Fernbedienung

Ein Knopfdruck und schon ging der Fernseher in der anderen Ecke des Zimmers an. Verrückt, dass die Menschen früher zum Anstellen und zum Wechseln der wenigen Sender jedes Mal aufstehen mussten. Absolut verrückt. Ich verstand erst später, dass die eigentliche Fernbedienung der Fernseher war, der mich aus der Ferne bediente. Er bediente mich mit Bildern und er bediente mich mit Gedanken. Und wie es so ist, wenn man bedient wird, da passiert nur noch sehr wenig im Kopf, denn man wird träge. Und so starrte ich ins Bunte und starrte ins Leere.

Aus der Ferne bedient werden, das ist auch eine Flucht. Eine Flucht vor den eigenen Gedanken, die einem unbequeme Wahrheiten lauthals ins Ohr flüstern. Aus der Ferne bedient werden, das ist eine virtuelle Berührung, die so wenig menschlich ist und doch so reizvoll. Aus der Ferne bedient werden, das ist das Verlangen nach den schönen Augenblicken, die ausblenden, dass das Leben nie perfekt ist.

Bedienungsfern. Das ist das neue Maß der Dinge. Selbst den Hintern hochbekommen und selbst machen, aber nicht bedienen. Es tut gut, selbst zu erschaffen, was man sonst nur sah. Die Welt selbst erleben, statt nur durchs Glasauge.

Und nun raus in die Sonne mit euch!

Die große Maschine

Das Klackern und das Rasseln hat etwas beruhigendes. Ich kenne das Geräusch von jeher und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es wohl ohne sein müsste. Es gibt diesen steten Grundtakt, der mich des Abends in den Schlaf wiegt und des Tags bei Laune hält. Es gibt die Prophezeiung, dass eines Tages die Menschen diese Maschine zerstören werden, aber das erscheint mir doch wilde Phantasterei und entbehrt jeglicher Grundlage, ist es doch diese Maschine, die uns so gut leben lässt.

Die Einfachheit des Lebens ist der Luxus, von dem die Menschen vor hunderten Jahren noch nicht einmal zu träumen wagten. Was auch immer man braucht, es bedarf nur des ausgesprochenen Wunschs und schon bekommt man es. Früher mussten Menschen jagen und hungern. Warum sollten wir uns dieser Erfindung entledigen?

Apocalypse Wow

Meine Nachbarn über mir hatten gerade Sex und ich zollte ihnen Respekt, denn mir war es bei dieser Hitze schon zu viel nur im Bett zu liegen und ich sah Martin Sheen vor meinem inneren Auge, wie er bei der Hitze in jenem Bett in Saigon lag und darauf wartete, dass der Tag vergeht. Ich konnte nicht anders und legte „The End“ von den Doors auf. In den ruhigeren Parts des Songs vernahm ich, dass meine Nachbarin sich ihrem Höhepunkt näherte. Ich stellte mir die zwei verschwitzten Körper vor und fand das Bild wunderschön, obgleich ich gar nicht wusste, wer in dem Zimmer über mir wohnte, aber für zwei nackte glänzende Körper genügte das bisschen Fantasie noch, das ich mir bewahrt hatte. Was mir als Kind für Geschichten eingefallen sind, die konnten mich ewig beschäftigen, vielleicht habe ich doch zu viel Zeit vor der Glotze verbracht. Ich griff mir das Buch, das ich bereits zur Hälfte durchgelesen hatte. Auf der Titelseite war eine barbusige Frau gemalt. Es war gut geschrieben und dennoch spürte ich, dass ich den Autor langsam satt hatte. Das war bisher immer so gewesen. Ich stolperte über ein Buch, ließ mich von den Worten berühren und einfangen und dann besorgte ich mir weitere Bücher jenes Autors bis ich genug davon hatte.

Versessen

Ich bin versessen auf den Stuhl. Nicht auf dem im Klo, auch nicht auf den Heiligen, sondern einfach auf den Stuhl, auf dem ich sitze. Hin und wieder sollte ich mich erheben. Ich sollte aufstehen. Aufstehen für jene, die am Boden liegen. Aufstehen für mich, um die Fesseln des Stuhls zu lockern.