Kleiner Buddha

Da war sie also. Sie schien unstet und bestätigte es in ihren Aussagen. Welch ein Gegensatz zu dem, weshalb ich hier war. Ein kleines und gemütliches Café. Die Sonne schien direkt auf die Tische davor und wärmte uns auf, in diesen kälter werdenden Tagen, an diesem kühlen Herbsttag. Eine heiße Schokolade stand neben mir. Meine Begleitung hatte sich einen Milchkaffee gewünscht und ich hatte auch diesen geordert. Wir hätten wohl ganz gemütlich dort gesessen und den Nachmittag genossen, aber da war ja noch sie. Jene Frau, die ich als unstet empfand. Und sie sprach, als wollte sie keine Sekunde verschenken, weil sie so viel mit uns teilen wollte.

Ihr Blick in meine Augen ging tief und ich hatte Angst, was sie da wohl lesen könnte. Konnte sie hinter die Fassade schauen, die die meisten von uns tragen, weil es einfacher so ist? Was sie erzählte, war zu viel für den Menschen, der seiner Ratio folgte. Nein, sie musste doch verrückt sein. Erleuchtet wollte sie gewesen sein. Ich spürte, wie meine Begleitung das Gespräch verlassen hatte und ich war überfordert mit all dem, was da auf mich einprasselte. Innerlich schüttelte ich den Kopf und gar nicht so viel später machten wir uns auf. Die Sonne konnte nicht gegen den kalten Wind ankommen und ihre Worte schienen ungehört zu verhallen.

Einige Zeit später fand ich mich allein im Bett mit Gedanken an jenes Treffen wieder. Ich war unruhig, denn ich musste feststellen, dass ich mit meiner Handlung absolut nicht einverstanden war. Hier öffnete sich ein kleines Wesen. Sie wirkte stark und doch so zerbrechlich, aber ich ließ sie nicht an mich heran. Dabei gibt es da jene Frage in mir, die nach mehr als dem verlangt, was ich wahrnehmen und erleben kann. Buddha saß einst unter einem Bodhibaum und fand seine Erleuchtung. Die Welt floss ineinander über. Und hier war ein Mensch, der mir erzählte, selbiges erlebt zu haben, doch ich konnte oder wollte es nicht glauben.

Es bleibt die Frage, warum ich es nicht glauben wollte. Was hätte ich verloren, wenn ich sie länger angehört hätte und mit ihr die Fragen besprochen hätte, die mich schon so lang beschäftigen? Warum verschließen wir uns immer vor den Dingen und den Menschen, die wir nicht mit all unserer Wissenschaft in Einklang bringen können? Da sehe ich Micheangelos „Erschaffung des Adam“ vor mir, der in seiner Bequemlichkeit seinen Finger nicht zu den himmlischen Figuren ausstreckt. So wollte ich doch niemals sein und hab nun doch die ausgestreckte Hand weggeschlagen, als würde ich irgendetwas besser wissen.

Maskenball

Ich wurde geboren mit einem Gesicht und lernte tausend Masken zu tragen. Wenn mir ein Mensch begegnet, so erstellt mein Kopf schnell ein Profil von ihm und setzt mir die passende Maske dazu auf. Dann traf ich sie. Sie, für die ich keine Maske brauchte. Sie, die mein wahres Ich hervor lockte. Sie, in die ich mich verliebte. Sie, die mich nicht lieben konnte. Das war auch nicht ihre Aufgabe. Hinter all den Masken wusste ich nicht mehr um mein wahres Ich und durch sie erkannte ich es wieder. Doch was, wenn mir dieses Ich gar nicht gefällt? Habe ich eine andere Wahl, als jeden Tag zu versuchen, das Beste aus diesem wahren Ich zu machen? Ich muss es so machen, muss es akzeptieren und daran arbeiten. Ich muss daran arbeiten, es mehr zu dem zu machen, was ich lieben kann, denn töten kann ich es nicht – das weiß ich.