deep down

Diese Kälte am Morgen, sie behagt mir nicht, aber im Gegensatz zu all den anderen Leuten werde ich gleich ins Warme aufbrechen. Es ist nur ein kurzer Zwischenstopp nötig, um aus den sauberen Klamotten in den schon etwas versteiften und salzigen Blaumann zu wechseln. Danach geht es ab in den Fahrstuhl und hinab in dunkle Gewölbe. Aber das stimmt gar nicht, Gewölbe, das klingt so klein und eng und dabei sind die Decke und Wände hier viel höher und weiter, als jeder Raum, den ich zuvor sah, na vielleicht kommt die alte Schulsporthalle an diese Maße ran, aber da war es nur eine Halle und kein kilometerlanges Konstrukt. Was mich zudem an die Turnhalle erinnert, ist die Wärme hier unten. Sie ist aber anders, viel trockener, was sie so angenehm macht. Tja und düster…nun, düster ist es hier nur in den unausgeleuchteten Gängen, aber eigentlich strahlen die weißen Wände jedes kleine bisschen Licht ab, so dass aus der tiefsten Nacht der hellste Tag wird. Ein guter Freund bedauerte mich einmal für diese Arbeit, weil sie so anstrengend sei und man so dreckig dabei wird. Das stimmt, sie ist anstrengend und man sehnt sich bei der Auffahrt schon auf die nassen Strahlen, um das staubige Salz aus den Haaren und von der Haut zu waschen, aber dafür weiß ich nach einem Tag harter Arbeit, was ich geschafft habe. Ich falle am Abend zufrieden und müde ins Bett, das kenne ich auch anders. Mir gefällt es hier unten, die Wärme, die Stille und meine Kumpel, die mir die langen Fahrten in den Gängen durch ein Gespräch verkürzen und die mich hier rausholen würden, wenn mir etwas zustößt. Das ist für uns selbstverständlich. Vielleicht ist das hier kein Traumberuf und manch einer würde lieber zehn Kilometer in der Luft fliegen, als einen Kilometer unter der Erde zu arbeiten, aber vermutlich bewegt es einen Pilot nicht so sehr wie mich, wenn ich am Nachmittag mit dem Aufzug nach oben fahre und mich dann auf einmal die Sonne begrüßt.

Die Lichter der Stadt

Während man so durch die frühe Dunkelheit in diesen Wintertagen in der Stadt zieht, hat er es schwer. Voll aufgebläht ist er und strahlend gelb, aber er steht einfach zu tief, um wahrgenommen zu werden, denn die Lichter der Stadt überstrahlen ihn. Ihr warmes Gelb ist überall und so wird er sich noch gedulden müssen, bis er ein wenig höher gewandert ist und einige der gelben Lichter erloschen sind. Man sieht später die kleinen, glühend roten Augen der Stadt. Über ihnen schwebt der Mond dann und schaut uns dabei zu, wie wir Ameisen durch die Stadt wandern. Er erleuchtet unseren Weg, bis wir in einem Haus verschwinden und uns erst Stunden später wieder blicken lassen. amüsiert und womöglich durchgeschwitzt. Unsere Augen werden kleiner sein und schon ein gemütliches Bett herbeiwünschen. Und selbst dann wirst du da oben noch in voller Größe strahlen und hoffen, dass du noch einen Blick des hellblauen Himmels erhaschen darfst oder wenigstens die Vögel singen hören wirst.