingrunde – Teil 4

Beim Abräumen des Tisches kamen wir endlich auf die Idee, Julias Mitbewohnerin eine Mail zu schreiben und so kümmerte ich mich um den Abwasch, während im Wohnzimmer leise die Tasten klapperten und meine Telefonnummer einer weiteren Person bekannt gegeben wurde. Früher wäre das keine Möglichkeit gewesen, also wie hat man damals so ein Problem gelöst? Klar, man merkte sich einfach die Telefonnummern und das Frühstück hätte man dann umso mehr genießen können.

Es dauerte nicht lang, bis mein Handy klingelte und Julia mit ihrer Mitbewohnerin telefonierte, welche sie direkt bei mir abholen würde, was für mein Empfinden viel zu schnell geschah. Den Rest des Sonntags hatte ich ebenso wie sie verplant und so tauschten wir außer einigen Kurznachrichten auch die darauffolgenden Tage nichts aus bis wir uns am Freitag wiedersehen sollten.

Wir trafen uns im Dachgeschoss eines Wohnblocks zu einer Filmvorführung. In den Wohnungen dieses Hauses tummelten sich Studenten und Althippies, was seinen ganz eigenen, angenehmen Charme hat. Die meisten dieser ergrauten und faltig gewordenen Blumenkinder scheinen irgendwo in den 60ern hängen geblieben zu sein und erzählen gleich einer hängengebliebenen Schallplatte von ihren Ideen und Idealen, die sie dann eben leider doch nicht verwirklichen. Aber dennoch habe ich sie ungemein gern und viel lieber als die, die ich gern die Neo-Hippies nenne. Leute, die mit Regenbogenmütze auf Bob Marley machen und dich dabei abschätzig anschauen. Die Liebe ist ihnen abhanden gekommen und die Kleidung scheint das zu sein, worum es ihnen geht. Man trägt lieber das Profil eines Freiheitskämpfers auf dem T-Shirt, als die Welt verbessern zu wollen. Die Neo-Hippies sind mir deswegen ebenso suspekt wie das Gros der Linken, die sich für ach so offen und aufgeklärt hält, aber eben doch nur die ewig gleichen Slogans raushaut und alle Anderen abschätzig betrachtet.

Im Dachgeschoss war außer einem Althippie nur ein paar lässig gekleidete Studenten unterwegs und eben Julia. Mein Blick fiel auf ihre eigentlich unauffälligen Sneaker. Keine Stiefel oder gar hochhackige Schuhe, die hätten hier zwar eh nicht reingepasst, aber was ich daran zu schätzen weiß, ist die Tatsache, dass sie sich ihrer Ausstrahlung bewusst ist und sich an keine Hilfsmittel klammern muss, um Eindruck zu schinden. Wenn wir jetzt vor der Welt davonlaufen müssten, dann wäre sie womöglich die schnellere von uns beiden.

Wir schnappten uns die bis dahin noch leere Couch, bevor sie jemand anderes in Beschlag nehmen konnte und warteten bei einem Glas Weißwein darauf, dass der Projektor endlich den Film auf das weiße Bettlaken warf, das an der Dachschräge hing. Der Film handelte von einem Fuchs, der seinen verlorenen Schwanz zurückbekommen wollte. Die animierten Figuren sprachen auf Englisch und der Hauptfigur wurde von George Clooney die Stimme geliehen. Er hat einen beruhigenden Ton und es ließ mich schmunzeln, was Julia bemerkte, doch ich flüsterte ihr nur zu, dass ich es ihr später erklären würde.

Was mich dann irgendwann aus dem Film riss, war die Kälte, die plötzlich ins Dachgeschoss zog. Der Althippie hatte zu Beginn das Fenster aufgerissen und vergessen es zu schließen. Auch Julia schien zu frieren und so bot ich ihr an, sich an mich zu kuscheln. Es war als würden wir uns schon ewig kennen, denn sie nahm ohne mit der Wimper zu zucken eine Position zwischen meinem linken Arm und meiner Brust ein und ebenso natürlich landete danach ein Kuss auf ihrem braunen Haar.

Der Film war dann doch recht schnell vorbei, doch wir verharrten noch in dieser Position, bei der ich mich fragte, wie bequem sie eigentlich für Julia war. Ich streichelte kaum spürbar über ihren Arm und sie drehte den Kopf in Richtung meines Gesichts. Das ist so ein Moment, in dem es sich anfühlt, als würden unsere Lippen an eine unsichtbare Kugel geheftet sein, die in Zeitlupe implodiert.

Schockstarre (5)

Es gab dann noch einige andere Anrufer, so dass Karl und ich erst spät zum Mittagessen gingen. Als ich ihm von letzter Nacht berichtete, war auch er überrascht und wunderte sich über die nächtlichen Gestalten. Gerade, dass abermals Spuren zu sehen waren, fand er höchst merkwürdig und mir ging es nicht anders. Wir überlegten, ob man die Polizei rufen sollte, damit die das Blut untersuchen könnten, aber uns wurde schnell klar, dass das nur in einem Fernsehkrimi einen Erfolg bringen würde.

Ich verabschiedete mich nach dem Essen von Karl und ging früher nach Hause, denn ich war von der kurzen und unheimlichen Nacht geschafft und wollte mich ein wenig ausruhen. Ich hatte eh einige Überstunden angesammelt und Karl würde Schicht auch allein überstehen. Der Himmel war tief grau und so wunderte es mich nicht, dass es heftig zu regnen begann und sich Blitz und Donner dazu mischten. Die Spuren waren fast weggewaschen, als ich Zuhause ankam. Ich klappte das Fenster im Wohnzimmer an, lauschte dem Regen, der gegen die Scheibe klopfte und fiel in einen tiefen Schlaf.

In meinem Kopf stand ich draußen auf der Straße und es prasselte auf mich hernieder. Ich sah zu meiner Wohnung empor, welche leicht von einer Kerze erhellt schien, denn das Licht flackerte. Ich hörte ein regelmäßig klatschendes Geräusch und verstand erst, dass es das Patschen von laufenden Füßen auf dem nassen Gehweg war. Ich sah einen Schatten, der mich streifte und ebenso schnell verschwunden war, wie er auf mich zukam. Mein Blick fiel zu Boden und ich sah rote Fußspuren, die sich erst langsam mit dem Regenwasser vermischten, dann aber färbten sie es immer mehr, bis meine Füße von Blut bedeckt waren. Wieder hörte ich das patschende Geräusch, doch dieses Mal streiften mich mehrere Schatten, aber alle verschwanden ebenso schnell, wie der erste.

Als ich erwachte, war mein Mund trocken und ich schüttelte mich. Leicht verschwitzt klebte mein Hemd an meinem Oberkörper, doch zum Aufstehen fühlte ich mich noch zu verschlafen und verharrte in der Position. Der Regen hatte abgenommen und es duftete nach Frühling. Mein Telefon klingelte und Karo meldete sich. Sie fragte, ob ich heut Abend mit ihr ins Kino gehen wollte und ich sagte zu. Es war eine Vorstellung zu einer Zeit, zu der ich sonst noch auf Arbeit wäre, aber mir war diese Abendgestaltung um einiges sympathischer.

Wie üblich stellte ich mein Handy am Anfang des Films aus, was ich während des Films bereute, da er sich in die Länge zog. Ich entschied mich dagegen, es wieder anzuschalten, denn das Wissen über die Zeit würde ihn kein Stück kürzer machen. Karo lud mich noch auf einen Cocktail ein und es wurde spät, bis wir uns mit lachenden Gesichtern voneinander verabschiedeten.