Unterbewusstsein

Ich blickte den Wolkenkratzer hinab auf die Straße, auf der sich kleine Punkte bewegten. Gelbe und rote Lichter wanderten und die Anwesenheit meines Lehrers drückte mich an den vor mir liegenden Abgrund. Kein Geländer, das meinen Sturz hätte aufhalten können. Nur die kalte Luft und dieser Mann, der mich immer weiter an die Kante schob.

Als ich erwachte, hing mein Kopf bereits über der Bettkante und ein Teil meines Oberkörpers war ihm gefolgt. Ich drehte mich um und zwei schöne Augen blickten mich in der Dunkelheit an. „Ich brauche etwas mehr Platz, sonst falle ich gleich aus dem Bett“, flüsterte ich diesen zwei Augen zu. Noch bevor ich meinen Satz beendet hatte, schob sie ihren warmen Körper von mir weg und ich hatte genügend Platz für den weiteren Schlaf gefunden. „Entschuldige“, flüsterte sie zurück und ich erwiderte: „Alles gut.“ Sie hatte sich nicht absichtlich so viel Platz genommen, das war mir klar. Früher hatte mich das geärgert, wenn ich so an den Rand gedrängt wurde. Irgendwann ging mir auf, dass ich nie gedrängt wurde, sondern sich einfach so ergab in einem kleinen Bett, in dem zwei Menschen schlafen.

Diesen zwei Augen konnte ich nicht böse sein, und ich wollte es auch nicht. Meinen Schlaf hätte es nicht besser gemacht. Stattdessen schlang ich meinen Arm um ihren Körper und kuschelte mich an sie. Ihre Locken rauben mir dann immer wortwörtlich den Atem, weshalb sie sie neuerdings hochbindet oder seitlich an ihrem Hals entlangführt. Ein kleines Kunstwerk ist das, was sie da allabendlich kreiert, damit wir eng aneinander einschlafen können. Sie scheint sofort in den Schlaf zu fallen, wenn ich mich an ihren Rücken schmiege, gern folge ich ihr auf diese Weise oder ich drehe mich um und wärme ihren Po und meinen aneinander.

Ich weiß noch nicht, weshalb sie in meinem Traum als Lehrer erschien, vielleicht ging es auch nicht um sie, sondern um das Leben als Lehrmeister, das dich manchmal an den Abgrund treibt. Wer weiß schon so genau, was einem das Unterbewusstsein mitteilen möchte.