Kontaktlos

Mir lief das Wasser im Mund zusammen, als ich auf das käseüberbackene Brötchen sah, welches die junge Frau hinter der Theke auf meinen Wunsch hin in die Tüte packte. Ein Brot und jenes Brötchen für den Start in den Tag. Ich folgte der Frau zur Kasse und hörte zugleich, wie ein anderer Kunde zur Kollegin der jungen Frau „Kontaktlos“ sagte. Er sagte es einfach so und ich fragte mich, ob die Dame die Brötchen nicht anfassen sollte. Sie schien sich die gleiche Frage zu stellen, denn sie sah ihn entgeistert an. Dann zeigte der Mann auf seine Uhr und wiederholte: „Kontaktlos.“ Er ergänzte: „Das hat letzte Woche auch schon geklappt.“ Ich ließ mir Zeit beim Bezahlen und zählte mein Wechselgeld so ab, dass ich genau 15 Euro zurückbekommen würde. Der technikaffine Kunde neben mir pochte darauf, dass es klappen müsste, indem er wiederholte: „Letzte Woche hat es aber geklappt.“ Die Verkäuferin jedoch bat ihn um Verständnis, sie wüsste nicht, wie das gehen würde, obgleich sie ordentlich auf der Kasse rumhämmerte. Ich bekam mein Rückgeld und verschwand aus dieser morgendlichen Szene beim Bäcker. Als ich Richtung Arbeit radelte, fragte ich mich, ob wir alle die Fähigkeit zu reden verlieren werden, wenn wir diese Uhren und die nächsten Gimmicks tragen, denn das wird wohl kommen.

Einmal Wort- und Kontaktlos bitte.

Unser Glauben – Erklärung

Gestern stellte ich vor, was ich als allgemeine Punkte des mittelalterlichen Christentums ansah und heute möchte ich auflösen, womit ich es verglichen habe. Zuvor aber weitere Ansätze, auf die man es beziehen könnte:

Liebe, Wissenschaft oder auch Demokratie könnten durchaus passen, ich meinte aber den Konsum bzw. die Wirtschaft, wenngleich die mittlerweile nicht mehr von der Demokratie und von der Wissenschaft zu trennen ist. Vielleicht sogar nicht mal mehr von der Liebe. Oh, die Sportleidenschaft würde auch passen.

Hier nun die Erklärungen, warum der Konsum ganz ähnlich funktioniert, wie der mittelalterliche Glauben:

  • Man traf sich und hörte sich an, was man nicht verstand. Es gab Übersetzungen und die gaben dir eines zu verstehen: Halte dich genauestens an die Regeln, sonst landest du in der Hölle. -> Wenn Wirtschaftsweisen und Politiker erklären, warum wir dieses und jenes machen müssen, ist es für viele Menschen nicht nachvollziehbar. Auch die Größenordnungen von Verschuldungen oder Bauprojekten sprengt jeden vorstellbaren Rahmen. Ich kann mir tatsächlich nicht ausmalen, was eine Milliarde Euro eigentlich ist.
  • Man baute große Kathedralen und Kirchen. Wahre Prachtbauten, auf die wir noch heute mit einem Staunen schauen. -> Schauen wir uns mal die heutigen Prachtbauten an. Da gibt es all die Hochhäuser der Banken oder die riesigen Einkaufszentren. Das sind doch die neuen Tempel, in die wir alle laufen.
  • Hatte man sich doch einmal einen Fehler erlaubt und dies geschah schon bei unkeuscheren Gedanken, so gab es Ablassbriefe, mit denen man sich wieder von der Sünde befreien konnte. -> Wie oft kaufen wir Dinge und dabei geht es uns besser? Wir glauben sogar, dass wir konsumieren müssen, ansonsten geht es der Wirtschaft schlecht.
  • Gott war alltäglich. Die Anbetung kam der Liebe gleich. ->Wer besitzt ein Smartphone bzw. wie viele hattet ihr bereits? Überlegt mal, wie lange ein Computer hält und wie wir ihn nutzen, aber schon ein Tablet oder ein Smartphone ist innerhalb eines Jahres veraltet…die Liebe kommt dann bei der Benutzung. Erst gestern sprach der Chef von Microsoft davon, dass die Windowsuser ihr Betriebssystem lieben sollten, so wie es bei anderen Herstellern ist. Man hört häufiger, dass man sein Smartphone liebt, als einen Menschen. Schön, wenn man seinen Gott in der eigenen Tasche hat.
  • Es gab klare Trennungen, wer welchem Gott bzw. welcher Auslegung seiner Worte folgte. Man gehörte zu der einen oder zu der anderen Gruppe. Diese Gruppe wurde verteidigt. -> Bleiben wir gleich bei den Marken. Da haben wir die Apple-Jünger, ja allein das Wort…nunja…regelmäßig gibt es dieses Android ist besser als MacOS usw.

So viel dazu, es sind nur ein paar Gedanken und ich hoffe, ihr könnt meine Gedanken ein wenig ergänzen. Auch freue ich mich über Widerspruch. Wer ein Apple-Gerät besitzt, fühlt sich hoffentlich nicht angegriffen, du bzw. ihr steht als Stellvertreter da, das habt ihr einfach den Nachteil, dem Marktführer (zumindest was den Gewinn betrifft) anzugehören. Ich hätte natürlich auch andere Sparten nehmen können, aber bei den Handys sieht man sofort, dass wir selbst unsere Kinder schon mit „unserem Glauben“ infiltrieren.

P.S. ein Nachschub von Jetamele, den ich unbedingt einbauen möchte. Der Eintrag verliert dadurch ein wenig an Struktur, aber ihre Punkte fehlen bei mir und ich finde sie absolut stimmig:

In unserer globalisierten Welt ist es doch paradox, einerseits hier auf dem ‚goldenen Kissen‘ zu leben und gleichzeitig zu wissen, wer dafür woanders definitiv gar kein Kissen mehr unterm Hintern hat? Dass all das dazu beiträgt, dass es der Welt immer schlechter geht? Im Namen dieses ‚Glaubens‘ geschehen doch unglaubliche Dinge, jeden Tag. Trotzdem rennen wir dem ‚Mehr‘ weiter hinterher. Da kann ich mich überhaupt nicht von frei machen.
Und ein bisschen können wir uns vielleicht von diesem Gefühl der Mitschuld, die eigentlich ohnmächtig macht, ‚frei’kaufen, indem wir meinen, uns über diese Dinge bewusst zu sein, darüber nach zu denken, dann und wann dem Obdachlosen einen Euro geben (anstatt ihn zum wärmenden Tee einzuladen) im Bioladen einkaufen, unseren Müll trennen, vielleicht eine billige Klamotte weniger kaufen, einmal im Jahr spenden für irgendwen und fair gehandelten Kaffee trinken (oder Tee ;-)…).

Helft dem Kutter aus Kalkutta

Hach ja, diese Cloudspeichermöglichkeiten sind großartig. Da hat man eine Kopie auf dem PC und eine irgendwo, somit kann ja nichts verlorengehen…leider ging es schon einige Male schief und heute war das wieder der Fall. Ich schrieb das Dokument auf meinem Schreibtisch-PC und mein Laptop hat sich vorhin den Spaß erlaubt, es zu überschreiben…jetzt sind die Ideen für die Fortsetzungen futsch, mal von weiteren Teilen, die zum Großteil schon fertig waren. Meine Lust, die Geschichte jetzt einfach sein zu lassen, ist nicht gering, aber wir können das auch als Möglichkeit sehen, mehr aus der Geschichte zu machen. Ihr habt schon bemerkt, dass ich in den Teilen Gedanken zu diesem oder jenem Thema einbaue. Vielleicht habt ihr ja ein Thema, welches ihr in der Form gerne behandelt sehen würdet. Immerhin muss man noch durch Serbien, Bulgarien, die Türkei, Pakistan und Afghanistan reisen, um danach in Nordwest-Indien zu sein, nur liegt Kalkutta im Osten an der Küste. Viel Weg für viele Gedanken und mein Projekt hat somit die Möglichkeit, zu unserem Projekt zu werden. Wer Lust hat, darf auch gern einen eigenen Teil schreiben. Fühlt euch herzlich eingeladen, machen wir etwas Gutes aus dem Heckmeck.