Ich hasse laute Geräusche

Ich muss erstmal sortieren, was mich genau stört, denn es kann auch leises sein. Ich hasse das Geräusch des Hauses, wenn meine Mitbewohner die Wohnungstür zuschmeißen, es klingt dann immer so, als würde das bisschen Putz, das noch an der Wand hängt, direkt mit dem Zuknallen gen Boden segeln.

Ich hasse auch Disharmonien und stelle für mich fest, dass Kinder sogar angenehmer klingen können, als so manch Erwachsener, der mit ihnen singt. Nun will ich die Menschen nicht von dieser doch sehr schönen Kunst abbringen, denn es braucht Übung, und Kunstfertigkeit entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Aber wie schaffen Musiklehrer das nur jeden Tag? Ihre Ohren sind geschulter und empfindlicher als meine. Bin ich einfach nur zu sensibel?

Ich glaube, ich habe mit manchen Geräuschen in manchen Räumen – also auch Zeiträumen oder Situationen – Probleme. Ich liebe Motorengeräusche und würde dennoch den Proleten der Nacht mit einem Baseballschläger antworten, wenn sie an meinem Fenster vorbeifahren.

Ich mag laute Menschen nicht, vielleicht ist auch das der eigentliche Punkt. Ich verstehe das Schreien nicht, obgleich in normaler Lautstärke gesprochen werden könnte. Ist unsere Welt so laut geworden, dass jeder schreien muss?

Glaubensbekenntnisse

Zu Weihnachten wird man ja doch ne Spur gläubiger: Man feiert die Geburt von Jesus, geht in die Kirche, dem Pfarrer zu lauschen und steckt einen Engel auf die Spitze des Weihnachtsbaums. Und auch mir dürfte man dies unterstellen, wenn man die ganzen Ohgotts hören würde, die mir ständig durch den Kopf schießen, wenn ich eine Woche vor Weihnachten zur Mittagszeit in einer überfüllten Innenstadt unterwegs bin. Vermutlich sind das alle drei Millionen Arbeitslosen, die wir in Deutschland laut Statistik haben plus verschleierten Erwerbslosen, über die das Amt für Arbeit nicht berichten darf. Jeder normale Mensch sollte doch zu dieser Zeit auf Arbeit sitzen.

Okay, natürlich sind auch Rentner unterwegs, was mich ein wenig überrascht, denn die nerven mich ja schon an Samstagen oder sind die etwa jeden Tag am Einkaufen und wenn das so ist, können die dann nicht was von ihrer Rente für die sogenannten Altersarmutler spenden und mir damit einen Tag gönnen, an dem ich mich nicht an ihnen vorbeiquetschen muss, weil sie ihren Einkaufswagen auf der einen Hälfte des Ganges platzieren und sich dann vorm Regal so tief vornüber beugen, dass allein die zehn Zentimeter zwischen ihrem Gesäß und dem EInkaufswagen bleiben, die man noch nutzen kann, um an ihnen vorbei zu kommen (Mein Gott, was für ein langer Satz und Gott verdammt, schon wieder ein Bekenntnis…aber dieser Satz hat einen eigenen Absatz verdient!)?

Nun denn, es ist fast alles besorgt, was ich brauche und die letzten Dinge sollte ich in einer etwas abgelegenen Drogerie bekommen, somit bin ich ganz zuversichtlich, dass mir weitere, nervige Innenstadtbesuche bis nach Weihnachten erspart bleiben, nur fängt ja dann die Umtauschzeit an. Die überteuerten Geschenke müssen ja wieder zurückgegeben werden, denn zwei Wochen sind schnell rum, wenn man schon ne Woche vor Weihnachten kauft und dann noch Feiertage den Einkaufsspaß verderben. Ich mache es dieses Jahr geschickt, denn ich verschenke nur Dinge, die sich schlecht umtauschen lassen. Ich hätte da ein schlechte Gewissen, das noch duftend warm ist. Ebenso eine frisch gestrickte Faulheit. Und eine gehörige Schippe Arroganz. Oh und ein Päckchen Egoismus hätte ich auch noch abzugeben…wobei…nö, den Egoismus bewahre ich mir und mit ihm auch die anderen tollen Geschenke. Dann gibts eben was schönes Gebasteltes und kleine Erinnerungen an vergangene Zeiten für die lieben Verwandten.

Der Samstagabendeinkauf

Und wieder einmal habe ich es geschafft. Es ist Samstag und der Kühlschrank ist leer. Kein schöner Anblick, knurrt mir dabei sofort der Magen, aber ich lasse ihn weiter knurren, denn wenn ich eines gelernt habe, dann das, dass man vor 16 Uhr auf keinen Fall losgehen sollte. Also mache ich mich erst Stunden später auf den Weg und über mein Gesicht zuckt ein Lächeln, als alle drei Automaten für die Leergutannahme frei sind. Denn hier will ich zwei Flaschen loswerden. In meinem Kopf schwebt noch umher, dass ich unbedingt einen Adapter für mein Monitorkabel benötige, das darf ich nicht vergessen. Beim Betreten des eigentlichen Supermarktes halten mich vier kleine Teenies auf, weil sie direkt nach dem Eingang stehen bleiben, aber mein dünner und halbwegs flexibler Körper windet sich an ihnen vorbei und greift gleichzeitig nach einem Korb, keiner zum Schieben, sondern zum Tragen, denn mehr passt in meinen Rucksack eh nicht rein. Da mein Magen noch immer fleißig knurrt, ist meine Stimmung nicht weniger freundlich und mich überkommt die Lust auf Süßigkeiten. Ein Hoch auf die Werbung, dass ich also ganz automatisch sofort zwei Tafeln Schoki und zwei Tüten Gummibärchen einpacke. Im Kopf rechne ich, dass jetzt bereits rund 3,50 Euro weg sind. Im Kühlschrank lag nur noch ein Liter Milch, aber der würde für zwei Tage reichen müssen, denn der Platz im Rucksack, das wusste ich jetzt schon, wird für so ein Tetra-Pack nicht ausreichen. Ich eile den Gang entlang und werde von den Zweien von der Tankstelle aufgehalten. Okay, vermutlich sind die eher von der Baustelle, aber sie tragen den obligatorischen Bierbauch vor sich her und versuchen sich gerade in der Entdeckung der Langsamkeit. Es muss ein Jedi-Reflex sein, denn ich sehe eine Lücke, nehme dafür einen extra weiten Bogen in Kauf, um festzustellen, dass die zwei Bierbäuche nur einen Meter nachdem ich ihre „Verfolgung“ aufgab, stehengeblieben waren und den Gang nun endgültig blockierten. Es ging weiter zum kühlen Regal mit allerlei Käsesorten und schlagartig wird mir wieder bewusst, warum ich selten ohne Musik aus dem Haus gehe, denn irgendeine Stimme schluchzt eine Liebeshymne oder eine Suizidhymne, wer weiß das schon so genau. Wäre es eine männliche Stimme, so wäre meine Vermutung, dass der arme Kerl soeben ohne Betäubung kastriert worden wäre, aber in diesem Fall hat die arme Frau wohl einfach ihre Tage oder ihre Katze wurde überfahren oder womöglich will sie uns was von Herzschmerz vorsingen, doch in meinen Ohren klingelt es nur unangenehm und meine Stimmung wird gereizter, im gleichen Maße erhöhe ich auch meine Geschwindigkeit um mich der Kasse zu nähern und schnellstmöglich das Geweine und Geschiebe hier hinter mir zu lassen. Dieses Mal habe ich Glück und ich finde eine Kasse, die schon auf mich zu warten scheint. Schnell packe ich mein Zeug aufs Band und will gerade noch den Korb wieder vor der Kasse abstellen, da blockiert mir ein Kerl den Weg, der die leere Kasse wohl ebenso erspäht haben muss, wie ich. Er lächelt mich an und nimmt mir den Korb ab. Wir haben die gleiche Tiefkühlpizza gekauft, ich muss schmunzeln. Die Kassiererin scheint meine bis dato anhaltende, verzweifelte Art mitbekommen haben, denn sie ist besonders freundlich zu mir. Ich bin dankbar, aber da mein Magen noch immer leer ist, flirte ich mal nicht mit ihr. Vermutlich würde mein Atem sie oder zumindest die Stimmung sofort töten. Noch fix zum Bäcker, damit ich mir endlich eine Laugenbrezen in den Mund stecken kann, dann ab nach draußen. Ich schließe das Fahrrad ab und spüre, wie wieder Ruhe einkehrt. Dann erinnere ich mich an den Adapter für den Monitor, zucke kurz mit den Achseln und mache mich auf den Heimweg, auf dem mich die blendende Sonne anlächelt, um mir zu zeigen, dass es ein schöner Tag ist.