Ich machte es, wie es in den Büchern stand, aber es funktionierte einfach nicht

Da stand ich nackt in der Dunkelheit und wusste nicht wohin. Immer wieder hatte ich mir all die Weisheiten eingebläut, die mir erklärten, wie ich als Mann zu sein hätte. Ich verstand, dass ich hart sein musste. Ich verstand, dass ich weich sein musste. Und doch blieb mir der Erfolg verwehrt. Ich machte es, wie es in den Büchern stand, aber es funktionierte einfach nicht.

Dann verstand ich den eigentlichen Fehler: Ich versuchte immer zu sein, wie ich sein könnte und nicht, wie ich war.

Und nun weiß ich nicht mehr, wer ich bin. Nun bleib mir nur mein eigenes Buch zu schreiben.

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Dies ist mein Beitrag zum 9+1-Schreibprojekt von Blaubeermuffins machen glücklich

Der aktuelle Satz lautet: Ich machte es, wie es in den Büchern stand, aber es funktionierte einfach nicht.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

Der Satz gefällt mir ehrlich gesagt, weil er ein Beispiel dafür ist, wie falsch er gern ausgelegt wird. Wer soll hier eigentlich prüfen und wen? Das ist die Frage, die man sich selbst stellen sollte und die Antwort sollte einer reflektierten Person nicht schwer fallen. Es ist schon erstaunlich, dass unser Leben so sehr von dem Wunsch eines Lebenspartners bestimmt wird. Das fängt schon früh an, wenn man die Filme sieht, die einem zeigen, dass man lange Schlachten schlagen muss, um am Ende in den Armen des Partners zu liegen. Die Geschichten erzählen dann natürlich nicht weiter, denn da sind ja alle glücklich und zufrieden, daran besteht kein Zweifel, haben sich die zwei Menschen doch nun zusammen gefunden.

Erst neulich zeigte mir ein Freund einen Animationsfilm, in dem ein unscheinbarer Kerl zum Superhelden mutiert. Von Beginn an, geht es ihm dabei aber viel mehr um die Erlangung jener Frau, als darum, Gutes zu tun. Die Liebe als Motor unserer Taten…na das ist schon was dran…traurig eigentlich. Der Film endet dann damit, dass unser Superheld seine Kräfte ablegt und sein Leben riskiert, um ein kleines Mädchen zu retten, seine Hoffnung hatte er bereits aufgegeben und findet sich, dank dieser Tat nun doch in ihren Armen wieder. Ja, das wäre das typische Ende, aber dieser Kurzfilm will uns eine letzte Szene nicht vorenthalten und erst diese Szene macht den Film interessant. Sie kommt geschafft heim oder putzt, während er gemütlich im Sessel sitzt und ein Buch liest. Nun regt sie sich auf und alles weitere ist eigentlich egal. So lange hielt also der Wunsch an, für sie besonders sein zu wollen und etwas zu tun. Es ist nun ein anderes Kapitel, dass es einfach logisch ist, sich die Arbeit zu teilen, denn Lust auf Abwasch usw. hat kein Mensch, da brauchen wir nicht zu diskutieren. Worum es mir geht, ist doch die Frage, weshalb unser Held eigentlich jene Frau an seiner Seite haben wollte. War es ihr üppiges Dekolleté, welches per Nahaufnahme jedem Zuschauer vor Augen geführt wurde oder war es einfach nur der Wunsch, nicht mehr allein zu sein?

Und nun prüfe man einfach mal, warum man gerade nach einer Beziehung sucht? Ist es wirklich diese eine interessante Frau und warum muss schon vorher klar sein, wohin es gehen soll? Warum werden Gedanken gesponnen und Überlegungen angestellt, wie es wohl aussehen könnte in der Zukunft und wie perfekt alles wäre? Es erscheint dann plötzlich ganz wichtig, sofort diese Beziehung zu haben, wie ein Spielzeug, das man immer wieder mit großen Augen angeschaut hat. Die andere Person ist dabei gar nicht so relevant, sonst würde sie nicht so überhöht dargestellt. Fehler und Macken werden übergangen. Es geht weniger darum, einen Menschen zu erleben und ihm begegnen zu dürfen. Ich erwische mich selbst bei solchen Gedanken, erschrecke mich dabei und prüfe mich dann wieder…nicht die andere Person, denn die wird schon passen, wenn sie sich ebenso prüft oder es bereits weiß. Will ich eine Beziehung und warum will ich sie? Wird mein Glück davon abhängen, eine Beziehung zu führen? Dann werde ich auf ewig ein unglücklicher Mensch sein, denn mein Glück wird niemals wirklich das Meinige sein.

Ich liebe es, mit einer Frau im Bett zu liegen, ihr über die Haut zu fahren, ihren Duft einzuatmen, sie einfach bei mir zu spüren. Das geht nicht mit jeder Frau und deswegen kommen wohl auch mir manchmal jene Gedanken, wenn ich dann eben doch einer besonderen Frau begegnet bin, bei der ich mich einfach wohl fühle und die mich zum Lachen bringt. Aber muss dann zwangsläufig eine Beziehung daraus werden? Und noch viel wichtiger: Muss man deswegen darüber nachdenken? Immer wenn ich mich dabei ertappe, wie mir solche Gedanken kommen, prüfe ich mich. Ich nehme mir eine Auszeit und denke nach. Ja und am Ende weiß ich dann, dass es nur die blöde Romantik war, die man mir als Kind in den Kopf setzte. Und dann kommt mir ein ganz anderer Gedanke, nämlich der, dass ich diese andere Person vollkommen frei kennenlernen möchte. Ich möchte mich selbst nicht gefangen nehmen lassen von dem Wunsch, mit ihr zusammen zu sein. Gegen die Anziehung kann man nur schlecht ankämpfen, sie steht einer vollkommen freundschaftlichen Annäherung womöglich im Wege, aber sie ist auch ehrlich und muss deswegen auch nicht verleugnet werden. Anziehend darf man sich finden, aber den Film mit der Fahrt in den Sonnenuntergang…ja, den sollte man ganz schnell wieder ausblenden.

Das ist jetzt ein großes Gedankenchaos, was ihr da gerade lesen durftet, aber es sind Gedanken, die durch die letzten Blogeinträge von Freunden, durch jenen Film und natürlich auch und im Besonderen durch mein eigenes Leben inspiriert sind. Sie sind ungefiltert, aber ehrlich…