Schattentanz

Wir schauten unseren Schatten beim Tanzen zu, sie zogen sich mehrere Meter in die Länge und sie waren eins. Es gab nur diesen einen Baustrahler, der den Raum erhellte. Er stand hinter dem Typen am Mischpult. Es war alles sehr provisorisch, aber das war ja gerade der Charme, den es ausmachte. Die verlassene Fabrik diente als Disco. Hin und wieder huschte ein lächelndes Gesicht an mir vorbei, manchmal erkannte ich es, oftmals blieb es mir verborgen. Eine Hand hielt mir ein Bier entgegen, ich nahm es dankend an, auch wenn es mir nicht mundete. Hatte es noch nie, das wusste ich schon seit ich fünf war und mir mein Vater eins in die Hand drückte, als ich müde aus dem Zelt kroch und mich beschwerte, dass ich durstig sei. Der eine Schluck in der Kindheit hatte genügt, um eine Resistenz dagegen aufzubauen. Doch hier im Licht des Scheinwerfers spülte ich es herunter. Meinen Durst konnte ich mittlerweile damit stillen, wenn es sein musste. Zweimal schon war der Strom kurzzeitig ausgefallen und wir waren in tiefste Dunkelheit gehüllt. Dann erblickte ich das Licht von Taschenlampen, die am Generator herumleuchteten. Irgendwer machte irgendwas und das Leben der Lichter und der Musik begann wieder von vorn. Nun fiel zum dritten Mal der Strom aus und die Menge stöhnte traurig. Doch es war kein zufälliger Ausfall, das verstanden wir, als jemand „die Polizei“ rief. Eine Hand griff die meinige und zerrte mich weg. Ich folgte, obgleich ich es gar nicht für nötig hielt. Was würde schon ernsthaft passieren? Wir liefen durch den Wald und stolperten nach einigen Minuten. Wir keuchten laut, doch wir hörten in die Stille, da war kaum etwas zu hören, alles nur entfernt. Lippen berührten meine Lippen. Es war ein schöner Kuss. Wer war nur dieser Schatten?

Dystopie aufs Ohr (2)

Ich weiß noch nicht, ob das hier eine Serie werden wird, aber davon würde ich momentan nicht ausgehen, wenngleich mir durchaus weitere Alben in den Sinn kommen, die hier hinein passen. Das Album, welches ich dieses Mal anspreche ist von seiner Stimmung her auch gar nicht so düster, wie „Black Ribbon“ von Shooter Jennings, dennoch mit einer klaren Botschaft. Der erste Song, Sirius, jagt jedem Basketball-Fan einen wohligen Schauer über den Rücken. Mir geht es zumindest so. Ich erinnere mich noch an die Übertragungen aus den 90ern, wenn dazu das Team um Michael Jordan aufs Parkett lief und ich habe es auch nicht selten gehört, wenn mein alter Herr als Trainer mit seinem Team in die Halle kam. Es ist aber nur die Einleitung in Track Nummer 2 „Eye in the Sky“ (der Link beinhaltet Sirius und Eye in the Sky als Gesamtsong). Hier sind wir schon beim Meisterstück des Albums angelangt, was mich jedoch nicht stört. Jedes „I am the eye in the sky, looking at you. I can read your mind“ erinnert mich an die Kameras, die man zur Sicherheit montiert, nur dass der Song über 30 Jahre alt ist und er daher noch nicht vom „Ear in your jeans“ singen konnte, die Dinger kamen ja erst zu der Zeit heraus und brauchten einen Aktenkoffer, den man mit sich herumschleppen musste.

Alan Parsons Project ist der Name der Band, „if you wanna call it a band“ (um mal Fatboy Slim zu zitieren). Und gaaanz typisch für die 80er muss man sich mit elektronischen Klängen aus dem Keyboard oder dem Mixer begnügen. Das ist nun nichts, was ich mir den ganzen Tag anhören könnte oder möchte, aber den Track Nummer 7 „Psychobabble“ empfehle ich gern, allein schon wegen des Fliegeralarms, der mitten im Song auftaucht und einen wieder aus der kunterbunt-poppigen 80er-Welt in den Überwachungsstaat holt. Da wird der wohlige Schauer vom Beginn erneut erzeugt, wenngleich es weniger wohlig ist, was einen da durchfährt, aber das muss man sich als Künstler auch trauen und ich kannte es ansonsten nur vom Public Enemy Album „It takes a Nation of Milions to hold us back„.

Wer sich Alan Parsons Project „Eye in the Sky“ komplett anhören möchte, der möge diesem Link folgen.

Reise- und Musiktipp für den Juni

Pete und der Hauptheld von „Der Kutter aus Kalkutta“ waren schon dort und hätten sie ihre Reise im Juni diesen Jahres begonnen, dann hätten sie die Chance gehabt, eine großartige Band live performen zu sehen. Wobei ich mir sicher bin, dass sie auf der Reise einige Songs von ihnen hörten, denn die Musik gehört einfach so sehr ins Auto, wie eine lange Haare.

Die Band nennt sich „Black Rebel Motorcycle Club (oder kurz: B.R.M.C.) und die Stadt ist Zagreb. Ich bin ein wenig überrascht, dass bisher keiner meiner Freunde jemals was von denen gehört hat, wenngleich sie seit 2001 sieben Alben produziert haben. Ich selbst habe nur zwei davon „B.R.M.C.“ (2001) und „Baby 81“ (2007), welche aber durchweg mit bestem Rock aus dem Sonnenstaat aufwarten.

Ich überlege, welcher mein absoluter Lieblingssong ist, den ich hier nun verlinke, um euch einen kleinen Eindruck zu vermitteln und es ist verdammt schwierig. Ich entscheide mich daher für jenen Song, der womöglich manchen noch im Ohr liegt, weil er in einem Werbespot benutzt wurde:

Dystopie aufs Ohr

Die gute Käthe bat mich hin und wieder auch mal über Musik zu bloggen und so tue ich ihr den Gefallen. Es geht um das Album „Black Ribbon“ von Shooter Jennings und seiner Band Hierophant. Die Hierophants gibt es unter dem Namen nur auf diesem Album und die Musik ist ein kunterbunter Mix, wenngleich sie immer ein wenig nach Rock duftet. Wer die Musik von Shooter oder seinen Vater Waylon Jennings kennt, der erwartet nun wohl Country oder Southern Rock, aber dieses Album will sich gar nicht so wirklich festlegen lassen. Man muss auch nicht die konservative Einstellung zur Politik oder gar zum Besitz einer eigenen Waffe mit dem Musiker teilen, um genießen und erleben zu können, was einem da geboten wird.

Das Album bietet verschiedenste Stücke, die immer wieder vom Radiosprecher „Will O‘ The Wisp“ unterbrochen werden, welcher nur ganz nebenbei erwähnt Stephen King ist. Der Radiosprecher spricht aus dem letzten freien Radiosender zu seinen Zuhörern und stirbt am Ende gar (so viel darf man verraten). Ein grauselig düsteres Amerika wird präsentiert…

So viel zum Album und allem Drumherum, aber die Musik war es, weswegen ich überhaupt darauf aufmerksam wurde. Es begann mit „Fuck you, I’m famous“ (man darf hin und wieder auch mal den Mittelfinger präsentieren), welches ich in einer Californication-Folge erstmals hörte. Der Song ging mir sofort ins Gedächtnis und in die Glieder über. Nun hoffte ich auf weitere Song in der Machart und wurde enttäuscht. Oder eher getäuscht? Sagen wir einfach, dass ich gar nicht traurig war, dass es ganz anders kam. „Triskaidekaphobia“, also die Angst vor der 13, ging ebenso schnell in mein musikalisches Gedächtnis über, ebenso „All of This Could Have Been Yours“ (ist was für den Liebesschmerz), „California via Tennessee“ (fürs Fernweh) und „When the Radio Goes Dead“ (für mich ist es ein Stückchen wie Joggen, weil es langsam immer schneller wird). Ihr dürft die Songs gern selbst ihren Genres zuordnen.

Hier das gesamte Album

forgotten memories

Was für eine Melodie. Vor fast fünfzig Jahren war sie zum ersten Mal zu hören und mir ging der Song schon immer unter die Haut. Deswegen verwundert es mich nicht, dass er auf der Playlist steht. Es ist die Erinnerung, die mit dem Hören kommt, die ich nicht erwartet hatte.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass sie und ich unsere Räder des Nachts schoben. Der erste Kuss war noch jung, vielleicht eine Stunde, vielleicht mehrere, das hätte ich schon damals nicht sagen können, denn die Zeit zwischen dem ersten Kuss und dem Fahrradschieben nutzten wir für weitere Küsse. Nutzten sie für das Flüstern nah am Ohr und für die sanfte Berührung von einer Stirn mit der anderen.

Als wir so schoben, sang ich ihr jenen Song vor. Die Angst davor, einen Ton nicht zu treffen, war weit entfernt. In dieser Nacht fürchtete ich gar nichts. Was hätte ich auch fürchten sollen? Ich sang ihn vor, denn der Name sagte ihr nichts und leider auch nicht mein Gesang. Sie hatte ihn nie zuvor gehört. In der Zeit, in der ich das Lied kennenlernte, brach sie von Zuhause aus, um mit ihrem Freund zusammen zu sein.

Wir nutzten die eine Chance, die sich uns bot. In einer warmen Sommernacht tanzten wir im Staub und zwischen spitzen Steinen, bis sich unsere Blicke und unsere Lippen fanden. Ich könnte mir die Nacht nicht ein Stück anders vorstellen.

Wenn man beim Joggen von George Michael verfolgt wird…

Ich muss gestehen, dass ich etwas enttäuscht war. Aus drei Fenstern war neben gedimmten Licht auch Gestöhne zu vernehmen (Licht war zu vernehmen…ja, ich höre Licht!) und das allein auf dem ersten Kilometer. Meine Erwartung war daher, dass sich weitere Paare der Lust hingeben würden, während ich in Laufschuhen etwas für meine Fitness tat. Aber das Zeitfenster für Verkehr war wohl schon am Schließen, ich werde nächsten Samstag darauf achten eine andere Zeit zu wählen.

Wirklich schlimm war allerdings, dass mich plötzlich George Michael verfolgte. Nein, nicht physisch, aber in meinem Kopf. Da ich ja selbst seit einiger Zeit jeglicher Form von Sex entsage, hörte ich ihn plötzlich singen „i want your sex“ und ja, das waren auch mein Gedanke… Gebt! Mir! Was! Ab!

Ganz nebenbei bemerkt: Ich hörte nur weibliches Stöhnen und verpflichte mich hiermit, beim nächsten Geschlechtsakt für einen Ausgleich zu sorgen. Hauptsache ich habe dabei nicht wieder Herrn Michael im Ohr, sonst muss ich den wirklich rausbrüllen…

Wer ihn aber doch hören möchte:

George Michael – I Want Your Sex

Über Kurt

Ein kurzes Klacken und dann brummt es wohlig vor sich hin. Nur einen kurzen Moment, bis die dünnen Finger über die Saiten streichen und das Brummen von klaren, knackigen Klängen verdrängt wird. Heute spielt er allein in einem schalldichten Raum, so dass niemand außer ihm selbst die Melodien zu hören vermag, die aus den Tiefen seiner Seele hinausströmen.

Er sei ein guter Kerl, sagen sie. Doch er weiß von dieser dunklen Seite. Jene Seite, die ihn manches Mal überkommt. Wenn die anderen Musiker feiern gehen und er sich zurück zieht. Zurück in eine andere Welt. Jene Welt nimmt ihn ein und lässt ihn nicht mehr los. Sie nahm ihn vor langer Zeit gefangen und wenn er in sie hinab taucht, findet er manche Perle, die er der Welt auf der Bühne präsentiert. Sie ahnen nicht, wie tief er dafür abtauchen muss und wie lang er die Luft anhält. Wenn er auftaucht, fühlt er sich mehr tot als lebendig und dreckig und doch freut er sich über den gefundenen Schatz. Doch statt sich der wenigen Schätze zu erfreuen, verlangt man immer neue Tauchgänge in immer tiefere Tiefen. Nur dort lassen sich die größten und reinsten Perlen entdecken.

Hier allein in diesem Raum taucht er nicht tief, die Melodien strömen natürlich und wirr aus ihm heraus. Sie werden keine strahlenden Perlen werden, vermutlich niemals gehört, außer von ihm. Und wenn er die letzte Note des Abends spielt, wird sie langsam ausklingen. Nur das Brummen und seine Atmung werden zu hören sein, bis ein Klacken alles beendet.

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Joggingrunde – Teil 5

Ja, hier war ein Kuss gefordert, doch so nah sich unsere Köpfe auch waren, es fehlten wenige Zentimeter oder eine biegbarere Wirbelsäule. Wir lösten uns nur für einen Moment, doch genau da erfasste uns die Unruhe der aufstehenden und verlassenden Leute, was auch uns dazu bewegte, aus dem Raum zu verschwinden.

Draußen sprach ein Mädchen Julia an und ich lief noch ein paar Meter weiter, wo ich mich dann umdrehte, so dass jenes Mädchen zwischen uns stand. Unsere Blicke wechselten heimlich aber ständig. Diese Blicke, die mehr sagten, als alles, was wir bis dahin jemals auszusprechen gewagt hätten. Julia wurde eingeladen noch mit in den Innenhof zu kommen, wo ein paar Leute Musik machten.

Man sah kaum mehr als die Konturen der Menschen, da es nur eine schwache Lampe bei den Musikern gab. Die meisten Zuhörer saßen auf dem kühlen Rasen und einige standen und bewegten sich, als würden sie im Wind wiegen. Julia war schneller als ich und stand bereits in der Runde, so dass ich mich ihr von hinten her nähern konnte, mit meinen Armen die ihrigen griff und diese um ihren Bauch legte, während ich meine Brust an ihren Rücken schmiegte.

Die Musik wurde lebhafter und wir gingen mehr ins Tanzen über. Gesicht sah in Gesicht, Hüfte berührte Hüfte und wieder war er da, der ewig langsame Moment, der nur zu gern ein ganzes Leben lang dauern dürfte. Endlich fanden sich unsere Lippen und so wie wir, tanzten nun auch unsere Zungen sanft umschlungen miteinander.

Es war mal wieder die Kälte, die uns nach einem Moment, der wohl mehrere Lieder lang war, wieder zu uns brachte. Es brauchte nicht viele Worte, bis wir beschlossen, nach Hause zu radeln. Wir nahmen den Weg durch den Park, weil Julia kein Licht am Rad hatte. Irgendwer rief uns auf der Fahrt mal etwas zu, aber außer ein paar dunklen Gestalten bemerkte ich nichts und ließ mich auch nicht beirren.

Es war ein dünner Durchgang in den hinteren Teil des Hauses, wo Julia ihr Rad abstellte. Wir küssten uns wieder und sie löste sich. Ihr Blick drückte eine Entschuldigung aus, die sofort folgte. Sie hatte Besuch von ihrer Schwester, sonst hätte sie mich mit nach oben genommen. Ich grinste über ihre Worte. Nicht, dass ich es mir nicht gewünscht hätte, ihr nach oben zu folgen, aber ich hatte gar nicht damit gerechnet. Dieser Abend war perfekt und sollte sich erst einmal in unserem eigenen Inneren ausbreiten, uns selbst einnehmen. Das Grinsen verließ mich nicht mehr, bis ich selig in meinem eigenen Bett einschlief.

Wohnzimmerkonzerte

Es ist so um die zwei Wochen her, da war ich bei einem Freund auf ein Wohnzimmerkonzert eingeladen und genoss es, weil die Musiker einen einfach mitreißen konnten, wahrhafte Poeten. Schaut ruhig mal den Link, die Leute brauchen so einige Klicks um im Studio Aufnahmen machen zu dürfen:
http://www.shure-call-for-legends.eu/entrants/profile/312

Liebestatt-LUXUS4

p.s. ich habe den Blog schon immer für meine Texte benutzt und will euch nicht mit Werbung für Andere nerven, aber mir gefiel die Truppe einfach so sehr, dass ich ihnen einen Eintrag widmen musste und hoffe, dass ihr mir auch in Zukunft treu bleibt. Oh und wer den Ben findet, darf ihn behalten. 😉