political correctness und ihre Grenzen

Als ich 16 war, begann ich mich mit der Diskriminierung von Afroamerikanern in Amerika zu beschäftigen. Ich las Bücher zu Malcolm X und verurteilte Leute, die die falschen Begriffe benutzten. Es ging doch um den Respekt gegenüber jenen Menschen, die für ihre Rechte kämpften. Warum mich gerade dieses Thema beschäftigte, ist eine Frage, die ich kaum zu beantworten weiß. Warum ging es mir nicht um den Umgang der Deutschen mit den Juden? Oder um Gleichberechtigung? Ich wünschte mir eine dunklere Haut und erklärte jedem, egal ob er es hören wollte oder nicht, dass Jesus falsch dargestellt wird, denn sein Hauttyp müsste dunkler sein.

Einige Begebenheiten in den letzten Tagen ließen mich wieder nachdenken. Wie gehe ich mit den Begriffen um und könnte ich mit meinen Worten jemanden beleidigen? Ich habe einen guten Freund, der aus Sri Lanka stammt. Wenn es überhaupt mal ein Thema ist, dann bezeichne ich seine Hautfarbe als schwarz. Ob ich damit politisch korrekt handle, weiß ich gar nicht, aber ich weiß, dass er es nicht negativ aufnimmt. Gerade durch ihn habe ich die Einstellung gewonnen, dass man über alles lachen kann. Bis ich neulich merkte, dass das nur funktioniert, wenn es eben auch alle witzig finden. Es gibt also Grenzen und das Lachen könnte ganz schnell falsch verstanden werden.

Zurück zur politischen Korrektheit. Ich bin manchmal unachtsam in meiner Sprache, aber ich glaube, dass mich politisch korrektere Sprache nicht zu einem mehr oder weniger rassistischen Menschen macht. Während ich also überlege, ob ich meinen Freund als schwarz bezeichnen darf oder doch besser als Menschen aus Sri Lanka, wird mir klar, dass ich ihn nie kategorisiert habe und es deswegen auch nicht weiter relevant ist. Er ist für mich nicht besser oder schlechter in diesem oder jenem. Weder aufgrund seiner Herkunft noch seiner Hautfarbe. Dennoch möchte ich mehr auf meine Wortwahl achten. Den einen Denkfehler darf man aber nicht machen, nämlich jenen, wegen dem wir ständig Wörter austauschen: Man behandelt Menschen nicht besser oder sieht sie als ebenbürtig an, nur weil man sich einen neuen Begriff überlegt und den, am besten noch ohne sie zu fragen, einführt.