Kleine Steine

Kleine Steine kleben an der Fußsohle. Sie wanderten vom Flur ins Bad. Sie begleiteten mich von draußen mit nach Hause. So wie die Erinnerung an die leere Bahnhaltestelle. Dort lagen auf zwei metallenen Sitzplattformen eine prallgefüllte Tüte und ein paar Winterstiefel. Tags zuvor hatte ein wohnungsloser Mann die Schuhe noch getragen und sich neben seiner Tüte in einen zerlumpten Schlafsack gelegt. Irgendwer hatte ihn weggeholt, doch all sein Hab und Gut, es wartete auf ihn. Wie sollte er es finden, wie sollte er die eisige Kälte und all die kleinen Steinchen unter seinen Füßen ertragen, gegen die ihn doch nur seine Stiefel schützten.

Die kleinen Steine können meinem Staubsauger nicht entkommen. Ganz verzückt lausche ich, wie sie mit klackerndem Geräusch gegen den Schlauch geworfen werden. Nach wenigen Minuten gibt es nur noch den glatten Holzboden in einem warmen Zuhause. Weggesaugt sind die Steinchen und die Erinnerung an eine kalte Welt. Ist es so einfach?

So Nächte…

Es gibt so Nächte, da freut man sich, im warmen Bett zu liegen, weil die Kälte vor der Tür einen zu Eis erstarren lassen wollte. Es gibt so Nächte, da findet man im Bett eine Person, die in Boxershorts und T-Shirt neben einem liegt und sich an dich kuschelt, weil sie auf der Treppe auf einen wartete. Es gibt so Nächte, da drückt man seinen vom Nach-Hause-radeln erhitzten Körper gegen einen kleine Person, die neben einem eingemurmelt liegt. Es gibt so Nächte, da bedankt sich eine leicht unterkühlte Person bei einem, weil man ihr ein guter Freund ist und sie nur wärmt, obwohl der Körper seine Lust stillen will. Es gibt so Nächte, da schlafen zwei Menschen nebeneinander ein, nachdem sie sich aufgewärmt haben und selig nebeneinander träumen. Es gibt so Nächte, die werden zu einem neuen Morgen und zwei Menschen schauen sich freundschaftlich-liebevoll an, bevor jeder wieder seines Weges gehen und in die Kälte hinaus muss.