Fensterscheibe

Die Stadt war aus dem Auto heraus kaum zu erkennen, nur blasse Lichter hinter der beschlagenen Scheibe. Der Wunsch sie als Malfläche zu benutzen, war mir noch inne, doch anders als früher, behielt ich meine Hände bei mir und strich stattdessen den Smoking glatt. Mein Blick fiel auf die schlummernde Frau neben mir. Komisch, dass ich sie als Frau neben mir bezeichne, während ich sie doch schon so lange kenne.

Sie war damals in einem Club eingeschlafen und von ihren Freunden allein gelassen worden. Ich brachte sie zum Taxi, gab dem Fahrer die Adresse, die auf der Rückseite ihres Ausweises stand und genügend Geld, damit er sich über sein Trinkgeld nicht beklagen konnte. Als sie damals im Taxi saß und ich die Tür schloss, sah ich mein Spiegelbild, welches sich über ihr abzeichnete. Der junge Mann sah fröhlich aus, vermutlich weil er wusste, eine gute Tat getan zu haben. Eine Woche später sah ich sie wieder in jenem Club, sie erkannte mich und war so dankbar. Wir unterhielten uns den ganzen Abend. Irgendwann waren wir zusammen.

Das ist nun Jahre her und ich erinnere mich, wie es damals war. Wie schön es sich anfühlte, eine verwandte Seele gefunden zu haben, doch unsere größte Gemeinsamkeit war unsere Einsamkeit. Wir hatten in Wirklichkeit nichts gemein und es kam mir so vor, als könnte ich ihr nicht geben, was sie brauchte, während ich nicht brauchte, was sie mir geben konnte.

Sie sah so schön aus, wie sie so dalag. Als das Taxi anhielt, um uns heraus zu lassen, bat ich den Fahrer, noch kurz zu warten. Ich trug sie nach oben und legte sie in unser Bett. Ich zog ihr die hochhakigen Schuhe aus, deckte sie zu und verließ unsere Wohnung um vorn wieder ins Auto zu steigen und wegzufahren. Hier waren die Scheiben kaum beschlagen, dennoch nahm ich die vorbeiziehenden Lichter nur verschwommen war, während ich meine Gedanken schweifen ließ.