Der Anfang

Der Tag war lang, heiß und anstrengend gewesen. Die ewiggleichen Fragen der Kundschaft hatten mich genervt, ebenso wie deren Undankbarkeit. Wir litten alle in der Hitze.

In meinem Zimmer angekommen und warf ich mir ein Handtuch um den Hals, um den Schweiß aufzufangen, der mir nach der Fahrt mit dem Fahrrad ganz selbstverständlich aus den Poren kam. Ich setzte mich, klappte meinen Laptop auf und suchte nach irgendetwas, das mir diese Welt erzählen wollen würde. Aber da kam nichts. Also klappte ich das Ding wieder zu und spürte, wie mich eine Müdigkeit und Schwere überkam, der ich mich auf meinem Bett hingab.

Ich schlief nur einen Moment. Den Traum konnte ich beim Erwachen nicht festhalten, weil ich als erstes meinen Kopf gedreht hatte. Der Schweiß klebte feucht an mir und ich beschloss aufzustehen und mich wieder auf mein Rad zu setzen. Und so rollte ich in Richtung des Flusses. Die Welt zog eigenartig an mir vorbei, als würde ich gar nicht in ihr sein. Alles glitt an mir vorüber und es faszinierte mich nicht. Es betrübte und es erheiterte mich nicht. Keine Wut und keine Angst keimte auf. Ich war in meiner Blase und radelte ein wenig am Fluss entlang. Ich machte kehrt und fuhr wieder heim.

Zuhause angekommen überkam mich der Durst und ich griff mir eine geöffnete Flasche aus dem Kühlschrank und trank sie in einem Zug aus. Meine Mitbewohnerin Lina kam herein und fragte mich: „Alles okay?“ Ich nickte: „Ja.“ Sie stellte in einem fragenden Ton fest: „Du hast gerade den Wein auf ex getrunken.“ „Ja, der war so wunderbar kühl“, entgegnete ich und stellte fest, wie süßlich er geschmeckt hatte. Ich räumte ein wenig in der Küche auf und plötzlich vernahm ich einige unklare Worte von Lina und fragte: „Ähm was?“ „Du hast wirklich nicht zugehört?“, fragte sie erheitert. Ich war einfach nicht da und es fühlte sich gut an. Es war eine Zufriedenheit, die ich da in mir spürte und die ich mir nicht rauben ließ. Sie verstand mich und ließ mich allein.

Ich begann die Küche zu putzen und fragte mich, wie ich in diesen Zustand gekommen war. War es, weil ich direkt vom Traum aufs Rad gestiegen bin? War mein Kopf noch in der Traumwelt geblieben, während mein Körper durch die Realität schritt? Der Zustand genügte mir. Mein Leben hatte die Schwere verloren, aber auch den Wert. Ich hätte direkt sterben können und es wäre in Ordnung gewesen. Mir wurde das Leben egal und ich hätte morden können, ohne mich von der Moral nerven zu lassen. Mir kam es vor, als könnte ich eine Wahrheit erkennen, die mir sonst durch Filter verschlossen blieb. Es war ein herrliches Gefühl. So viel Gott und so viel Buddha hatte ich gar zu erleben erwartet. Ich ging glücklich in mein Zimmer und begann zu schreiben.

Eine Lüge und eine traurige Wahrheit

„Warum hab ich gerade Schluckauf?“, fragte die Fünfjährige ihre Mutter und während diese noch nach einer Antwort suchte, log ich dreist und behauptete, dass das passiert, weil ihr Vater gerade an sie denkt. Eine Lüge, die ich für legitim halte, erinnert sie das kleine Mädchen doch nur daran, dass er gerade womöglich auch zu Abend isst. Sie denkt an ihn und ich bin mir sogar sicher, dass er auch an sie denkt.

„Stimmt das wirklich, dass es schlechtes Wetter gibt, wenn man nicht aufisst?“ „Ja, aber deswegen helfe ich euch ja“, erklärte ich und ärgerte mich, dass ich schon ein zweites Mal an einem Abend flunkerte. Erst später überdachte ich jene Aussage und stellte fest, dass sie so falsch gar nicht ist, wenn man sie sinnbildlich betrachtet. Was wir so alles in Überfluss produzieren und wegwerfen, ohne es „aufgegessen“ oder „angerührt“ zu haben und befeuern damit die Unwetter und Naturkatastrophen.