Das schwarze Loch

Es war ein schwarzes Loch und es war dabei mich einzusaugen. Unaufhaltsam und mit einer Kraft, der ich nicht mehr entkommen konnte. Anfangs hatte ich noch gekämpft und mich gewehrt, doch irgendwann gab ich einfach auf, es war sinnlos. Alles war sinnlos. Es beginnt, dann passiert etwas und es passiert nichts. Und dann endet es. Warum einen Sinn für einen in sich abgeschlossenen Prozess suchen – er ist einfach da, das ist alles. Man kann lachen oder weinen, lieben oder ficken, leben oder sterben. Am Ende verschluckt dich das schwarze Loch und es ist gut so. Es bleibt nichts übrig und all die alltäglichen quälenden Gedanken versiegen.

Hier geht es zum zweiten Teil „Das andere Ende“

Stimmlos

Das war es also. Ich saß tatsächlich vor einem weißen Blatt Papier, vollkommener Unsinn, ich saß vor einem weißen Bildschirm und es deprimierte mich. Es war weg. Diese eine Kraft, die mich glücklich machte, wenn ich sie mir zunutze machte, sie hatte mich einfach verlassen. Es war der einzige Verlust, vor dem ich Angst hatte und wohl deswegen auch der einzige, der mich treffen konnte. Mich ängstigte nicht die Einsamkeit oder die Geldlosigkeit, aber nicht mehr schreiben zu können, das war mir verhasst. Ich wusste, dass mich nichts glücklich machen würde, wenn das verloren war. Ja, es war ganz eindeutig, wenn das nicht mehr ging, dann hatte das Leben seinen Sinn verloren. Hätte man mir die Wahl gelassen, ob ich in einem Leben noch einen einzigen Orgasmus oder überhaupt Sex haben dürfte oder das Schreiben, so wäre es mir ein Leichtes gewesen, mich zu entscheiden. Mir das Wort nehmen, war ein böser Schicksalsschlag und er war nicht gerechtfertigt. Ich versuchte ein guter Mensch zu sein und ich würde behaupten, dass ich mich dabei recht gut anstellte. Ich tat den Menschen so oft gut. Aber der Dank war, dass ich dabei mich selbst und damit auch meine Worte verlor. Verlustängste sind so wunderbar irrational, weil man ja hat, was man zu verlieren glaubt. Aber dass daraus die Realität des tatsächlichen Verlusts erwächst, ist wohl die schlimmste alle Strafen. Strafe…ein merkwürdiges Konstrukt, denn eine Strafe wird von einem Etwas verhängt und was für ein Etwas sollte es sein, das mich strafen wollte? Das Universum? Dafür war ich viel zu unbedeutend. Wäre es nicht sinnvoller, wenn man einem Tyrannen die Macht raubte, statt mir meine Worte? Also wenn es nicht das Universum war, dann blieb da nichts für mich. An Gott glaubte ich nicht und wenn ich so darüber nachdenke, dann glaubte ich auch nicht daran, dass es im Universum eine Macht gab, die meine Wortfindung steuern konnte. Also saß ich da und blickte auf den weißen Bildschirm und den blinkenden Strich, der mir sekündlich die Aufforderung sendete, endlich anzufangen. Aber was wusste der schon vom Schreiben, der ließ sich lässig von jedem meiner Buchstaben über den Bildschirm schieben. Ja, der hatte seinen Spaß, während ich schrieb und jetzt – ja jetzt war er vermutlich gelangweilt und fragte sich, ob er eingerostet war. So ein Arsch. Allerdings stellte sich auch die Frage, warum ich überhaupt schreiben sollte. Es war schon alles gesagt, so schien es mir. Hie und da wollte jemand schockieren und manchmal funktionierte das sogar, aber der große Wurf, der war schon geworfen und warum sollte da irgendjemand mein Gestammel lesen wollen. Das war ja auch irgendwie beruhigend. Es würde wenigstens niemanden stören, dass diese eine Stimme verschwunden gegangen war.