Wege und Stege

Ich liebte den täglichen Weg über die Fußgängerbrücke. Es ist gar keine Brücke, es ist ein Steg, so steht es im Namen. Ich kannte Stege immer nur als diese Holzkonstruktion zwischen Boot und Ufer, aber man lernt ja nie aus. Dieser Steg war aber nicht aus Holz, sondern aus Beton gegossen und links und rechts gab es grünliche Geländer, auf die ich mich bequem lehnen konnte. Das wirkliche Highlight war aber, dass sie ein wenig schwang. Man bekam immer das Gefühl, als würde man auf einem Schiff stehen und es ist ja auch so ähnlich. Ein Boot fährt von einem Ufer zu einem anderen und dieser Steg führte von einem Ufer zum anderen.

Es springen von hier aus sogar Menschen in den Fluss. Ich habe es nie gesehen und wenn ich so ins Wasser hinabblickte, erschien es mir geradezu wahnsinnig, aber dennoch wurde es getan. Ein wenig Verrücktheit schadet wohl nicht. Man sagt ja sogar Genies nach, dass sie ein wenig verrückt seien. Ich kann es nicht beurteilen, ich kenne kein Genie. Oder doch?

Wann und wie
wird ein Mensch zum Genie?

Vielleicht ist es eben gerade das: Man geht über diesen Steg, doch statt stur geradeaus zu gehen, dreht man sich nach links, hievt sich auf die Brüstung und springt ins Wasser. Und dann kommt man irgendwoanders heraus. Ein Geniesprung. Hin und wieder sollte man diesen Sprung wagen, scheint es mir. Hin und wieder sollte man dem Kopf die Möglichkeit geben, dass 3 mal 3 gleich 6 gibt, Lady Langstrumpf würde mir zustimmen.