Der alte Mann (Teil vier)

Die Nacht verbrachte ich auf Toms Couch. Sie war schon vollkommen durchgesessen, so dass man jede Feder spürte, die sich in den Körper bohrte. Ich schlief wenig und machte mich noch vor Sonnenaufgang auf, um zu joggen. Am liebsten hätte ich den See umrundet, aber dafür war er viel zu groß, daher kehrte ich nach einigen Kilometern wieder um. Irgendwas erschien mir am Ufer merkwürdig, aber es war nur ein Gefühl, das ich nicht näher bestimmen konnte. Als ich zurückkam und mich unter die Dusche stellte, kam es mir plötzlich in den Sinn. Die Bäume waren ungewöhnlich kahl gewesen. Womöglich sogar tot. Ich hatte einen Bekannten von meiner Zeit an der Uni, der Biologe war, ihm konnte ich ein paar Wasserproben zuschicken, die ich noch an diesem Tag sammeln würde, ich brauchte nur sterile Behältnisse, aber die würde ich in der Stadt bekommen. Tom lebte seit Jahren hier und somit auch von dem Fisch aus dem See. Womöglich war hier die Ursache für seinen Husten zu finden.

Beim Frühstück fragte er mich, wo ich am Morgen gewesen sei. Ich antwortete ihm, dass ich joggen war, was er nur mit einem Zucken der Schulter beantwortete. Das war wohl nichts für ihn. Ich sprach ihn auf die Bäume an, da sah er mich für einen Augenblick lang intensiv an und widmete sich dann wieder seinem Essen. Von meiner Idee erzählte ich ihm nichts. Es erschien mir unsinnig, ihm eine These zu erzählen, die nur auf zwei Indizien beruhte. Das hätte ihn vermutlich nur genervt oder er hätte mich für den typischen Städter gehalten, der den Menschen vom Lande die Welt erklären will.

In die Stadt fuhr ich allein, allerdings mit einer Liste an Lebensmitteln, die ich mitbringen sollte. Ich rief von dort aus meinen Bekannten an und schilderte ihm die Lage. Er erklärte sich bereit, die Proben zu untersuchen und gab mir eine Adresse durch, an die ich sie schicken sollte. Ein weiterer Freund bekam einen Anruf von mir. Er sollte sich erkundigen, ob Firmen in der Nähe des Sees oder dieser Stadt registriert sind. Er meinte, dass ich in zwei Stunden noch einmal anrufen solle und dann könnte er mir schon erste Informationen geben. Somit hatte ich eine gute Weile, um einzukaufen, Mittag zu essen und diese kleine, verlassene Stadt kennenzulernen, in der mich jeder Einwohner ansah, als käme ich vom Mond.