Ozean

Der Schweiß sammelt sich auf meiner Stirn, bis ein Tropfen über meine Schläfe die Wange hinabwandert. Die Sonne kann gar nicht so schnell trocknen, wie sie neues, salziges Wasser hervorruft. In solch einem Augenblick vermisse ich dich mehr, als sonst, mein geliebtes Meer. Dich, das ich zu gern trinken würde, doch es bekommt mir nicht. Dich, das ich durchschwimmen würde, doch ich schaff es nicht. Dich, das ich bis an den Boden ergründen würde, doch ich mach es nicht. Ich bleibe an deiner Oberfläche und genieße die Grenze, die zwischen nass und trocken gezogen wurde. Keine Mauer und ein Zaun ist nötig, um diese Barriere zu beschützen, das macht sie ganz allein. Mein Sternzeichen ist Wassermann, da wurde ich nicht hineingeboren, aber zu gern würde ich mich einheiraten. Der alte Mann und das Meer stünde da vor dem Altar und würde sich das Ja-Wort geben. Ich werde ein ganz alter Mann sein. Ich werde liegen und nicht stehen und mit deinem ärgsten Feind in Kontakt getreten sein, damit ich mich dir ganz hingeben kann. Vollkommen zerstreut.

Luft und Wasser

Kleinste Kügelchen drängen sich aneinander und sammeln sich langsam zu einem großen Tropfen. Groß genug, sich zu lösen und den vorgeschriebenen Weg anzutreten. Doch was hier oben geschieht, passiert dort unten ebenso. Gluckernd findet die Blase einen Spalt im Meeresboden und steigt empor. Immer schneller eilt sie dem Hellen entgegen, nicht wissend, dass aus dem Hellen ein Tropfen ebenso ins Dunkel des Ozeans stürzt. Merklich wärmer ist es der Blase geworden ebenso dem Tropfen, bis er aufschlägt, just als die Blase die Wasseroberfläche durchbricht. Die Beiden berühren sich, vermischen sich, tanzen gar. Ein Tanz von einer Millisekunde, den sie haben, bevor die schnelle Reise beendet ist. Wie selten so ein Aufeinandertreffen wohl sein mag?

Die Taufe

Überall am Körper zittere ich. Ganz sicher nicht vor Kälte, aber ich habe doch Angst, das gehört wohl dazu, vielleicht prüft er mich auf diese Weise. Als ich zum Täufer in den Fluss steige, greifen mich seine starken Hände. Er spricht einige Worte, die ich kaum wahrnehme und dann drückt er mich unter Wasser. Ich halte die Luft an, so gut es geht und bewege mich nicht. Die Zeit scheint still zu stehen und ich spüre den Druck auf meinem Brustkorb. Ich will nicht ausatmen, denn dann würde ich daraufhin wieder frische Luft in mich aufnehmen wollen. Mir wird schwindelig und die Luftblasen verlassen meinen Mund. Ich kämpfe instinktiv gegen die starken Arme des Täufers, doch seinem Griff kann ich nicht entkommen. Mir entweicht die Luft und vor meinem Auge läuft mein vergangenes Leben ab. Ich blinzle und schaue in die Sonne, nachdem mich der kräftige Mann wieder aus dem Wasser gezogen hat. Ich weiß nicht, woran er den richtigen Zeitpunkt erkennt, aber er hat mich mein Leben noch einmal durchleben lassen, er hat mich Reue über meine Fehler spüren lassen und ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Neulich sprach ich mit einem Seher, er wollte mir weiß machen, dass man in der Zukunft kleine Kinder taufen würde, die noch keine Sünde begangen hatten, aber so wäre es wenigstens in Ordnung, dass sie nicht mit dem Tode ringen müssten, weil man ihnen nur ein wenig Wasser auf den Kopf tröpfeln würde.

Ins kalte Nass

Der Wind wischt mir die Haare aus dem Gesicht, während meine nach oben durgestreckten Arme sich an dem Griff halten, der mit dem langen Band verbunden ist. Als der Umkehrpunkt der Schaukel erreicht ist, lasse ich los und fühle mich für einen kurzen Moment schwerelos, während das klare Wasser immer mehr auf mich zukommt. Mir ist nach Schreien zumute, aber ich halte die Luft an. Der See ist eiskalt. Es wummert dumpf in meinen Ohren, als ich eintauche und wieder erlebe ich einen Moment der Schwerelosigkeit. An meinem Körper gleiten Luftkügelchen nach oben und kitzeln mich sanft dabei. Einige Züge mit meinen Armen und den Beinen und ich finde mich wieder an der Wasseroberfläche. So wie die Luftbläschen zuvor an mir emporstiegen, drückt nun ein Schrei aus meinem Magen hervor. Ein Schrei voll Befreiung und Glückseligkeit. Nach einigen Augenblicken schnürt mich die Kälte immer mehr ein und ich steige wieder aus dem Wasser zu der Freundin, die bäuchlings auf der Decke liegt. Ich wecke sie, indem ich mit starkem Kopfnicken ein paar kalte und nasse Tropfen aus meinem Haar auf ihren Rücken schüttle. Ihr lautes „Hey“ zwingt mich zu entschuldigenden Küssen auf die zuvor befeuchteten Stellen. Ihre Haut ist warm und ich will sie nicht noch stärker quälen. So lege ich mich neben sie und schließe meine Augen, um in der Sonne zu trocknen.

Am Fluss

„Wie selten an solchen wunderschönen Tagen solche Plätze doch sind“, schoss es mir durch den Kopf, als ich neben dir lag und wir auf den ruhigen Fluss blickten. Eher zufällig entdeckten wir diese Stelle. Du hieltst mit dem Rad an und das laute Quietschen deiner alten Bremsen ließ mich zurückblicken und zu dir zurückkommen. Du schobst dein Fahrrad durch die Bäume und das Dickicht und nach einigen Metern hatten wir diesen abgelegenen Platz gefunden, der unser Platz werden könnte; der es in diesem Augenblick war. Schnell hatten wir uns der Kleider entledigt und waren in Badeklamotten ins kühle Wasser gesprungen. Nun lagen wir auf unseren Badetüchern und wärmten uns in der Sonne. Du weißt, wie sehr es mir gefällt, wenn ich dich necke und du dich für den Moment unerreichbar gibst, so wie eben, als ich die Schleife deines Oberteils öffnen wollte und du mich mit bösem Blick daran hindertest. Ich war überrascht und hielt entschuldigend die Hände vor mich, dann lachtest du los, denn du fandst es  putzig. Ein kurzer Kampf zwischen uns und ich lag auf dir und küsste dich. Wieder zog ich an der Schleife hinter deinem Kopf. Dieses Mal schütteltest du leicht beim Küssen den Kopf und ich spürte dein Grinsen auf meinen Lippen…