Brücken

Wenn Städte zum Großteil ganz natürlich an Flüssen entstanden, dann ist es nur logisch, dass wir Menschen schnell lernen mussten, Brücken zu bauen.

Wenn wir auf die Welt kommen, gibt es eine Verbindung zwischen uns und unserer Mutter. Die Nabelschnur war der direkte Draht, doch auch nach seiner Durchtrennung bleibt eine Verbindung erhalten. In Zeiten, in denen wir alle Daten durch die Luft schicken können, sollte uns das nicht verwundern.

Die kleine Hand greift sich einen Finger, als wäre es der stärkste Ast des größten Baumes. Gebettet im Arm gehalten, beschützt vor allem, was um uns passiert. Das Leben hat keinen großen Plan, es hat nur Leben. Den ganz eigenen Rhythmus, der mal schneller und mal langsamer pocht und für jedes Wesen in der höchst eigenen Weise. Um das Leben zu messen, braucht es weder Uhr noch Geld, dies sind die falschen Instrumente, doch sie sind laut. Sie hämmern gleich einem Presslufthammer auf jede lebende Faser ein und versuchen sie anzugleichen und bewertbar zu machen.

Eine Träne bildet sich im Augenlid. Sie wurde aus Trauer oder aus Freude gezeugt. Sie schmeckt salzig und kitzelt die Haut, während sie an ihr hinabgleitet. Sie ist ein unverkennbares Zeichen unserer Emotionen. Ich mag sie gern, die Tränen. Sie sind ehrlich. Und sie bilden eine Brücke, selbst wenn sie nicht in Flüssen fließen.