Reiseparadies

ein überarbeiteter Reprint, denn erst heut Morgen konnte ich die Bilder festhalten, die ich letzte Nacht sah, als ich den Text schrieb:

Das war schon immer mein Lieblingsplatz und es überrascht mich, dass ich hier niemals einem anderen Träumer begegnete, denn es gibt wohl kaum einen idyllischeren Ort als diese verlassene und heruntergekommene Mühle. Schon als kleiner Junge kam ich immer wieder hier her, meist mit meinen guten Freunden, aber so manches Mal auch allein. Ich erinnere mich noch genau, wie ich beim ersten Mal Angst vor der Dunkelheit hatte, denn ich wusste nicht, worauf ich stoßen würde. Was wenn dort jemand drin war oder Ratten sich dort heimisch fühlten. War das Holz sicher, wo es doch bei jedem Schritt knackte. So tastete ich mich im Dunklen langsam vor, bis ich sich meine Augen daran gewöhnt hatten und ich die Umgebung und ihre Schatten erkannte. Ich hatte mit meinen Freunden gewettet, dass ich die Mühle erkunden würde und so gab es natürlich kein Zurück mehr. Und wie bei meinem ersten Besuch, traf ich dort nie jemanden an. Ein bisschen traurig bin ich darüber, dass ich Heutzutage diese Räume nicht mit anderen Besuchern teilen muss. Ich frage mich, ob die Mühle nicht das ehrliche Lachen von Kindern verdient hat. Oder ob ich nicht einfach all die alten Freunde einladen sollte, damit wir wieder bis in die späten Stunden hier rumhängen und wir vom Jagen völlig erschöpft am Boden liegen bleiben, uns die Splitter aus den Fingern ziehen und uns Ausreden ausdenken, warum die Hose zerrissen ist. Aber das macht man ja als Erwachsener nicht mehr. Warum eigentlich nicht? So wie damals in der Scheune, aus der wir vom Bauern herausgejagt wurden, weil wir zwischen den Heuballen Verstecken spielten. Es ist das Licht, welches nur hie und da durch ein paar herausgebrochene Holzstücke oder Backsteine blinzelt. Solche Orte waren für uns die schönsten Abenteuerspielplätze, heutzutage sind sie ein kleines Urlaubsparadies, denn wenn ich hier auf dem Holzboden liege, beginne ich sofort eine Traumreise.