Die Taufe

Überall am Körper zittere ich. Ganz sicher nicht vor Kälte, aber ich habe doch Angst, das gehört wohl dazu, vielleicht prüft er mich auf diese Weise. Als ich zum Täufer in den Fluss steige, greifen mich seine starken Hände. Er spricht einige Worte, die ich kaum wahrnehme und dann drückt er mich unter Wasser. Ich halte die Luft an, so gut es geht und bewege mich nicht. Die Zeit scheint still zu stehen und ich spüre den Druck auf meinem Brustkorb. Ich will nicht ausatmen, denn dann würde ich daraufhin wieder frische Luft in mich aufnehmen wollen. Mir wird schwindelig und die Luftblasen verlassen meinen Mund. Ich kämpfe instinktiv gegen die starken Arme des Täufers, doch seinem Griff kann ich nicht entkommen. Mir entweicht die Luft und vor meinem Auge läuft mein vergangenes Leben ab. Ich blinzle und schaue in die Sonne, nachdem mich der kräftige Mann wieder aus dem Wasser gezogen hat. Ich weiß nicht, woran er den richtigen Zeitpunkt erkennt, aber er hat mich mein Leben noch einmal durchleben lassen, er hat mich Reue über meine Fehler spüren lassen und ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Neulich sprach ich mit einem Seher, er wollte mir weiß machen, dass man in der Zukunft kleine Kinder taufen würde, die noch keine Sünde begangen hatten, aber so wäre es wenigstens in Ordnung, dass sie nicht mit dem Tode ringen müssten, weil man ihnen nur ein wenig Wasser auf den Kopf tröpfeln würde.