In Plastik verpackter Tod – Literallypeace.com

Ein weiterer Eintrag auf Literallypeace, bei dem ich mich mit dem Thema Tod beschäftige. Interessant hierzu sind dann natürlich die Einträge von der syrischen Seite, denn der Blick unterscheidet sich seit einigen Jahren gravierend von unserem.

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Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

Lehrmeisterin – auf literallypeace.com

Guten Abend,

ich hatte es neulich schon angekündigt und hier ist der aktuelle Beitrag von mir auf Literally Peace

Text – Lehrmeisterin

Es geht dabei um Nacktheit, Rotwein und eine Nachbarin. Und wenn ich euch damit nicht locken kann, dann sollte ich wohl zugeben, dass es ein sehr berührender und nachdenklicher Text ist und keinerlei Erotik enthält.

Vielen Dank,

Ben

Nimm’s bitte nicht persönlich

„Dass du das für mich tun würdest, hätte ich nie gedacht. Ich war mir so sicher, dass du mich nicht leiden könntest und jetzt opferst du dich für mich? Wie kann ich das jemals wiedergutmachen?“

„Es gibt nichts, was du tun könntest. Und du hattest vollkommen recht, ich kann dich nicht leiden. Ich opfere mein Leben nicht für dich, sondern weil ich die Hoffnung aufgegeben habe. Diese Welt ist am Ende. Ich bin am Ende. Das hier ist der beste Abschied. Nimm’s bitte nicht persönlich.“

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Dies ist mein Beitrag zum 9+1-Schreibprojekt von Blaubeermuffins machen glücklich

Der aktuelle Satz lautet: Nimm’s bitte nicht persönlich.

Es ist Zeit…

Es ist Zeit zu gehen, der Welt zu entflieh’n
Zu wenden, nicht zurückzublicken, zu geh‘n
Entgegen dem Vogelstrom zu zieh’n
Das Segel zu setzen, gegen den Wind zu dreh’n

Das Meer ist schallend leise, leblos stürmisch
Zwischen den Wellen ist einsam, ist frei von allem
All der Schmerz steht für sich, erdrückt mich
Ein Wimpernschlag lässt Zeit und Namen verhallen

Hab immer jenen verlacht, der die Hölle im Nachleben erdachte
Doch nie bemerkt, wie ich mein Leben dort verbrachte.

P.S.
bevor sich einige Leser Sorgen machen: Mir geht es ausgezeichnet, ich habe keine Todessehnsucht. Seht diesen Text bitte als lyrische Umsetzung meines vorherigen Blogeintrags und genießt den Sonntagabend, ich werde es tun.
Liebe Grüße,
Ben

Ozean

Der Schweiß sammelt sich auf meiner Stirn, bis ein Tropfen über meine Schläfe die Wange hinabwandert. Die Sonne kann gar nicht so schnell trocknen, wie sie neues, salziges Wasser hervorruft. In solch einem Augenblick vermisse ich dich mehr, als sonst, mein geliebtes Meer. Dich, das ich zu gern trinken würde, doch es bekommt mir nicht. Dich, das ich durchschwimmen würde, doch ich schaff es nicht. Dich, das ich bis an den Boden ergründen würde, doch ich mach es nicht. Ich bleibe an deiner Oberfläche und genieße die Grenze, die zwischen nass und trocken gezogen wurde. Keine Mauer und ein Zaun ist nötig, um diese Barriere zu beschützen, das macht sie ganz allein. Mein Sternzeichen ist Wassermann, da wurde ich nicht hineingeboren, aber zu gern würde ich mich einheiraten. Der alte Mann und das Meer stünde da vor dem Altar und würde sich das Ja-Wort geben. Ich werde ein ganz alter Mann sein. Ich werde liegen und nicht stehen und mit deinem ärgsten Feind in Kontakt getreten sein, damit ich mich dir ganz hingeben kann. Vollkommen zerstreut.

Der alte Mann (Teil drei)

Seine Worte schufen eine Grenze. Er ist also Tom und nicht >mein Großvater<. „Gut, dann nenn mich Henry, so nennen mich meine Freunde“, bot ich ihm an und versuchte so eine neue Ebene für uns zu schaffen. Doch er ging zur nächsten Frage über, ohne auf das einzugehen, was ich soeben zu ihm gesagt hatte: „Ich mache eine Suppe aus Fisch und Gemüse. Ich vermute, dass du auch etwas davon essen möchtest.“ Ich nickte nur und setzte mich unaufgefordert an den Tisch. Lange überlegte ich, wie ich vom Tod meines Vaters erzählen sollte. Es auszusprechen fiel mir nicht schwer, dafür war die Distanz zwischen ihm und ihm schon immer zu groß gewesen. Weder brach meine Stimme brach noch kamen mir Tränen, aber gegenüber meinem Großvater wusste ich nicht, wie ich es sagen sollte.

Tom stellte mir einen tiefen Teller auf den Tisch ebenso sich selbst. Als er kochte, fiel mir auf, wie oft er hustete und auch jetzt, während wir aßen hustete er einige Male und es klang alles andere als gesund. Als ich nachfragte, wann er denn das letzte Mal beim Arzt gewesen sei, antwortete er, dass er keinen Arzt brauche. Ich hakte nach, ob er schon lange so hustete, und er reagierte genervt, dass ich doch wohl kein Mediziner sei. Nein, das war ich wirklich nicht. Ich weiß gar nicht, was ich eigentlich war, denn es gab keinen Job, zu dem ich mich endgültig berufen fühlte.

Es lag eine unangenehme Stille im Raum, die ich plötzlich durchbrach mit den Worten: „Vater ist tot.“ Ich war selbst überrascht, dass ich das einfach so sagte. Tom hielt seinen Löffel für einen Moment in der Luft. Dann führte er ihn zum Mund. Er hatte es gehört und auch verstanden. Eine weitere Reaktion blieb aus. „Ich würde gern ein paar Tage hier bleiben. Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen“, erklärte ich ihm und sein Gesicht strahlte Gleichgültigkeit aus. Einige Sekunden später jedoch schon stellte er die erste Regel für meinen Besuch auf: „Du machst den Abwasch!“ Endlich ließ er mich an sich heran. Er akzeptierte meine Anwesenheit und baute mich sogar mit ein. So viel Freude hatte ich schon lange nicht mehr am Abwasch gehabt.

Der alte Mann (Teil zwei)

Was er wohl denken mochte, während er in seinem Boot saß? Überlegte er womöglich, wer ihn besuchte und warum dieser uneingeladene Gast seine Weigerung, sofort ans Land zu rudern, nicht verstand und sich nicht wieder davonmachte? Es wäre wohl durchaus ein Gedanke, der mir kommen würde, wäre ich dort draußen. Aber vermutlich ahnte er schon, wer ihn besuchen wollte. Den Grund an sich könnte er unmöglich wissen. Woher auch? Wie konnte er ahnen, dass er seit ein paar Tagen mein einziger Verwandter auf dieser Welt war? Mein Vater war nie ein Bindeglied zwischen meinem Großvater und mir gewesen. Die beiden konnten sich nicht ausstehen und ich erinnere mich noch an einen Streit zwischen ihnen. Ich lag damals im Bett und sollte schon schlafen, stattdessen schlich ich durchs Haus und suchte noch nach einer Kleinigkeit, die ich naschen konnte. Gerade als ich die Treppe wieder hinaufgegangen und schon fast in meinem Zimmer verschwunden war, hörte ich die Stimme meines Vaters, der meinen Großvater anschrie. Er warf ihm vor, meiner Mutter nicht ausgeredet zu haben, dass sie in der Nacht zu ihm fahren wollte. Türen knallten und wir blieben allein zurück. Danach wurden die Besuche meiner Großeltern seltener und endeten mit dem Leben meiner Oma.

Da draußen saß er nun. Ob er wohl oft angelte? Ich erinnere mich nicht daran, dass er mit mir jemals angeln war, aber das wäre eh nichts für mich gewesen. Als Kind plapperte ich ohne Unterlass und hätte so wohl jeden noch so tauben Fisch verscheucht. Mittlerweile könnte ich mit ihm still im Boot sitzen. Mir scheint, dass man mir eine gewisse Menge an Worten mitgegeben hat und ich den Großteil davon als Kind vor mich hin brabbelte. Und nun, einige Jahre später, bin ich sparsam geworden, ja fast schon knauserig, denn wer weiß schon genau, wann das letzte Wort gesprochen ist?

Es dämmerte bereits, da vernahm ich das leise Platschen der Paddel im Wasser. Er kam endlich heim. Als er aus dem Boot stieg, entfuhr ihm nur ein knappes „Hm“ und er ging blicklos an mir vorbei. Ich folgte ihm ins Haus und stellte mich vor: „Hallo, ich bins, dein Enkel. Erkennst du mich denn nicht, Großvater?“ Er antwortete darauf: „Nenn mich nicht Großvater, ich heiße Tom!“