Die ersten Erdbeeren

Es gibt gar nicht so viele Dinge, auf die ich stolz bin, das liegt wohl zum einen daran, dass ich diesen Stolz nie wirklich definiert habe, aber eben auch daran, dass nach meinem Empfinden eine gewisse Arbeit und Zuneigung zu einem Projekt vorhanden sein muss, um Stolz dafür zu entwickeln. Der Stolz auf das eigene Land war mir schon immer verhasst, denn mich beschleicht dabei das Gefühl, dass man das eigene Land dabei über andere stellt und lieber möchte ich auf jede Grenze verzichten, als noch einmal mitzuerleben, wie man kollektiv gegen andere Menschen kämpft, weil man sich für besser hält. Aber genug von diesem kurzen Ausflug über Nationalstolz und wieder zurück zum Stolz auf eigene Projekte:

Ich bin im April umgezogen und neben der Ruhe ist der Balkon etwas, was ich an der Wohnung so sehr schätze. Mir war schon vor dem Umzug klar, dass dieser Balkon grün werden sollte und mittlerweile errötet er sogar, denn die erste Erdbeere ist gereift. Als sie noch grün war, spürte ich meine Freude darauf, sie bald kosten zu dürfen und seit heute ist sie an einem Punkt, an dem ich sie pflücken würde und schon eine zweite schickt sich an, ihr zu folgen. Ich weiß nicht, ob ich wirklich stolz bin, aber ich freue mich ungemein über dieses Zeichen meines Dasein und Handelns.

Ich wünsche euch Lesern einen wunderschönen Sonntag und möchte mich bei euch bedanken, denn ohne euch gäbe es so manch schöne Geschichte hier nicht. Und diese Geschichten sind auch kleine, gereifte Erdbeeren, auf die ich definitiv sehr stolz bin.

Bruchteile von Sekunden

Ich saß auf meinem Fahrrad und fuhr durch eine dunkle Straße. Das Rennrad heißt aus gutem Grund so, auch wenn der Lenker zu tief sitzt und ich die Bremsen nicht gut greifen kann. Der Tag war lang und ein Training am Abend hatten mich vollkommen erschöpft, vermutlich fuhr ich deshalb so schnell, um nicht ewig zu brauchen, bis ich zuhause sein würde.

Durch meinen Kopf ging die Begegnung mit einer Freundin. Ich mag ihre verrückte Art und ihre Lust am gespielten Streit. Wir sollten sogar mal verkuppelt werden, aber das wäre höchstens für einen Tag gut gegangen, wenngleich ihre Attraktivität mich gereizt hatte. Ich hatte sie kurz zuvor getroffen und ebenso ihren Freund. Es waren nur wenige Momente, aber in denen spürte ich, wie sehr sie zusammenpassten.

Ich musste lächeln, während ich fuhr und dachte an die Begegnung. Vor meinem Auge spielte sich die Szene wieder ab, als vor mir plötzlich ein Mann auf dem Zebrastreifen auftauchte. Meine Hände versuchten die Bremsen zu ziehen, aber das misslang, ich wollte erst links vorbei, weil ich dachte, dass er stehen bleiben und warten würde, doch er ging weiter und so fuhr ich nach rechts, knapp an ihm vorbei und hörte ihn murmeln: „Das ist ein Zebrastreifen.“ Ich hatte mittlerweile die Bremsen wieder im Griff, drehte mich zu ihm um, hob meinen linken Arm und rief: „Sorry. Hab gepennt.“ Er regierte entspannt mit einem „Alles cool.“

Mein erster Gedanke war eine innere Frage, warum ich übermüdet auf einem Rad sitze, welches ich nicht perfekt beherrsche, so ein verdammtes Tempo fahren muss und dann vor mich hinträume, während es verdammt dunkel ist.

Mein zweiter Gedanke war die schöne Erkenntnis, dass wir solche Situationen oft anders und aggressiv erleben. Eine Person tut etwas, eine andere Person macht einen Fehler und es wird als Angriff gewertet, so wie sich jener Mann wohl kurz geärgert hat, dass ich ihn fast über den Haufen fahre (ich habe großes Glück, dass das nicht geschah). Dann kommunizierten wir kurz und lösten die Situation ohne ein Unbehagen oder einen Ärger. Ich bin mittlerweile der Überzeugung, dass es fast immer so sein kann, wenn wir nur offen genug sind und uns unser Glück vor Augen halten, statt über das Unglück traurig zu sein. Ich und er hatten verdammtes Glück, dass nichts passiert ist, denn bei meiner Geschwindigkeit hätte das heftige Verletzungen geben können.

Schlaft gut!

Lust und Frust

Ich konnte ihr keine Antwort auf ihre Frage geben, warum mich die Liebe einer Person nicht glücklich macht. In meinem Kopf lief durchaus eine Erklärung ab. Eine Erklärung, die zeigen würde, weshalb ich mich oftmals elendig fühle und mich für einen schlechten Menschen halte. Eine Erklärung, die ich ihr nicht geben kann, weil ich zu schwach dafür bin, die Wahrheit auszusprechen. Es ist merkwürdig, weil es mir mal sehr leicht fiel und es einen Bruch gab, der es mir so unendlich schwer erscheinen lässt. Ich kann den Bruch selbst nicht genau benennen. Da gibt es aber mehr als genug Material, welches jeder halbwegs gute Psychologe als möglichen Anfang identifizieren würde. Ich war mir dessen auch ohne das Studium im Klaren und hielt mich eh für so besonders, dass ich keine Hilfe bräuchte. Jedem anderen Menschen sei sie gegönnt, aber ich habe doch Stift und Papier um mich zu therapieren, nur warum schreibe ich dann nicht wie ein Wilder, genügend Schreibstoff gäbe es ja?

Neulich Abend waren die Gedanken so vollkommen klar. So klar wie in jedem Rausch, nur war ich an jenem Abend so fertig, dass es nicht mehr dazu langte, die Worte zu fassen und aufzuschreiben. Die Frage darf gestellt werden, ob es des Alkohols bedarf, damit ich offen und frei schreibe und rede. Aber eine Frage ist auch nur eine Aussage. Zumindest diese letzte Frage ist es. Es gibt mittlerweile so einige Texte, die in den Nächten entstanden, in denen ich vom Feiern wieder heimkam und womöglich sollten sie nochmal auf Sinn und Rechtschreibung überprüft werden, aber gute Ansätze sind dabei, weil sie ehrlich sind.

Zurück zur Frage, warum mir die Liebe nicht genügt und warum ich ihr aus dem Weg gehe. Dafür brauche ich heute keinen Alkohol. Die Antwort dafür ist ziemlich einfach. Es ist ein Komplex, der über die letzten Jahre immer größer geworden ist. Ein Konglomerat aus zerbrochenen Träumen von Liebe, der Kontaktabbruch zur Familie und Pornografie. Sex ist zum Abbau von Frust geworden und nicht der Ausdruck von Lust. Es hielt mich ruhig und entspannt. Aber dieser Preis ist mir zu hoch. In letzter Zeit bin ich unruhiger und gestresster geworden. Vermutlich ein Zeichen des Entzugs. Dann wäre es kein schlechtes Zeichen und dennoch keines das mich zufrieden macht, denn ich möchte nicht gestresst und leicht reizbar sein. Ich möchte entspannt durchs Leben gehen und über mich selbst lachen können. Der Weg ist noch lang.

Der Tag der Arbeit im Bett

Ich begriff heute morgen gar nicht so recht, welches Geräusch das war. Mein Handy weckte mich, aber ich verknüpfte das Piepen mit meinem Traum. Das passiert mir sonst nicht. Sonst weiß mein Körper, dass er aufstehen muss, denn die Arbeit wartet. Heute nicht, so wie jedes Jahr. Und seit vier Jahren erinnert mich WordPress daran, dass es mein Jahrestag ist. Also die Erinnerung gibt es erst seit drei Jahren, denn im Jahr davor meldete ich mich an.

In den vier Jahren ist so einiges passiert. Meinen ersten Blog auf einer anderen Plattform gibt es nicht mehr, er wurde mittlerweile vollkommen gelöscht. Bye bye.

Ich bin aus meiner Wohnung in eine WG gezogen und habe dabei so einige Menschen kennengelernt, ebenso zwei kleine Mädchen begleitet und seit neuestem habe ich wieder meine eigenen vier Wände. Hie und da fehlen noch ein paar Dinge, aber ich fühle mich bereits angekommen.

Bei euch Lesern hat sich etwas getan, manche neue Interessierte kamen hinzu, andere gingen still und leise. Ich danke euch allen, dass ihr hin und wieder vorbeischaut und lest, welche Geschichten ich mir ausdenke und hier veröffentliche. Vielen Dank.

All jene, die heute einer Arbeit nachgehen, wünsche ich einen entspannten Arbeitstag. Jenen, die wie ich entspannt liegenbleiben können, lege ich ans Herz, sich einen Moment für sich selbst zu nehmen und in sich zu gehen. Denn mir wurde gerade bewusst, dass es mir gut geht. Das ist doch eine wichtige Erkenntnis.

Ich machte es, wie es in den Büchern stand, aber es funktionierte einfach nicht

Da stand ich nackt in der Dunkelheit und wusste nicht wohin. Immer wieder hatte ich mir all die Weisheiten eingebläut, die mir erklärten, wie ich als Mann zu sein hätte. Ich verstand, dass ich hart sein musste. Ich verstand, dass ich weich sein musste. Und doch blieb mir der Erfolg verwehrt. Ich machte es, wie es in den Büchern stand, aber es funktionierte einfach nicht.

Dann verstand ich den eigentlichen Fehler: Ich versuchte immer zu sein, wie ich sein könnte und nicht, wie ich war.

Und nun weiß ich nicht mehr, wer ich bin. Nun bleib mir nur mein eigenes Buch zu schreiben.

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Dies ist mein Beitrag zum 9+1-Schreibprojekt von Blaubeermuffins machen glücklich

Der aktuelle Satz lautet: Ich machte es, wie es in den Büchern stand, aber es funktionierte einfach nicht.

Nimm’s bitte nicht persönlich

„Dass du das für mich tun würdest, hätte ich nie gedacht. Ich war mir so sicher, dass du mich nicht leiden könntest und jetzt opferst du dich für mich? Wie kann ich das jemals wiedergutmachen?“

„Es gibt nichts, was du tun könntest. Und du hattest vollkommen recht, ich kann dich nicht leiden. Ich opfere mein Leben nicht für dich, sondern weil ich die Hoffnung aufgegeben habe. Diese Welt ist am Ende. Ich bin am Ende. Das hier ist der beste Abschied. Nimm’s bitte nicht persönlich.“

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Dies ist mein Beitrag zum 9+1-Schreibprojekt von Blaubeermuffins machen glücklich

Der aktuelle Satz lautet: Nimm’s bitte nicht persönlich.

Ein guter Song

Seit einer Woche höre ich immer wieder ein Album von einem Künstler, der mir bis vor kurzem vollkommen unbekannt war und ich frage mich, welche Schlagzeile es war, die mich auf ihn aufmerksam machte. Es war merkwürdig über einen halben Monat auf ein Album von einem Musiker zu warten, den ich vorher nie gehört habe.

Ich tauge nicht zum Musiker, da würde ich mich beim Singen nie wohl fühlen, von meiner Befähigung mal ganz abgesehen. Mir ist jedoch klar geworden, wie sehr ich gute Songs mag und warum ich mich mit so manch hochgelobter Literatur so schwer tue: Die Länge bzw. die Kürze eines Textes. Ein Musiker hat dreieinhalb Minuten Zeit, um uns eine Geschichte zu erzählen. Gut, er hat dank Melodie eine gute Hilfe, Emotionen zu wecken, aber dennoch muss in wenigen Zeilen gesagt bzw. gesungen werden, was wirklich wichtig ist. Ich verstehe schon, dass Fontane seine Fans hat, aber braucht es für den Leser eine so detaillierte Schilderung oder genügen nicht klare und ehrliche Worte, die nicht drumherum reden? Ist nicht eben genau dies die Kunst?

Vielleicht ist es auch nur meine Faulheit im Lesen und auch im Schreiben, dass will ich nicht in Abrede stellen. Ich liebe gute Geschichten, nur Novellen liegen mir einfach mehr als dicke Romane. Nun hat mir ein sehr guter Freund zu meinem letzten Geburtstag ein dickes Buch geschenkt und es liegt fast unberührt auf meinem Bücherregal, irgendwie schade, aber ich habe die Befürchtung, dass ich das Ding niemals lesen werde, so wie es mit „Krieg und Frieden“ auch war. Ich habe es versucht, aber was genau wollte mir das Buch sagen? Ich werde es womöglich nie erfahren.

Und da bin ich bei der Frage, die sich mir stellt: Tue ich mich schwer damit, in eine Sache tief einzutauchen und hart dafür zu arbeiten? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass gerade dies der Knackpunkt in meinem Leben zu sein scheint: Mir immer wieder klar zu machen, dass es sich lohnt, wenn ich mich voll und ganz auf etwas konzentriere und daran arbeite. Dennoch bleibt meine Liebe für kurze und knackige Sätze. Sätze mit einer simplen Aussage, die gleichzeitig unheimlich tiefgründig sein kann, wie ein guter Song, der innerhalb von 210 Sekunden Tränen in die Augen treiben kann.