Ein tiefer Schluck

Der Blick durchs Abteil entlockte mir nur ein innerliches Gähnen. Zwei Jungesellinnen-Abschiede, bei dem in einem Fall Miss Piggy ihre anstehende Heirat „zelebrierte“. Vermutlich saß Kermit allein zu Haus und sah sich einen Porno an – wer weiß. Ein Trupp Amerikaner fabulierte über spanisches Bier und osteuropäische Frauen. Eine merkwürdige Kombination, aber wir leben in einer globalisierten Welt – also warum nicht? Ich wünschte mir ein schönes Gesicht. Nicht für einen Flirt, dafür fehlen mir die Eier, aber für einen schönen Tagtraum.

Die Flasche Wein habe ich fast gekillt, aber er wirkt nicht, er macht mich lediglich aggressiv – und müde. Ich traue mich nicht, die Augen zu schließen, denn mir fehlt dieses süße Gesicht, was ich dann vor mir sehen könnte. Stattdessen wäre es Miss Piggy oder ihr masturbierender Kermit – oder beide zusammen. Das ist keine Option. Dabei ist die Fahrt noch so unendlich lang und die Flasche fast leer. Zeit für den nächsten, tiefen Schluck.

Lange Minuten

Der Zug schaukelt seine Gäste durch, der Zielbahnhof rückt unaufhaltsam näher und der Blick auf die Uhr zeigt, dass es nur noch wenige Minuten sind, bis man sie sieht… in den Arm nimmt… spürt… mit jeder Sekunde, die verstreicht, wächst die Ungeduld vor diesem schönen Moment. Die anderen Reisenden sehen am Lächeln, dass es einem gut geht. Auch sie freuen sich auf den nahenden Bahnhof, doch dieses Kribbeln scheint nur einer Person in diesem Waggon vergönnt zu sein.