Lust und Frust

Ich konnte ihr keine Antwort auf ihre Frage geben, warum mich die Liebe einer Person nicht glücklich macht. In meinem Kopf lief durchaus eine Erklärung ab. Eine Erklärung, die zeigen würde, weshalb ich mich oftmals elendig fühle und mich für einen schlechten Menschen halte. Eine Erklärung, die ich ihr nicht geben kann, weil ich zu schwach dafür bin, die Wahrheit auszusprechen. Es ist merkwürdig, weil es mir mal sehr leicht fiel und es einen Bruch gab, der es mir so unendlich schwer erscheinen lässt. Ich kann den Bruch selbst nicht genau benennen. Da gibt es aber mehr als genug Material, welches jeder halbwegs gute Psychologe als möglichen Anfang identifizieren würde. Ich war mir dessen auch ohne das Studium im Klaren und hielt mich eh für so besonders, dass ich keine Hilfe bräuchte. Jedem anderen Menschen sei sie gegönnt, aber ich habe doch Stift und Papier um mich zu therapieren, nur warum schreibe ich dann nicht wie ein Wilder, genügend Schreibstoff gäbe es ja?

Neulich Abend waren die Gedanken so vollkommen klar. So klar wie in jedem Rausch, nur war ich an jenem Abend so fertig, dass es nicht mehr dazu langte, die Worte zu fassen und aufzuschreiben. Die Frage darf gestellt werden, ob es des Alkohols bedarf, damit ich offen und frei schreibe und rede. Aber eine Frage ist auch nur eine Aussage. Zumindest diese letzte Frage ist es. Es gibt mittlerweile so einige Texte, die in den Nächten entstanden, in denen ich vom Feiern wieder heimkam und womöglich sollten sie nochmal auf Sinn und Rechtschreibung überprüft werden, aber gute Ansätze sind dabei, weil sie ehrlich sind.

Zurück zur Frage, warum mir die Liebe nicht genügt und warum ich ihr aus dem Weg gehe. Dafür brauche ich heute keinen Alkohol. Die Antwort dafür ist ziemlich einfach. Es ist ein Komplex, der über die letzten Jahre immer größer geworden ist. Ein Konglomerat aus zerbrochenen Träumen von Liebe, der Kontaktabbruch zur Familie und Pornografie. Sex ist zum Abbau von Frust geworden und nicht der Ausdruck von Lust. Es hielt mich ruhig und entspannt. Aber dieser Preis ist mir zu hoch. In letzter Zeit bin ich unruhiger und gestresster geworden. Vermutlich ein Zeichen des Entzugs. Dann wäre es kein schlechtes Zeichen und dennoch keines das mich zufrieden macht, denn ich möchte nicht gestresst und leicht reizbar sein. Ich möchte entspannt durchs Leben gehen und über mich selbst lachen können. Der Weg ist noch lang.

Warum eigentlich?

Warum eigentlich darf man sich nicht beschissen fühlen? Die Frage muss man erst einmal sacken lassen und darüber nachdenken. Überlegt mal, wie schnell ihr damit aneckt, wenn ich euch einfach vom Leben oder von was auch immer gefickt fühlt und das der Außenwelt zeigt, indem ihr euch zurückzieht und nicht jedem Menschen einen schönen Tag wünscht. Da wird man komisch angeschaut und soll sich erklären oder noch besser, mal wieder lächeln, weil dann… ja dann geht es einem ja wieder besser.
Warum wohl antworte ich schon automatisiert auf die Frage wie es mir geht? Weil die Leute nichts anderes hören wollen, nur warum fragen sie dann? Ich fühle mich gerade nicht sonderlich gut, sonst würde ich solch einen Eintrag kaum schreiben. Ich brauche nicht darüber zu reden, warum das so ist und bin stattdessen ganz glücklich, dass zumindest mein Kollege, mit dem ich mir das Büro teile, mich einfach machen lässt und mir keinen dummen Kommentar an die Backe drückt. Er weiß, dass ich mich nicht optimal fühle und er weiß auch, dass er daran nicht schuld ist und es somit auch nicht wirklich ändern kann, besonders nicht mit irgendwelchen Plattitüden.
Ich empfinde so eine Fick-dich-Welt-Phase legitim und auch sinnvoll, weil es eben nur eine Phase ist und sie, wenn sie ausgelebt werden darf, auch irgendwann vorbei ist. Ich bin dafür, dass man auch mal eine beschissene Laune haben darf, solange man damit Leute nicht absichtlich verletzt oder anderen Menschen vor den Kopf stößt. Niemand verlangt von mir eine Träne im Gesicht zu sehen, also warum dann ein Lachen?

Mal wieder einen Trend verpasst…

Eigentlich wollte ich nichts zu den 15.000 Leuten schreiben, die sich in Dresden gefunden haben und sich für was besseres halten. Ich kenne meine Leser und halte sie für aufgeklärt genug, dass ich ihnen unterstelle meine Sichtweise zu teilen. Aber irgendwie ist mir jetzt doch danach.

Kommen wir zu dem Trend, nämlich der Islamisierung. Diesen Trend muss ich nämlich total verpasst haben. Ich suche in unserer weltoffenen Stadt nach Anzeichen von Islamisierung und finde allein eine Amerikanisierung, die vollkommen akzeptiert und toleriert wird. Nun denn, es mag der Preis der Freiheit sein. Ich suchte weiter und dann fand ich sie doch noch. Mir halfen andere Blogger, aber zuerst natürlich zum eigenen Geschichtswissen:

Wir Kinder Roms mussten mit arabischen Zahlen auskommen und die verfluchte Null hinnehmen. Wo war nur damals im Mittelalter die gute Pegida, die uns davor beschützt hätte? Wir hatten stattdessen wenige Schriftgelehrte und wenn ein armer Bauer mal einen Zettel mit diesen merkwürdigen Schriftzeichen fand, dann gab es für ihn bessere Nutzungsmöglichkeiten für das gute Papyrus, als das Wissen der Antike aufzubewahren. Leider kamen arabische Gelehrte über Spanien zu uns nach Europa und gaben uns einen großen Teil dessen zurück, worauf wir uns heute berufen, wenn wir von einer europäischen Geschichte sprechen. Hätte man uns nicht davor schützen können? Gäbe es dann eigentlich „patriotische Europäer“? Vielleicht haben die Leute aber auch Angst vor den ganzen Dönerläden. Die einzigen Orte, wo man des Nachts noch schnell ein Bier kaufen kann. Ach ne, das tun die ja ganz sicher nicht, weil die ja keinen Alkohol erlauben…oh wie, die tun das doch??? Nunja, aber gegen diese von vielen Ernährungswissenschaftlern einzig gesunde Fastfoodart sollte man sich auch stellen. Wir haben doch unseren ureuropäischen BigMac aus der Plastiktüte. Was bedeutet eigentlich Islamisierung, etwa dass wir hier eine neue Staatsreligion einführen? Sehe ich nicht. Etwa, dass wir von unseren christlichen Werten abrücken? Das darf jeder für sich tun und bei allem Respekt: Wo sind die christlichen Werte denn hin, wenn man Menschen, die in unser Land kommen, zeigt, dass sie nicht willkommen sind. Bat Jesus nicht darum auch die andere Wange hinzuhalten? Ich wurde nicht einmal auf die eine geschlagen und bin dennoch bereit, meine zweite hinzuhalten. So wie es wahrhaft große Menschen taten. Man mag mich Gutmensch nennen oder es Kuschelkurs schimpfen, das stört mich nicht im geringsten. Lieber Kuschel- als Konfrontationskurs. Außer gegenüber Intoleranz und die sehe ich momentan nur aus einem Lager und halte es mit Sir Karl Popper:

Im Namen der Toleranz sollten wir… das Recht beanspruchen, die Intoleranz nicht zu tolerieren.

Der Grund, warum mich das so aufregt ist das Verständnis eines Thomas de Maizière. Ich sehe keinen Demonstranten, der wirklich Ängste zum Ausdruck bringt. Also wirklich ernsthafte Ängste. Ich habe nur eine einzige Frage an die Demonstrierenden: Was genau glaubt ihr, ist Islamisierung und wo genau findet diese statt? Ich sehe es nicht. Ich erinnere mich nur daran, dass es vor nicht einmal hundert Jahren schon Akademiker und Leute aus der Mittelschicht gab, die sich in einer Masse fanden und für eine Partei und ein System waren, das viel eher zum Untergang des Abendlandes beigetragen hat, als es irgendeine Religion könnte. Ich habe für die damalige Bewegung kein Verständnis und ich habe es für die aktuelle erst recht nicht. Vielleicht sollten wir demnächst eine gelbe Sichel an alle Muslime in Deutschland ausgeben, die sie sich an die Jacke stecken…ich habe für mich vor ein paar Jahren bemerkt, dass ich zwei Arabern gegenüber meine an dem Tag vollkommen positive und offene Einstellung gegenüber verändert habe. Wo kam diese abweisende Haltung eigentlich her und wie soll sich hier jemand wohl fühlen und integrieren, wenn man sich vor ihm verschließt? Seither achte ich sehr genau darauf, wann mir welche Vorurteile begegnen und ich stelle mich ihnen entgegen, denn ich möchte niemals wieder einer Person unfreundlich begegnen, nur weil sie ein besonderes Aussehen hat oder einer speziellen Religion angehört. Ich will kein Nazi sein.