Dystopie aufs Ohr (2)

Ich weiß noch nicht, ob das hier eine Serie werden wird, aber davon würde ich momentan nicht ausgehen, wenngleich mir durchaus weitere Alben in den Sinn kommen, die hier hinein passen. Das Album, welches ich dieses Mal anspreche ist von seiner Stimmung her auch gar nicht so düster, wie „Black Ribbon“ von Shooter Jennings, dennoch mit einer klaren Botschaft. Der erste Song, Sirius, jagt jedem Basketball-Fan einen wohligen Schauer über den Rücken. Mir geht es zumindest so. Ich erinnere mich noch an die Übertragungen aus den 90ern, wenn dazu das Team um Michael Jordan aufs Parkett lief und ich habe es auch nicht selten gehört, wenn mein alter Herr als Trainer mit seinem Team in die Halle kam. Es ist aber nur die Einleitung in Track Nummer 2 „Eye in the Sky“ (der Link beinhaltet Sirius und Eye in the Sky als Gesamtsong). Hier sind wir schon beim Meisterstück des Albums angelangt, was mich jedoch nicht stört. Jedes „I am the eye in the sky, looking at you. I can read your mind“ erinnert mich an die Kameras, die man zur Sicherheit montiert, nur dass der Song über 30 Jahre alt ist und er daher noch nicht vom „Ear in your jeans“ singen konnte, die Dinger kamen ja erst zu der Zeit heraus und brauchten einen Aktenkoffer, den man mit sich herumschleppen musste.

Alan Parsons Project ist der Name der Band, „if you wanna call it a band“ (um mal Fatboy Slim zu zitieren). Und gaaanz typisch für die 80er muss man sich mit elektronischen Klängen aus dem Keyboard oder dem Mixer begnügen. Das ist nun nichts, was ich mir den ganzen Tag anhören könnte oder möchte, aber den Track Nummer 7 „Psychobabble“ empfehle ich gern, allein schon wegen des Fliegeralarms, der mitten im Song auftaucht und einen wieder aus der kunterbunt-poppigen 80er-Welt in den Überwachungsstaat holt. Da wird der wohlige Schauer vom Beginn erneut erzeugt, wenngleich es weniger wohlig ist, was einen da durchfährt, aber das muss man sich als Künstler auch trauen und ich kannte es ansonsten nur vom Public Enemy Album „It takes a Nation of Milions to hold us back„.

Wer sich Alan Parsons Project „Eye in the Sky“ komplett anhören möchte, der möge diesem Link folgen.

Reise- und Musiktipp für den Juni

Pete und der Hauptheld von „Der Kutter aus Kalkutta“ waren schon dort und hätten sie ihre Reise im Juni diesen Jahres begonnen, dann hätten sie die Chance gehabt, eine großartige Band live performen zu sehen. Wobei ich mir sicher bin, dass sie auf der Reise einige Songs von ihnen hörten, denn die Musik gehört einfach so sehr ins Auto, wie eine lange Haare.

Die Band nennt sich „Black Rebel Motorcycle Club (oder kurz: B.R.M.C.) und die Stadt ist Zagreb. Ich bin ein wenig überrascht, dass bisher keiner meiner Freunde jemals was von denen gehört hat, wenngleich sie seit 2001 sieben Alben produziert haben. Ich selbst habe nur zwei davon „B.R.M.C.“ (2001) und „Baby 81“ (2007), welche aber durchweg mit bestem Rock aus dem Sonnenstaat aufwarten.

Ich überlege, welcher mein absoluter Lieblingssong ist, den ich hier nun verlinke, um euch einen kleinen Eindruck zu vermitteln und es ist verdammt schwierig. Ich entscheide mich daher für jenen Song, der womöglich manchen noch im Ohr liegt, weil er in einem Werbespot benutzt wurde:

Dystopie aufs Ohr

Die gute Käthe bat mich hin und wieder auch mal über Musik zu bloggen und so tue ich ihr den Gefallen. Es geht um das Album „Black Ribbon“ von Shooter Jennings und seiner Band Hierophant. Die Hierophants gibt es unter dem Namen nur auf diesem Album und die Musik ist ein kunterbunter Mix, wenngleich sie immer ein wenig nach Rock duftet. Wer die Musik von Shooter oder seinen Vater Waylon Jennings kennt, der erwartet nun wohl Country oder Southern Rock, aber dieses Album will sich gar nicht so wirklich festlegen lassen. Man muss auch nicht die konservative Einstellung zur Politik oder gar zum Besitz einer eigenen Waffe mit dem Musiker teilen, um genießen und erleben zu können, was einem da geboten wird.

Das Album bietet verschiedenste Stücke, die immer wieder vom Radiosprecher „Will O‘ The Wisp“ unterbrochen werden, welcher nur ganz nebenbei erwähnt Stephen King ist. Der Radiosprecher spricht aus dem letzten freien Radiosender zu seinen Zuhörern und stirbt am Ende gar (so viel darf man verraten). Ein grauselig düsteres Amerika wird präsentiert…

So viel zum Album und allem Drumherum, aber die Musik war es, weswegen ich überhaupt darauf aufmerksam wurde. Es begann mit „Fuck you, I’m famous“ (man darf hin und wieder auch mal den Mittelfinger präsentieren), welches ich in einer Californication-Folge erstmals hörte. Der Song ging mir sofort ins Gedächtnis und in die Glieder über. Nun hoffte ich auf weitere Song in der Machart und wurde enttäuscht. Oder eher getäuscht? Sagen wir einfach, dass ich gar nicht traurig war, dass es ganz anders kam. „Triskaidekaphobia“, also die Angst vor der 13, ging ebenso schnell in mein musikalisches Gedächtnis über, ebenso „All of This Could Have Been Yours“ (ist was für den Liebesschmerz), „California via Tennessee“ (fürs Fernweh) und „When the Radio Goes Dead“ (für mich ist es ein Stückchen wie Joggen, weil es langsam immer schneller wird). Ihr dürft die Songs gern selbst ihren Genres zuordnen.

Hier das gesamte Album

Man wird ja wohl nochmal sagen dürfen…

Das schöne an der Musik heutzutage ist, dass man immer wieder über Perlen stolpert, die man früher mal hörte. 2006 gab es den Song AKD (Arme kleine Deutsche) von Knarf Rellöm (nein, kein Schwede. Einfach rückwärts lesen). Das ganze Album habe ich immer wieder gern gehört, aber jener Song passt mir aktuell so wunderbar…also in den Sonntagabend.

forgotten memories

Was für eine Melodie. Vor fast fünfzig Jahren war sie zum ersten Mal zu hören und mir ging der Song schon immer unter die Haut. Deswegen verwundert es mich nicht, dass er auf der Playlist steht. Es ist die Erinnerung, die mit dem Hören kommt, die ich nicht erwartet hatte.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass sie und ich unsere Räder des Nachts schoben. Der erste Kuss war noch jung, vielleicht eine Stunde, vielleicht mehrere, das hätte ich schon damals nicht sagen können, denn die Zeit zwischen dem ersten Kuss und dem Fahrradschieben nutzten wir für weitere Küsse. Nutzten sie für das Flüstern nah am Ohr und für die sanfte Berührung von einer Stirn mit der anderen.

Als wir so schoben, sang ich ihr jenen Song vor. Die Angst davor, einen Ton nicht zu treffen, war weit entfernt. In dieser Nacht fürchtete ich gar nichts. Was hätte ich auch fürchten sollen? Ich sang ihn vor, denn der Name sagte ihr nichts und leider auch nicht mein Gesang. Sie hatte ihn nie zuvor gehört. In der Zeit, in der ich das Lied kennenlernte, brach sie von Zuhause aus, um mit ihrem Freund zusammen zu sein.

Wir nutzten die eine Chance, die sich uns bot. In einer warmen Sommernacht tanzten wir im Staub und zwischen spitzen Steinen, bis sich unsere Blicke und unsere Lippen fanden. Ich könnte mir die Nacht nicht ein Stück anders vorstellen.

Wenn man beim Joggen von George Michael verfolgt wird…

Ich muss gestehen, dass ich etwas enttäuscht war. Aus drei Fenstern war neben gedimmten Licht auch Gestöhne zu vernehmen (Licht war zu vernehmen…ja, ich höre Licht!) und das allein auf dem ersten Kilometer. Meine Erwartung war daher, dass sich weitere Paare der Lust hingeben würden, während ich in Laufschuhen etwas für meine Fitness tat. Aber das Zeitfenster für Verkehr war wohl schon am Schließen, ich werde nächsten Samstag darauf achten eine andere Zeit zu wählen.

Wirklich schlimm war allerdings, dass mich plötzlich George Michael verfolgte. Nein, nicht physisch, aber in meinem Kopf. Da ich ja selbst seit einiger Zeit jeglicher Form von Sex entsage, hörte ich ihn plötzlich singen „i want your sex“ und ja, das waren auch mein Gedanke… Gebt! Mir! Was! Ab!

Ganz nebenbei bemerkt: Ich hörte nur weibliches Stöhnen und verpflichte mich hiermit, beim nächsten Geschlechtsakt für einen Ausgleich zu sorgen. Hauptsache ich habe dabei nicht wieder Herrn Michael im Ohr, sonst muss ich den wirklich rausbrüllen…

Wer ihn aber doch hören möchte:

George Michael – I Want Your Sex

Über Kurt

Ein kurzes Klacken und dann brummt es wohlig vor sich hin. Nur einen kurzen Moment, bis die dünnen Finger über die Saiten streichen und das Brummen von klaren, knackigen Klängen verdrängt wird. Heute spielt er allein in einem schalldichten Raum, so dass niemand außer ihm selbst die Melodien zu hören vermag, die aus den Tiefen seiner Seele hinausströmen.

Er sei ein guter Kerl, sagen sie. Doch er weiß von dieser dunklen Seite. Jene Seite, die ihn manches Mal überkommt. Wenn die anderen Musiker feiern gehen und er sich zurück zieht. Zurück in eine andere Welt. Jene Welt nimmt ihn ein und lässt ihn nicht mehr los. Sie nahm ihn vor langer Zeit gefangen und wenn er in sie hinab taucht, findet er manche Perle, die er der Welt auf der Bühne präsentiert. Sie ahnen nicht, wie tief er dafür abtauchen muss und wie lang er die Luft anhält. Wenn er auftaucht, fühlt er sich mehr tot als lebendig und dreckig und doch freut er sich über den gefundenen Schatz. Doch statt sich der wenigen Schätze zu erfreuen, verlangt man immer neue Tauchgänge in immer tiefere Tiefen. Nur dort lassen sich die größten und reinsten Perlen entdecken.

Hier allein in diesem Raum taucht er nicht tief, die Melodien strömen natürlich und wirr aus ihm heraus. Sie werden keine strahlenden Perlen werden, vermutlich niemals gehört, außer von ihm. Und wenn er die letzte Note des Abends spielt, wird sie langsam ausklingen. Nur das Brummen und seine Atmung werden zu hören sein, bis ein Klacken alles beendet.

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