Der Katzenmann – Teil 8

Die Geschichte von vorn

Als Heinrich nach Hause kam, saß Tiger in der Mitte des Flurs und leckte sich die rechte Pfote. Sie unterbrach ihr Tun, miauzte kurz und streifte dann dem Hausherrn um die Beine. Diesem gefiel die weibliche Aufmerksamkeit der letzten Tage und freute sich bereits auf morgen, wenn er Sabine wiedersehen würde. Heinrich streichelte Tiger gedankenverloren und plötzlich fauchte sie ihn an. Er war immer wieder überrascht darüber, dass Tiger den Unterschied mitbekam, doch dieses Mal erinnerte ihn das Fauchen an das, was der Bäcker erzählt hatte. Heinrich blickte Tiger an, erinnerte sich daran, wie sie gestern vor dem Hund davongelaufen war. Nein, das war zu absurd. Nie zuvor hatte Tiger ihn, Heinrich, gekratzt. Sie hatte anfangs die Krallen ausgefahren, wenn sie sich auf seinem Schoss befand, aber das hatte er ihr abgewöhnt, denn die Stelle war höchst ungünstig für haarfeine Spitzen. Es war ausgeschlossen, dass Tiger einen großen und stämmigen Mann, wie es der Bäcker war, angreifen konnte.

Plötzlich schoss ihm die Frage von Sabine wieder durch den Kopf, die wissen wollte, was Tiger denn gestern so getrieben hätte. Aber wie sollte man darauf kommen, dass seine Katze jenen Mann angefallen hätte, außer die zwei Todesfälle gingen auch auf ihre Rechnung. Wie soll denn eine Katze einen Menschen umbringen? Die Alte könnte an einem Herzinfarkt gestorben sein, weil sie sich erschreckte, aber Erik, der war viel zu kräftig. Es wäre wahrscheinlicher, dass dieser Tiger gequält hätte. Der Gedanke daran, ließ Heinrich erschaudern.

Da war zu viel Fantasie im Spiel und kein vernünftiger Polizist würde nach einer Katze als Täter ermitteln. Aber was, wenn doch? War Sabines…Frau Leisers Interesse nur vorgespielt? Sie verstand sich so gut mit Daria, das wollte Heinrich nicht glauben. Die Gedanken hörten nicht auf und zum ersten Mal seit Jahren schloss der Katzenfreund seine Schlafzimmertür hinter sich. Er ging sogar einen Schritt weiter und drehte den Schlüssel herum. Die Tür schloss er nie, weil die Katzen an die Türklinke sprangen und herein kamen. Doch Tiger war ihm in dieser Nacht nicht geheuer und den Lärm würde er schon ertragen können.

Hätte er gewusst, dass er bis in den frühen Morgen kein Auge zu machen würde, so hätte er sich die Sache mit er Tür auch sparen können, aber in der letzten Stunde vor dem Aufstehen überkam ihn doch noch der Schlaf. Aus seinen Träumen holte ihn nicht der Wecker, sondern eine raue Zunge, die seine Hand leckte. Er schreckte hoch. Die Tür stand offen, Tiger saß auf Heinrichs Bauch und blickte ihm in die Augen.

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Der Katzenmann – Teil 4

Die Geschichte von vorn

Heinrich war nicht ganz unglücklich über den Besuch der Beamten, denn eine der beiden war die Polizistin vom Vortag, die sich als Frau Leiser vorgestellt hatte. Sie gefiel Heinrich, auch wenn ihm klar war, dass aus der Situation heraus keine Option für ein Kennenlernen bestand. Stattdessen musste er sich Fragen zu Frau Bauer und seinem Leben mit den Katzen gefallen lassen. Wie so üblich hatte Heinrich das Gefühl, sich für seine Liebe zu den Katzen rechtfertigen zu müssen. Und wie sonst auch entschuldigte er sich geradezu dafür. Nach knapp einer halben Stunde war das Verhör beendet und Heinrich nahm all seinen Mut zusammen, um nachzufragen, was denn mit Frau Bauer geschehen sei, dass man ihn so intensiv befragte. Die beiden Beamten gaben keine Auskunft und verließen Heinrichs Wohnung.

Der Katzenfreund ging hinüber zum Bäcker, der ihn ganz ungewöhnlich mit einem Guten Morgen, Herr Kalkenrisse begrüßte. „Die Polizei war vorhin bei Ihnen, habe ich gesehen. Was war denn los?“, fragte er Heinrich anstatt sich zu erkundigen, was dieser gerne kaufen wollte. „Die hatten nur noch ein paar Fragen wegen Frau Bauer.“, antwortete Heinrich und ergänzte: „Ich darf aber nicht darüber reden, das verstehen Sie ja sicherlich.“ Der Bäcker blickte ihn unzufrieden an, schnaufte laut durch die Nase und war nun bereit zu bedienen: „Was hätten Sie denn gern?“ „Drei normale Brötchen, das wäre alles.“ „Bitte sehr. Haben die nur wegen der Bauer gefragt oder auch wegen Erik?“ „Wegen Erik? Nein, nur wegen der Bauer und ich wüsste auch nicht, warum man mich zu dem hätte befragen sollen“, erwiderte Heinrich, griff die Tüte mit den Brötchen und verließ den Bäcker.

Zuhause bereute er schon wieder zu jenem Bäcker gegangen zu sein. Er hatte sich freier und wohler gefühlt, nachdem die Bauer und Erik ihn nicht mehr angiften konnten, aber die Welt in diesem Ort war noch immer dieselbe. „Der verfluchte Bäcker. Der soll lieber mal seine Waren selbst backen und sich nicht beliefern lassen, statt so viel Tratsch zu verbreiten und seine Anschuldigungen loszuwerden. Immer diese Blicke von dem Typen. Kann da nicht ein anderer bedienen?“, ärgerte Heinrich vor sich hin, als er sich die Brötchen aufschnitt und mit Frischkäse beschmierte, ohne zu bemerken, wie er von Tiger beobachtet wurde.

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